Prozess um Mordversuch: Opfer schildert die schlimmste Nacht seines Lebens

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Beim dritten Prozesstag am Landgericht Münster sagte am Donnerstag das Opfer aus, hier mit seinem Anwalt.

Ascheberg - Fortsetzung im Fall des verhandelten Mordversuchs: „Wir müssen das jetzt zu Ende bringen. Als ich diesen Satz hörte, da hatte ich Todesangst.“ In allen schrecklichen Einzelheiten schilderte das Opfer am Dienstag vor dem Landgericht Münster die schlimmste Nacht seines Lebens am 28. Mai in einem Waldstück am Kanal in Lüdinghausen.

Als die Jüngste aus dem Trio der Peiniger dann auch noch „Er kennt mich“ äußerte, da flehte der junge Mann um sein Leben. Doch das ignorierten die drei Folterer und steigerten die Tortur noch weiter. Im Gegensatz zu ihren 17 und 19 Jahre alten mitangeklagten Freunden trug die 17-jährige Aschebergerin bei den Taten keine Maske.

Im großen Saal des Landgerichts war es am Donnerstag mucksmäuschenstill. Trotzdem war die Zeugenaussage des Opfers teils nicht zu verstehen: die Erinnerungen nahmen ihn so sehr mit, dass er oft sehr leise sprach. Richter und Staatsanwalt mussten ihn bitten, das Mikrofon näher an sich heranzuziehen. Der junge Münsteraner war entgegen früherer Behördenangaben bei der Tat nicht 18, sondern 19, und ist mittlerweile schon 20 Jahre alt. Die Aschebergerin, die ihre Freunde mit einer erfundenen Vergewaltigung zu dem „Racheakt“ in Selbstjustiz an dem Münsteraner angestachelt hatte, hatte am Donnerstag doppelten Beistand. Neben ihr auf der Anklagebank saß diesmal nicht nur die Rechtsanwältin, sondern auch ihre Mutter.

Opfer schildert wichtige Details anders

Im Wesentlichen bestätigte der 20-Jährige den Ablauf der Folternacht, wie er von den Tätern weitgehend eingestanden wurde. Wichtige Details schilderte er aber anders. Zum Beispiel die drei Würgeversuche mit Kabelbindern und Ledergürtel. Die beiden männlichen Angeklagten wollen an beiden Enden der Werkzeuge rechts und links hinter dem knienden Mann gezogen haben, so dass Binder und Gürtel U-förmig um den Hals lagen. Der Gewürgte selbst hatte eher eine Schlinge gespürt, so stark sei ihm die Luft weggeblieben.

Die mit dem Teppichmesser verursachten tiefen Schnittwunden wollen die Täter in der Nacht nicht als schwere Verletzungen erkannt haben. Sie hätten aber mit einer Taschenlampe auf ihn geleuchtet und dabei die Zentimeter tiefen stark blutenden Wunden sehen müssen, korrigierte das Opfer. Dann waren plötzlich die Angler auf der Kanalbrücke aufgetaucht, was die Angeklagten zu sofortiger Flucht veranlasste.

Starker Lebenswille

Trotz des starken Blutverlustes und seiner durch Tritte und Schlagstockhiebe schweren Kopfverletzungen konnte sich der junge Mann noch aus dem Wald schleppen, wie er sich erinnert. „Ich bin den Leuten von der Brücke entgegengetaumelt.“ Er habe einen starken Lebenswillen gehabt. Dieser Wille hat auch zu seiner Genesung beigetragen.

Außer Narben, so sein Rechtsanwalt Dr. Dirk Pleger, habe er nichts zurückbehalten. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt. Als Zeugen geladen sind unter anderem die rettenden Angler von der Kanalbrücke.

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