Landwirt ergreift Schutzmaßnahmen vor Schweinepest

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Landwirt Stefan Weckendorf hat auf seinem Hof in Herbern einen Bestand von 5 500 Schweinen. 

Herbern - „Das Problem war lange Zeit noch weit weg, jetzt aber steigt die Angst an“, sagt der Herberner Landwirt Stefan Weckendorf. Er meint damit die Ausbreitung der „Afrikanischen Schweinepest“ (ASP). Die Tierseuche hat sich in den Wildschweinbeständen osteuropäischer Länder wie Polen, dem Baltikum und Tschechien weiter ausgebreitet und ist faktisch nur noch einige hundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Hinzu kommt die Verbreitung in Nicht-EU-Länder wie etwa Weißrussland, Ukraine, Georgien sowie afrikanische Staaten.

Die Einschleppung der Seuche nach Deutschland zöge massive wirtschaftliche Folgen nicht nur für die Schweinehaltung, sondern auch für viele weitere Zweige der gesamten Branche nach sich, beschreibt Stefan Weckendorf ein Szenario, das es unbedingt zu verhindern gilt. Vor allem deshalb, weil rund 30 Prozent des in Deutschland produzierten Schweinefleisches Abnehmer im europäischen und nicht europäischen Ausland findet. Auch wenn die Tierseuchenkasse, in der die Schweinehalter pflichtversichert sind, den Verlust des Schweinebestandes ausgleicht: An der dann stark verschlechterten Marktsituation würde dies nichts ändern. 

Verdachtsfälle sorgen für Preisverfall 

Allein die Notwendigkeit, wegen Verdachtsfällen Sperrgebiete einzurichten, hätte gravierende Auswirkungen auf die Nachfrage. Betroffen wären Futtermittelhersteller, Viehhändler, Landmaschinenhandel, Schlachthöfe und der Fleischhandel. Der Preis von aktuell rund 1,35 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch würde deutlich unter einen Euro fallen, schätzt Weckendorf ein.

 Auf seinem Hof an der Bakenfeld Aruper Straße 14, den er mit seiner Familie betreibt, leben 5 500 Schweine. Die Sorge des Landwirtes und seiner Berufskollegen wächst also. Vor allem die Tatsache, dass das Virus zuletzt sprunghaft größere Entfernungen überwunden hat, zeige die Bedrohung. Übertragen wird ASP von Tier zu Tier, aber eben auch auf etlichen anderen Wegen. Problematisch ist, dass etwa auch ein unbedacht in die Landschaft geworfenes Wurstbrötchen die Tierseuche übertragen kann. Rohe, nicht erhitzte Wurstwaren, die den Erreger enthalten, reichen zur potenziellen Weiterverbreitung. An Rastplätzen entlang der Autobahn 2 informieren deshalb mehrsprachige Plakate über die Gefahr. So soll erreicht werden, dass möglicherweise befallene Proviantreste von Lkw-Fahrern und Reisenden ausschließlich in verschlossenen Müllbehältern landen. 

Einen Impfstoff gibt es nicht

Einen Impfstoff gegen das für Menschen und Hunde ungefährliche Virus gebe es nicht und es sei auch keiner in Sicht, erklärt Stefan Weckendorf. Die Krankheit äußert sich bei den Schweinen durch extrem hohes Fieber. Aufgrund strenger hygienischer Maßnahmen sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in den eigenen Betrieb eingeschleppt wird, eher gering. 

Revierübergreifende Drückjagden 

Mit der Bejagung der Wildschweine in der Umgebung wollen die Schweinehalter im Verbund mit den Jägern ein Übriges tun, um die in den vergangenen milden Wintern deutlich angestiegene Zahl der Tiere zu dezimieren. In Cappenberg und in der Davert sei man seit einigen Jahren mit revierübergreifenden Drückjagden erfolgreich. Weckendorf ist selbst Jäger und zweiter Vorsitzender des Hegerings Herbern. Am heutigen Samstag findet erstmals eine Drückjagd in Drensteinfurt über angrenzende Jagdreviere hinweg statt

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