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Lehrer wechseln die Seiten: Ein Praktikumstag im Betrieb

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Von: Gaby Heinkel-Brüggemann

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Eddy Tietchen (li.) versuchte sich unter Anleitung von Matthias Reker als Fleischer. © Gaby Heinkel-Brüggemann

Ascheberg - Medikamente auspacken, dem Fleischer an der Supermarkttheke zur Hand gehen, oder Fliesen verlegen. Solche und viele weitere Eindrücke aus der Berufspraxis holten sich am Dienstag  – zumindest für einen Vormittag – die Lehrkräfte der Profilschule Ascheberg ab. Getreu dem Motto des NRW-Programms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ loteten die Lehrkräfte in heimischen Betrieben aus, was für eine effektive Berufsvorbereitung zu tun ist.

Ein gelungenes Experiment, wie die befragten Lehrer und ihre Arbeitgeber für einen Vormittag gegenüber dem WA bestätigten. Eddy Tietchens, Lehrer für Physik und Chemie, schaute Fleischer Matthias Reker im Rewe-Markt Frenster über die Schulter. Von dem Negativ-Image, das der Fleischerberuf bei seinen Schülern habe, wollte der Pädagoge nichts wissen und schon gar nicht mit einem Büro-Praktikum tauschen. Hier könne man die Dinge in die Hand nehmen, berichtete er und nannte notwendige Kompetenzen: Kopfrechnen, Kreativität, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Teamfähigkeit, Hygienevorstellungen. Es sei wichtig, den Kunden immer etwas Neues anzubieten, betonte er, Reker pflichtete ihm bei.

Themen für den Unterricht

Tietchens Kollege Carsten Nas, Lehrer für Mathematik und Gesellschaftslehre, kann seinen Schülern ebenfalls über breit gefächerte Aufgaben berichten. Er hospitierte bei Thomas Schürmann in der Obst- und Gemüseabteilung des Rewe-Marktes. Wichtig sei vor allem der Austausch mit den Ausbildern, strich er heraus. Die Fragestellung, „Wo kommt das Obst her?“, berühre das Thema Import/Export im Fach Gesellschaftslehre, gab er ein Beispiel für praktische Anwendung im Unterricht. Thomas Schürmann begrüßte die Methode des Kurzpraktikums. So würden vielfältige Arbeitsabläufe vermittelt, meinte er. In der Marienapotheke in der Sandstraße hospitierte Mathematiklehrerin Nicola Sommer. Hier werden Kompetenzen in allen Unterrichtsfächern gebraucht, nahm sie als Erfahrung mit in die Schule. Das Kurzpraktikum bewertete sie nach 13 Jahren Schuldienst als „tolle Erfahrung“.

Pädagogen ziehen positive Bilanz

In der Sparkasse in Ascheberg tauschte sich Christine Schiffeliers, Fachlehrerin für Deutsch, Französisch und Religion, mit Ausbildungsleiterin Anke Richter aus, die für 160 Auszubildende im Geschäftsbereich zuständig ist. Hilfe bei Bewerbungen und bei der Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen seien wichtig, gab Richter der Pädagogin auf den Weg. Im Fliesenmeisterbetrieb von Karsten Nägeler in Herbern verschaffte sich Caroline Kersten einen Einblick und fuhr mit zur Baustelle in Bockum-Hövel. Die Auszubildenden durchlaufen eine dreijährige Lehrzeit, werden im Betrieb, in der Berufsschule und auf dem Lehrbauhof in Münster unterrichtet, erklärte Prokurist André Gesenhof. Im Anschluss an die Probearbeit werteten die Pädagogen in Arbeitsgruppen ihre Erkenntnisse zur Umsetzung in der Studien- und Berufsorientierung aus. Die im Regierungsbezirk Münster einzigartige Idee entwickelte Simone Lütkenhaus. J gh

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