Polarisierendes Kabarett mit der „Buschtrommel“

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Andreas Breiing und Britta von Anklang beten für den Spitzensteuersatz.

Ascheberg - Kabarett polarisiert. Was für den einen humorvoll und unterhaltsam ist, findet der andere abgedroschen und unter der Gürtellinie. Und so traf auch das, was „Die Buschtrommel“ im Bürgerforum verlauten ließ, auf ein geteiltes Echo.

Britta von Anklang und Andreas Breiing lieferten auf Einladung des Ascheberger Kunst- und Kulturvereins „Kukaduh“ mit ihrem Programm „Dumpf ist Trump(f)“ ein Stakkato an Pointen, von denen allerdings ein erheblicher Teil nicht zündete. 

GroKo, Trump oder die AfD: Themen für politisches Kabarett bieten sich derzeit zuhauf. Als „Die Buschtrommel“ hechelten sich Britta von Anklang und Andreas Breiing am Freitagabend durch das weite Spektrum aktueller Geschehnisse.

Vom Steuersatz bis Flüchtlingsproblematik 

Vom Spitzensteuersatz über Organtransplantation bis zur Flüchtlingsproblematik rissen sie alles an, was derzeit für Schlagzeilen sorgt, schossen gegen Erdogan und Trump. 

Letzterem sprachen sie durchaus „Hirn im Kopf“ zu – allerdings wisse er nicht, wie man da rankomme. Dann wurde ihm der Verstand einer mexikanischen Wüstenspringmaus und die Frisur eines Eichhörnchens attestiert oder gleich die ganze USA für durchgeknallt erklärt: „Was grenzt an Dummheit? Mexiko und Kanada.“ 

Klar verteilte Rollen

Die Rollen waren klar verteilt: Breiing gab den machohaften, biertrinkenden Fleischliebhaber, dem das Auto nicht groß genug sein kann, von Anklang die emanzipierte vegan-gesundheitsbewusste Elektroautobefürworterin. 

Doch diese Klischeedarstellung wollte nicht so recht ankommen beim Publikum im voll besetzten Bürgerforum, wirkte sie über weite Strecken doch angestrengt. Leider vergriff sich das Duo auch des Öfteren in der Wortwahl und ließ Subtilität vermissen. 

Glanzpunkte setzen die Akteure im Alleingang

So landeten einige Pointen deutlich unter der Gürtellinie. Brachialhumor („Özdemir klingt wie das Erbrechen nach einer Sauftour“) inklusive Bier-Exen und Rülpsen ist einfach nicht jedermanns Sache. Was nicht heißt, dass es nicht Zuschauer gab, die sich prächtig amüsierten. Was auch nicht heißt, dass es nicht auch Glanzpunkte in „Dumpf ist Trump(f)“ gibt. Die setzten die Kabarettisten allerdings im Alleingang. 

Herausragend war Britta von Anklangs Solo zum Urlaub in Holland, das nicht nur Campingfreunde begeisterte, sowie ihre „Flinten-Uschi“, Ursula von der Leyen, die sich als Merkel-Nachfolgerin in Stellung bringt. 

„Flinten-Uschi“ und Rechtspopulist

Glanzpunkte setzen die Akteure allein Andreas Breiing indes brillierte als AfD-Rechtspopulist mit seiner Bewerbungsrede für das Umweltministerium, bei der er deutlich auf Führer-Diktion einschwenkte. Sein politisches Vorbild war auch optisch klar erkennbar: Da wird der Scheitel akkurat nachgezogen, ein kleines quadratisches Bärtchen findet Platz über der Oberlippe. „Die Zugvögel, das sind die Sinti und Roma der Tierwelt“, kläffte er. „Es lebe die deutsche Tierwelt. Nieder mit dem kommunistischen Rotwild – schützt die deutsche Stubenfliege.“ 

Auch als wortgewaltiger amerikanischer Reverend White zeigte Breiing Klasse: Er predigte mit irrem Blick und wirrem Haar gegen Plastikmüll („Das ist die Ubel von die Welt“), verteufelt die „Tute“ der Discounter und verschont auch die Tupperpartys nicht mit einem zornigem „Halleluja“.

Alles in allem präsentierte die „Buschtrommel“ im Bürgerforum ein Programm mit Höhen und Tiefen. Ein Teil des Publikums goutierte das mit stehendem Applaus, ein anderer mit verständnislosem Kopfschütteln und Enttäuschung. Kabarett polarisiert eben.

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