Landwirte haben großes Interesse am schnellen Internet

Werne Herbern Info-Abend Landwirtschaftliche Ortsvereine Ascheberg und Herbern Glasfasernetz für Außenbereich, Aula Herbernvon links:Hubert Tenbusch (Referent Glasfaserverlegeung Hamminkeln), Wolfgang Ruh (Leiter Vetrieb BBV Deutschland), Georg Silkenbömer (Vorsitzender Landw. Orstverein Ascheberg, Bürgermeister Dr, Bert Risthaus, Dr. Jürgen Grüner (Geschäftsführer wfc)Foto Gaby Heinkel-Brüggemann
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Die Experten gaben in der Informationsveranstaltung Auskunft.

Herbern - Glasfaser für die Außenbereiche von Ascheberg, Davensberg und Herbern – das ist ein Bedarf, der jenseits der Ortskerne in landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben sowie bei privaten Anwohnern offensichtlich kräftig unter den Nägeln brennt. Ein Informationsabend, angeboten von den Landwirtschaftlichen Ortsvereinen Ascheberg und Herbern, füllte die Aula in Herbern jedenfalls mühelos.

Nach drei Stunden intensiver Information und Diskussion war klar: Will man im Außenbereich die superschnelle Breitbandverbindung unter annehmbar wirtschaftlichen Bedingungen verlegen, sind zuvor jede Menge Planung, Absprachen technischer wie rechtlicher Art und noch mehr Eigenregie gefragt. Am Schluss, so viel vorweg, lautete die Losung „gemeinsam Schritt für Schritt vorgehen“.

Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit

 „Betriebe und Landwirte, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, sind auf schnelle Netze angewiesen“, leitete Gerhard Reimann, Vorsitzender der Herberner Landwirte, vor rund 180 Besucher den Abend ein. Zu der Gesprächsrunde waren neben Wolfgang Ruh, Leiter Vertrieb der BBV Deutschland, Dr. Jürgen Grüner, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Coesfeld (wfc), Bürgermeister Dr. Bert Risthaus und Hubert Tenbusch geladen. „Der Leidensdruck ist groß“, hoffte der Vorsitzende der Ascheberger Landwirte, Georg Silkenbömer, dass man – mit Unterstützung der Gemeinde – die BBV ins Boot holen könne. Eine konkrete Antwort darauf blieb Wolfgang Ruh schuldig. 

Große Entfernungen sind Preistreiber

In den Außenbereichen seien die Entfernungen zu den Höfen und zum Ort groß und die Tiefbaukosten seien eben der Preistreiber. Anbindung gebe es deshalb nur mit privater Initiative. Bei der Kostenbewertung müssen ferner Bevölkerungsdichte, die Zahl der Hausanschlüsse sowie eine Reihe von Kosten (Netzplanung, Genehmigungen, Bauüberwachung, Kataster etc.) berücksichtigt werden. Diese beziffert die BBV mit 10 Euro pro Meter. Modell: Netz in Eigenregie erstellen Ruh informierte zudem über ein Betreibermodell, in der das passive Netz in Eigenregie erstellt und mit der Planung, Bauüberwachung und Dokumentation beauftragt wird. Das passive Netz werde dann an einen Betreiber wie die BBV oder Telekom vermietet. Unerlässlich sei, so betonte Ruh, die „eindeutige Definition der Schnittstellen“. „Richtfunk ist nicht so schlecht“, brachte er eine technische Alternative ins Spiel, die sinnvoll sein könne und hohe Bandbreiten garantiere. 

Positives Beispiel in Loikum

Die Aula der Fontane-Schule war voll besetzt. 

Zu Gast war auch Hubert Tenbusch, Sprecher einer Teilnehmergemeinschaft aus der Bauerschaft Loikum in Hamminkeln. Diese hat getreu dem Motto „Fibre to the Landlords“ vorgemacht, wie sich das schnelle Glasfaserkabel auch im Außenbereich allgemeinverträglich „unterpflügen“ lässt. „Vor vier Jahren waren wir in derselben Situation wie Sie“, meinte er. Man habe im Dialog mit der Stadt und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Glasfaser eine Teilnehmergemeinschaft gegründet. 

Damit die Anschlussquote stimmt, galt das Solidarprinzip „gleicher Preis für alle“, schilderte Tenbusch. Schließlich wurden auf 88 Höfen gut 100 Anschlüsse installiert. Bei den Kosten blieb man mit 1350 Euro pro Anschluss unter dem ursprünglich erwarteten Aufwand von 1600 Euro. Das gelang vor allem deshalb, weil die „Buddelkosten“ dank eines selbst konstruierten Kabelpflugs und viel Eigenarbeit niedrig gehalten werden konnten. Die Situation in Loikum mit ihrer homogenen Nachbarschaft lasse sich aber auch nicht eins zu eins auf andere Orte übertrage, räumte Hubert Tenbusch ein.

"Schritt für Schritt vorangehen"

„Geben Sie sich Zeit, machen Sie die Akquise für die Anschlüsse, überzeugen Sie die Nachbarn“, riet er. Bürgermeister macht keine Versprechungen „Loikum ist keine Blaupause“, warnte Wirtschaftsförderer Dr. Grüner ebenfalls davor, die Dinge schön zu reden. Bürgermeister Dr. Bert Risthaus bekannte, dass seine frühere Skepsis zur Glasfaserverkabelung im Außenbereich nach einem Besuch in Loikum zwar gesunken sei, er aber aktuell keine Versprechungen machen könne. 

Bei haushaltsrelevanten Posten müssen der Rat gefragt und auch jene Leute im Blick behalten werden, die wenig Steuern zahlen wollen, ergänzte er. Eigenregie ist das Stichwort, gab er den Ball zunächst zurück in die Runde und riet dazu, Schritt für Schritt vorzugehen. „Es geht nur gemeinsam“, meinte auch Silkenbömer abschließend. In der Osterbauerschaft und in Herbern hat man sich bereits zusammengesetzt, um ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. 

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