Landwirt Großerichter setzt Kriterien der Initiative „Tierwohl“ um

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Seinen Sauen soll es gut gehen. Dafür nimmt der Herberner Landwirt Tobias Großerichter in Kauf, dass er künftig weniger Tiere halten kann und täglich einen größeren Arbeitsaufwand bewältigen muss.

Herbern - Für mehr Tierwohl in seinem Sauenbetrieb an der Horn-Werner Straße sorgt der Herberner Landwirt Tobias Großerichter. Er hat verbesserte Haltungsbedingungen für rund 220 Muttersauen umgesetzt und die Aufnahme in die „Initiative Tierwohl“ beantragt.

Das Thema Tierhaltung wird öffentlich schon seit Langem kontrovers diskutiert. Tierschützer kritisieren die oftmals wenig artgerechten Haltungsbedingungen. Ein brisantes Spannungsfeld also zwischen Tierwohl, massenhafter Nachfrage und Preisdruck.

Doch wenn sich in der Haltung von Schweinen und auch Geflügel etwas zum Besseren wenden soll, müssten Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Einzelhandel und Verbraucher an einem Strang ziehen. Davon ist Tobias Großerichter überzeugt. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt er.

Deshalb hat er, wie inzwischen schon 4 157 Landwirte mit ihm, die von der Initiative „Tierwohl“ vorgeschriebenen Maßnahmen realisiert und erhält dafür von dieser einen finanziellen Ausgleich. Die Anforderungen für das Plus an Tierwohl sind klar definiert: zehn Prozent mehr Platz für die Schweine, ständiger Zugang zu Raufutter wie Heu und Stroh, organisches Nestbaumaterial für die Sauen und zusätzliches Spielzeug für die Tiere.

Im Gegenzug gibt es eine Prämie

Im Gegenzug erhält der Betrieb Großerichter für den Zeitraum der Trächtigkeit der Sauen bis hin zum Abferkeln – also der Trennung des Nachwuchses vom Muttertier – pro Ferkel eine Prämie von 2,80 Euro. Für den Landwirt bedeuten die Maßnahmen zunächst einmal, dass er weniger Schweine halten kann. Hinzu fällt täglich einiges an Mehrarbeit für ihn und seinen Auszubildenden Benedikt Stattmann an.

Es reiche nicht, einmal am Morgen die Futterkrippen mit Heu und Stroh aufzufüllen; das müsse im Tagesverlauf immer wieder kontrolliert werden, erklärt der Landwirt. Spielzeug aus Holz biete den Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten und verhindere, dass sie sich beispielsweise durch Beißen gegenseitig verletzten. Da die Spielzeuge aus natürlichem Material bestehen, nutzen sie sich ab und müssen regelmäßig ersetzt werden.

Als Nestbaumaterial würden den Muttertieren große Jutebeutel angeboten, damit sie ähnlich wie in der Natur ihrem Nestbaubetrieb genügen könnten, erklärt Großerichter weiter.

Jährliche Kontrollen sind notwendig

Im September 2017 hat er die Aufnahme in die Initiative „Tierwohl“ beantragt und die Kriterien bis zum Jahresende umgesetzt. Außerdem müssen Lüftungsanlagen jährlich kontrolliert werden. Damit genügend Tageslicht in die Ställe fällt, müssen die Fensterflächen mindestens 1,5 Prozent der Stallgrundfläche entsprechen.

„Das Erstaudit steht jetzt im Januar an“, kündigt Großerichter die bevorstehende Prüfung an. Von dem Erstbesuch der Prüfer ist die Zulassung zur Initiative abhängig. Aber auch danach seien unangemeldete Kontrollbesuche vorgesehen, betont Großerichter. Einmal pro Jahr werde außerdem eine Folgeprüfung durchgeführt.

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