Frank Holtrup verlässt die CDU – und behält sein Ratsmandat

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Frank Holtrup verlässt die CDU, behält aber sein Ratsmandat.

Herbern - Der Ascheberger Ratsherr Frank Holtrup ist aus der CDU ausgetreten. Sein Mandat im Gemeinderat, errungen bei der Kommunalwahl 2014, will der selbstständige Bauingenieur, der mit seiner Familie in Nordick lebt, bis zum Ende der Legislaturperiode 2020 als fraktionsloses Ratsmitglied ausüben.

„Das ist mit längerer Hand vorbereitet und intensiv besprochen“, machte Holtrup am Freitag auf Anfrage des WA deutlich, dass es zuvor viele interne Diskussionen gegeben hat. Für die Mehrheitsverhältnisse im Ascheberger Rat birgt der Austritt durchaus Brisanz: Denn ab sofort ist bei engen Entscheidungen auch ein Patt möglich. In einer denkbaren Konstellation könnten so die 13 Stimmen von der CDU-Fraktion plus der Stimme des Bürgermeisters (CDU) den ebenfalls 14 Stimmen aus SPD (6), UWG (5) und der fraktionslosen Ratsherren Jochen Wismann (FDP), Hubert Beckmann (Grüne) und Frank Holtrup gegenüberstehen. 

Kritik an der Bundespolitik 

Die CDU-Ortsfraktion treffe an der Entscheidung keine direkte Schuld, betonte Holtrup. Trotz unterschiedlicher Meinungen zu einigen Themen habe man stets einen respektvollen Umgang gepflegt. Seine Hauptgründe lägen vielmehr in der Untätigkeit der CDU im Umgang mit vielen bundespolitischen Themen, schreibt er in seiner Pressemitteilung und kritisiert hier vor allem die fehlende Offenlegung der Lobbyregister. Der Einfluss der Interessenvertreter auf die Politik sei definitiv zu groß, ärgert er sich. „Durch die ausgeartete Liberalisierung verliert der Staat seine konsequente und objektive Entscheidungs- und Durchsetzungshoheit für wichtige Infrastrukturprojekte wie Schienennetz, Güterverkehr, bezahlbarer öffentlicher Verkehr, Breitbandverkabelung, Steuerung einer Energiewende mit dem unerlässlichen Netzausbau usw.“ 

Er will nicht länger „Querkopf“ in der CDU sein

Ein elementar wichtiges Thema sieht Holtrup zudem im Umgang mit der Natur. Man steuere auf ein nie da gewesenes Artensterben mit einem Kollaps der Flora und Fauna zu. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die seiner Meinung nach fehlgeleiteten Subventionen und Prämien. Diesen Sachverhalt prangere er seit fünf Jahren parteiintern an, bezog er sich nicht zuletzt auf seinen innerparteilichen Brandbrief, der im Frühjahr einen Besuch im Landwirtschaftsministerium in Berlin nach sich gezogen hatte. „Allein der Handlungswille fehlt“, zeigte sich Frank Holtrup gegenüber dem WA enttäuscht. Jetzt wolle er nicht mehr der „Querkopf“ in der CDU sein, sondern sich andere Strategien überlegen.

Weiterhin Mitglied im Bauausschuss 

Dem Fraktionsvorsitzenden der CDU-Fraktion in Ascheberg, Ludger Wobbe, zollt Frank Holtrup derweil großen Respekt und würdigt dessen „unermüdlichen, objektiven Einsatz für die Gemeinde“. 

Als Mitglied des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses will sich der nunmehr fraktionslose Ratsherr weiterhin mit den lokalen Themen befassen. Stichworte sind hier eine Ortskerninnensatzung, die Windenergieplanung oder auch eine ganzheitliche Planung für die eventuelle Nachnutzung für den Profilschulstandort in Herbern. Man müsse einen Plan B haben, meinte Holtrup für den Fall, dass die Profilschule künftig auf den Standort Ascheberg beschränkt werden sollte.

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