„Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe"

Streit ums Klima: Grünen-Chef kontert auf Brief von Bürgermeister

Ascheberg – Der Klimawandel mit seinen Folgen beherrscht aktuell vielerorts die politische Diskussion. In Ascheberg hat Bürgermeister Dr. Bert Risthaus gerade mit einer augenzwinkernd formulierten Replik auf Grünen-Vorsitzenden Hubert Beckmann geantwortet. Der hat jetzt gekontert.

„Den Klimanotstand bewältigen statt ausrufen“, setzt der Verwaltungschef auf Pragmatismus. Am Montag konterte Risthaus gegenüber unserer Zeitung noch einmal Beckmanns Vorwurf, in der Gemeinde Ascheberg werde in Sachen Klimaschutz nichts getan. 

„Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe, es wird an vielen Rädchen gedreht, aber das ist nicht immer so sichtbar“, sagte Risthaus. Anders sieht das der Grünen-Politiker: „Die Alarmglocken müssten schrillen und wir müssten alles tun, um das Klimaziel von 1,5 Grad Erwärmung nicht zu überschreiten“, sagte er am Montag und hat seinerseits mit einer Mail an Risthaus reagiert. 

Wichtiges Thema: Landwirtschaft

„Die von der Gemeinde Ascheberg installierten Flächen der Artenvielfalt wurden publizistisch hervorragend vermarktet, kosteten Unsummen unserer Steuergelder, belegen nicht einmal 1/100 Promille unserer Gemeindefläche und erweisen sich als Artenfallen (jedes Reptil, das in den artenvielfältigen Kreisverkehr will, erlebt Lebensgefahr)“, schreibt er an den Bürgermeister. 

Hubert Beckmann

„Mit der Vergrößerung des Regenrückhaltebeckens der Kläranlage Herbern zwecks Hochwasserschutzes bei Starkregenereignissen hat die Gemeinde den Klimawandel schon eingepreist“, ist Beckmann überzeugt. 

Ein aus seiner Sicht wichtiges Thema ist die Landwirtschaft, die zur CO2-Produktion beitrage. Er nennt Stichworte wie die Verfütterung von Soja-Schrot aus Brasilien. „Die österreichische Ökoregion Kaindorf arbeitet klimaneutral“, rät Beckmann dazu, sich vor Ort daran zu orientieren. 

"Da sollten Sie mal in sich gehen!"

„Ich mache den Landwirten keinen Vorwurf, man muss in Veranstaltungen informieren und das Gespräch suchen“, sagt er. „Im Gemeinderat“, so heißt es in seiner Mail an Risthaus weiter, „ist eine Mehrheit mehr als glücklich, dass wir in Ascheberg keine Windkraftwerke bauen dürfen. In Albersloh stehen mehrere dieser Anlagen – und die sehen landschaftlich nicht doof aus. Doof sehen die tausenden von übergroßen Maisfelder in unserem Münsterland aus, wegen derer tausende von Hecken fielen, und die als C4-Pflanze alles erdenklich Mögliche tun, um unser Klima zu erwärmen. Da sollten Sie mal in sich gehen!“ 

Schöner Aufhänger, Hintergrund sei aber ernst

Risthaus hat für seinen nicht ganz ernst gemeinten „Hilferuf“ an Bundeskanzlerin, Bundesverkehrsminister und Youtuber Rezo auch andere Reaktionen geerntet. „Daumen hoch“, hätten viele signalisiert. Das war ein schöner Aufhänger, aber der Hintergrund ist ernst“, betonte Risthaus. 

Dr. Bert Risthaus

Doch einen fiktiven Klimanotstand auszurufen, sei aus seiner Sicht nicht hilfreich. Tatsächlich gebe es in der Gemeinde schon seit vielen Jahren Maßnahmen, zum Beispiel das langjährige Projekt „Energiesparen macht Schule“, die Realisierung der Klimaschutzsiedlung oder den Hochwasserschutz an der Deipenwiese. Den Verzicht auf den Einsatz von Glyphosat durch den Bauhof habe schon sein Amtsvorgänger Dieter Emthaus angeordnet, lange bevor Beckmann dies eingefordert habe. 

"Sachpolitik, nicht Symbolpolitik“

„Wir machen seit Langem Sachpolitik, nicht Symbolpolitik“, entgegnete er in Richtung Grünen-Politiker. Mit der Einrichtung eines von der Gemeinde geplanten Bürgerwindparks wäre die Gemeinde heute klimaneutral, so Risthaus. 

Das sei aber durch die Flugsicherungsbehörde (Bund) mit Verweis auf das Drehfunkfeuer in Albersloh nicht genehmigt worden. Seit vielen Jahren bemühe sich die Gemeinde zudem um den Bau des zweiten Gleises, das den Individualverkehr eindämmen würde. 

„Wir sind nicht bei Null“, wies er Beckmanns Einschätzung kategorisch zurück.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Jan-Philipp S

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