Altern mit Augenzwinkern

Sky du Mont mimt den Rentner: Programm „Jung sterben ist auch keine Lösung“ begeistert im Bürgerforum

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Als „jugendlicher Rentner – unsportlich und ein wenig vergesslich“ bereitete Sky du Mont sich und seine Gäste mit einem Augenzwinkern aufs Älterwerden vor.

Ascheberg – Altwerden heißt: Falten, Brille, Haarverlust. Der schauspielende Autor Sky du Mont sieht's mit Humor. Er nimmt das Altern in „Jung sterben ist auch keine Lösung“ aufs Korn – so auch am Freitag auf Einladung des Ascheberger Kunst- und Kulturvereins „Kukaduh“ im voll besetzten Bürgerforum.

Am Klavier unterstützte ihn zudem Kabarettistin Christine Schütze alias "Schwester Christine". Denn: Das Abendprogramm spielt im Altenheim.

Optisch sei der prominente Neuzugang der Pflegeresidenz „Happy End“ immer noch eine Eins, findet „Pflegepianistin“ Christine Schütze. Aber abends werde der „Probe-Insasse“ regelmäßig unruhig: Dann müsse Sky du Mont als ehemaliger Schauspieler auf die Bühne. Da sei es ja umso besser, dass es das Publikum so zahlreich aus den Zimmern und zum „Gemeinschaftsabend“ geschafft habe: „Also applaudieren Sie bitte, denn er glaubt allen Ernstes, Sie säßen seinetwegen hier“, ermutigte Schütze die Anwesenden.

Unterstützung am Klavier erhielt du Mont von "Pflegepianistin" Christine Schütze

Und der Applaus ließ tatsächlich nicht lange auf sich warten: Die Gäste empfangen den prominenten Schauspieler laut jubelnd. Der schlurfte im seidenen Hausmantel gen Bühne und mimte fortan den senilen Heimbewohner mit Mitteilungsbedürfnis. Schon fanden sich die Zuhörer daraufhin mitten in der Lesung aus du Monts achtem Buch „Jung sterben ist auch keine Lösung – Wenn Söhne in die Jahre kommen“ und damit in der Geschichte um „Klausi“ und seine 97-jährige Mutter.

Die erobert die Welt nämlich noch immer in Stilettos und macht ihrem Sohn, dem „jugendlichen Rentner – unsportlich und ein wenig vergesslich“, das Leben schwer. Ganz besonders, als sie ihn auf eine Besichtigungstour durch Altenheime schickt. Nicht etwa für sich. Vielmehr möchte sie ihren Nachwuchs gut versorgt wissen. Auch, was weibliche Gesellschaft angeht.

Die Veranstaltung war komplett ausverkauft.

Humorvoll und mit einer Prise Selbstironie trug Sky du Mont aus seinem Roman vor und ließ seine Zuhörer an Erlebnissen aus und in „Residenzen“, Kreuzfahrten und potenziellen Partnerschaften teilhaben. Zwischen den Leseproben brauchte der 72-Jährige vermeintlich die Hilfe von „Schwester Christines“ musikalischem Talent, die bei Gelegenheit Lieder über den perfekten Mann, das Speeddating oder ihren Verflossenen zum Besten gab. 

Sie kommentierte, persiflierte und unterstützte am Piano, trug Nachdenkliches wie Freches vor und monierte die Einteilung in „Silver Ager“ und „Granufinken“. „Es hat alles seine Zeit. Behaltet die Würde und überlasst der Werbung die Peinlichkeit“, forderte sie zum Beispiel und erhielt dafür viel Applaus vom Publikum.

Im Anschluss gab's natürlich auch Autogramme und ein kleines Pläuschchen mit Sky du Mont.

Auch, wenn dem Programm zeitweise ein wenig der rote Faden fehlte, viele Klischees bedient wurden und nicht jede Pointe neu war: Das Publikum, in der Mehrzahl weiblich, fühlte sich merklich gut unterhalten, machte schmunzelnd mit beim Sitztanz für Senioren und erkannte sich in einigen Situationen amüsiert wieder. Am Ende stand die unausgesprochene Erleichterung darüber: So ganz allein ist man mit dem Altwerden wohl doch nicht.

Text: Nicole Klein-Weiland

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