Parteispitze besucht die Ascheberger Liberalen

Christian Lindner ▪ Foto Jürgen Menke

ASCHEBERG ▪ Die Präsidentenfrage als Wendepunkt: Geht es nach den Rednern beim 13. Liberalen Aschermittwoch in Ascheberg, erfährt die FDP mit der Durchsetzung ihres Kandidaten Joachim Gauck eine Art politische Wiederbelebung – nach Monaten, in denen die Partei geradezu totgesagt worden sei.

2012 werde das Jahr der Trendwende, gab sich Ex-Generalsekretär Christian Lindner kämpferisch. Ohne die FDP würde es einen Präsidenten Gauck nicht geben, unterstrich NRW-Landesvorsitzender und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Mehr als 100 Parteifreunde saßen am Abend in Frenking’s Tenne – und als Gast Dr. Bert Risthaus von der CDU. Aschebergs Bürgermeister vernahm geduldig, wie vor allem Lindner und zuvor der FDP-Vorsitzende im Kreis Coesfeld und JuLi-Landeschef Henning Höne mit den politischen Gegnern und auch mit dem Berliner Koalitionspartner ins Gericht gingen. Der Schwanz wedele mit dem Hund, habe es aus Reihen der CDU zum Thema Gauck geheißen, führte Lindner aus. Es sei aber auch möglich, dass sich der Schwanz einen anderen Hund suche, warnte er in Richtung Hauptstadt.

„Ich habe mein Amt abgelegt, aber nicht meine Überzeugung.“ Mit diesen Worten hatte Lindner seine Zuhörer begrüßt, um sich sodann als „MdB, Mitglied der Basis“ vorzustellen. Ganz Profi, frei redend, ging er auf die Euro-Krise ein (nicht ohne eine Breitseite auf die „Ängste schürende“ SPD abzufeuern), hielt er ein Plädoyer für mehr Wachstum, denn nur so könne der Sozialstaat finanziert und Griechenland geholfen werden, und entwickelte seine Vorstellung von einer offener Bürgergesellschaft. Da war er wieder bei Gauck. Der könne zusammenleben, mit wem er wolle. „Das Entscheidende ist, dass er glücklich ist“, so Lindner. Die Menschen bräuchten weder von links noch von rechts eine Schablone, wie sie leben sollen.

Auch Bahr nahm zu Gauck Stellung. „Ich wünsche mir einen Bundespräsidenten, der nicht nur FDP-Meinungen vertritt, sondern Anstöße gibt“, sagte er. Eine solcher sei mit Gauck gefunden. Zugleich mahnte Bahr davor, dessen Leben ähnlich wie im Fall des zurückgetretenen Christian Wulff bis ins kleinste Detail auszubreiten. Dies schade der politischen Kultur. Niemand werde mehr öffentlich für eine Sache, eine Partei oder eine Überzeugung eintreten, wenn er damit rechnen müsse, an den Pranger gestellt zu werden.

„Wenn Berlin nicht funktioniert, dann laufen wir uns an der Basis die Füße platt“, hatte Gerhard Stauff, Bezirksvorsitzender der FDP Münsterland, vor den Reden Lindners und Bahr gesagt. Deren Botschaft: Berlin funktioniert. Und so herrschte in Ascheberg mehr Aufbruch- denn Katerstimmung. ▪ am

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