Organspende: So begann für Birgit Krömann ein neues Leben

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Birgit Krömann

Ascheberg/Werne – Birgit Krömann ist eine sympathische Frau, die 51-Jährige strahlt Lebensfreude aus, lacht gern und viel, verbringt gerne Zeit mit Freunden und Familie und hat einen Job, der ihr Freude macht. Alles super? Nicht so ganz.

Denn dass die Aschebergerin so fest im Leben steht, hat sie vor allem Menschen zu verdanken, die sich für eine Organspende entschieden haben. Gleich zwei Mal in ihrem Leben war Birgit Krömann auf eine Organspende angewiesen, gleich zwei Mal hatte sie das Glück, dass passende Organe gefunden werden konnten. Jetzt berichtete sie auf der Jahreshauptversammlung der Landfrauen Werne von ihren Erfahrungen.

Schon als Kind erkrankte sie an Diabetes mellitus Typ 1, hatte die Krankheit aber medikamentös gut im Griff. Doch als sie schwanger wurde, änderte sich das, eine Schwangerschaftsvergiftung schädigte ihre Nieren 1999 so stark, dass sie 2002 dialysepflichtig wurde. „Damit war auch klar, dass ich auf eine Organspende angewiesen war, wenn ich wieder ein halbwegs normales Leben führen wollte“, berichtet Birgit Krömann.

Als Diabeteserkrankte war Birgit Krömann sowohl auf eine neue Bauchspeicheldrüse als auch eine neue Niere angewiesen. „Ein neues Organ zu benötigen, ist schon schwierig, aber gleich zwei…? Es war eine sehr schwierige Zeit und vor allem eine Zeit großer Sorge“, erinnert sich die Aschebergerin. Denn eines wollte sie unbedingt: Ihren Sohn aufwachsen sehen. „Aber man weiß ja, wie wenige Spender es gibt.“

Doch Birgit Krömann hatte großes Glück, bereits 2004 wurden passende Organe für sie gefunden. „Doch mein Immunsystem wehrte sich gegen die neuen Organe. Vier Jahre lang haben ich und die Ärzte alles versucht, um die Organe zu halten, doch es hat nicht funktioniert“, ist sie noch heute traurig über den Verlauf. „Ja, es ist tatsächlich eine tiefe Traurigkeit, die man da spürt, denn man fühlt sich auch den Spendern verbunden und verpflichtet. Und wenn man dann die Organe nicht halten kann, ist das auch persönlich schwierig.“

Nach vier Jahren mit wiederholten Krankenhausaufenthalten und vielen Therapien – aber immerhin ohne Dialyse – muss Birgit Krömann 2008 wieder zur Blutwäsche. „Die Spenderniere war abgestorben und musste sogar entfernt werden“, berichtet sie.

Dann das neue Warten auf die Spenderorgane. „Man denkt jeden Tag daran, dass es heute so weit sein könnte, bei jedem Telefonklingeln denkt man ‚Jetzt ist es soweit‘ – und wird dann doch wieder enttäuscht. Das ist psychisch unglaublich anstrengend“, erinnert sie sich.

Zumal auch gleich mehrere Organspende-Skandale in diese Zeit fallen, die Spendenbereitschaft dadurch noch weiter sinkt. „Als Betroffenen macht einen das auch wütend. Es wurde und wird zum Teil auch heute noch immer nur über die Skandale und Missstände berichtet. Dass es doch so viel mehr richtige und lebensrettende Organspenden gibt, wird vernachlässigt.“

Der erlösende Anruf, der gleichzeitig wieder neue Ängste auslöst, kommt 2013. Doch diesmal verläuft alles optimal, „so optimal es eben geht“, schmunzelt Birgit Krömann. Denn zwar kann sie wieder ohne Dialyse leben, Sport treiben, arbeiten gehen – doch täglich nimmt sie 19 Tabletten, damit ihr Körper die gespendeten Organe nicht abstößt. Doch sie spürt vor allem eines: „Da ist eine unendliche Dankbarkeit, den Spendern gegenüber und deren Angehörigen, die mir dieses neue Leben geschenkt haben.“ Doch den Tag der Transplantation feiert sie nicht, „für mich ist das vor allem der Todestag eines großartigen Menschen und ich nutze den Tag, um seiner zu gedenken“.

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