Nordkirchen redet über Windkraft

Die Konzentrationszone für Windenergieanlagen (rot umrandet) liegt im Südosten des Gemeindegebietes. - Grafik: Gemeinde

NORDKIRCHEN - Wo können in Nordkirchen Windräder gebaut werden, welche Bedingungen könnten den Bau verhindern, an welchen kritischen Punkten kommt die Gemeinde nicht vorbei? Am Donnerstag hat die Gemeinde Nordkirchen über die Gewinnung regenerativer Energie in den drei Ortsteilen und angeschlossenen Bauerschaften informiert.

Dazu stand neben Bürgermeister Dietmar Bergmann und Bauamtsleiter Josef Klaas auch Diplom-Geograph Thomas Aufleger auf der Bühne im Forum der Gesamtschule. Der Geschäftsführer der NWP Planungsgesellschaft aus Oldenburg hat im Vorfeld Orte innerhalb der Gemeinde ermittelt, an denen Windräder gebaut werden dürften.

„Der Gesetzgeber sagt, jede Kommune solle im Rahmen ihrer Möglichkeiten Windkraftanlagen errichten. Das ist keine freiwillige Entscheidung der Gemeinde“, sagte Aufleger. Die konkrete Umsetzung allerdings liege hauptsächlich in der Hand der lokalen Politiker.

In seinem Vortrag für Nordkirchener Bürger erläuterte er den Unterschied zwischen so genannten „harten“ und „weichen“ Tabukriterien. So stünden manche Flächen rechtlich nicht zur Verfügung, Naturschutzgebiete etwa oder größere Straßen, in deren direktem Umfeld ein Bauverbot gilt. Auch Mittelwellensender dürften nicht gestört werden. Dies seien harte, eindeutige Kriterien, die den Bau der Energieanlagen per Gesetz verhindern würden. In keinem Gesetz stehe aber, dass Windräder nicht neben einem Wohnhaus stehen dürften. Abstand zu Wohnanlagen von weniger als der zweifachen Höhe eines Windrades würden eine „bedrückende Wirkung“ hervorrufen, das sei wiederum unzulässig. Nach den „harten Tabukriterien“ würde der Abstand zu den Nordkirchener Kirchtürmen mindestens zwei Kilometer betragen, versicherte Aufleger. Dietmar Bergmann sagte dazu in seinem Grußwort, dass auf Schutzansprüche der Bürger wie Lärm- oder Schatteneinfluss eingegangen werde.

Einige Bestimmungen gehen auf die Umweltkatastrophe in Fukushima im März 2011 zurück. Seitdem hat beispielsweise die Ethik-Kommission der Bundesregierung das Konzept der energiepolitischen Ausrichtung Deutschlands überarbeitet. Bis 2050 solle die Bundesrepublik komplett mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden, lautet der Plan. Das Gesetz zur Förderung des Klimaschutzes in Nordrhein-Westfalen aus dem Februar dieses Jahres verpflichtet die Kommunen nun, Windenergiekonzepte zu erstellen.

„Wir arbeiten aber schon länger an umweltverträglichen Maßnahmen hier in Nordkirchen“, betonte Dietmar Bergmann. So seien die Grundschulen in Nordkirchen und Capelle saniert worden, die Südkirchener Schule soll im Sommer folgen. Zudem sei aktuell ein Blockheizkraftwerk für die Gesamtschule in Planung. „Energieeinsparung im Verkehr, Biogasanlagen und Photovoltaik sind nur einige Bereiche, mit denen wir uns intensiv beschäftigen.“

Neben der Frage möglicher Standorte müsse auch geklärt werden, wie das Projekt Windenergie in Nordkirchen finanziert wird. „Es soll eine Bürgerbeteiligung geben.“

Wer den Informationsabend in der Gesamtschule besucht hat, wird auch das Plakat der Bürgerinitiative Beifang-Osterbauerschaft bemerkt haben, das vor dem Eingang aufgehängt wurde. Die Initiative kritisiert mögliche Pläne und spricht sich gegen „Windriesen in Capelle“ aus, die die „Lebensqualität“ beeinträchtigten. „Kritik gibt es in jeder Gemeinde“, sagte Thomas Aufleger.

Josef Klaas ging während seines Vortrags auf die Unterbrechung eines Projektgegners ein: „Es ist ja möglich, dass Bereiche von vornherein vom Bau ausgeschlossen werden. Diese Einschränkung möchten wir durchsetzen, das wird im Interesse aller sein.“ Was aus Auflegers Erkenntnissen und den politischen Auflagen konkret in Nordkirchen resultieren soll, wird nun im Rat der Gemeinde diskutiert. Ein Ergebnis sei schon bald zu erwarten, hieß es am Donnerstag. - gb

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