Gemeinde will in Berlin vorsprechen

Kein Klimanotstand in Ascheberg: Stadt soll stattdessen "mitdenken"

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Der Weg zur Windenergienutzung ist für die Gemeinde Ascheberg noch nicht zu Ende. Beim Bundesministerium in Berlin will man persönlich vorsprechen.

Ascheberg – Den Klimanotstand will die Gemeinde Ascheberg nicht ausrufen. Aber sie will künftig soweit möglich bei ihren Entscheidungen klima- und umweltrelevante Aspekte mitdenken. 

Dieser Vorschlag des Grünen-Ratsherrn Hubert Beckmann wurde dem Beschluss zum Klimaschutz, zur Klimafolgenanpassung und zum CDU-Antrag zur Klimaoffensive hinzugefügt. Es blieb nicht die einzige Ergänzung, die aus der Beratung hervorging, die in einem von gegenseitigem Zuhören geprägten, sachlichen Gesprächsklima geführt wurde. 

Auch der Antrag von Hubert Beckmann, einen Vertreter der klimaneutral arbeitenden niederländischen Ökoregion Friesland nach Ascheberg zu einem öffentlichen Vortrag einzuladen, wurde aufgenommen. Frank Holtrup, parteiloses Ratsmitglied, regte an, dem Thema „Klima- und Umweltschutz“ regelmäßig im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss einen Tagesordnungspunkt zu widmen. Einleitend gab Klimaschutzmanager Martin Wolf einen Überblick über das integrierte Klimaschutzkonzept der Gemeinde Ascheberg. 

Dessen Ziel ist die deutliche Senkung der lokalen CO2-Emissionen gegenüber 2013 bis 2025 um 35 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent. „Trotz bereits umgesetzter Maßnahmen ist der große Wurf noch nicht gelungen“, sagte Wolf und machte diese Aussage vor allem am Thema „Windenergienutzung“ fest. Die Ausbaupläne für einen Bürgerwindpark der Gemeinde zusammen mit einem Projektierer in Forsthövel scheiterten bekanntlich an Aspekten der Flugsicherung. Die Verwaltung und der Projektierer würden ihre Bemühungen fortsetzen, dieses zentrale Projekt doch noch zu realisieren, versicherte Wolf. 

Dazu will man wie berichtet im Bundesministerium in Berlin persönlich vorsprechen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die Anwendung jener Flugsicherungsvorgaben, die für das Drehfunkfeuer Hamm gelten, auch in Ascheberg zum Tragen kommen sollen. „Nur mit der Windenergie kann man eine Reduzierung der CO2-Emissionen um die angestrebten 80 Prozent vor Ort erreichen“, machte der Klimaschutzmanager klar. Er gab den Politikern einen Überblick über die einzelnen Maßnahmen des Konzepts. 

Dazu gehören die Klimaschutzmaßnahmen beim Ausbau und bei der Erweiterung der Aula in Herbern. Das durchgehende Monitoring der Energie- und Wasserverbräuche in den gemeindlichen Schulen zählte Wolf ebenso auf, wie die Beteiligung an kreisweiten Klimaschutzaktivitäten. Ferner kündigte Wolf eine Haus-zu-Haus-Beratung in Ascheberg an, die vom 9 bis 27. September in Zusammenarbeit mit dem Kreis Coesfeld stattfinden wird. Des weiteren wies Wolf auf die Klimaschutzsiedlung hin. 

Als Beispiel für Folgen des Klimawandels nannte er den „Wärmeinseleffekt“. Das ist ein starker Temperaturanstieg im Mikroklima, der durch einen hohen Versiegelungsgrad entsteht. Freiflächen, die Abkühlungsräume bieten, sollten deshalb bei der Planung mitgedacht werden, hieß es. Dem CDU-Antrag zur „Klimaschutzoffensive“ mit seinen verschiedenen Beschlusspunkten stimmte der Rat ausnahmslos zu. Laut Antrag soll die Öffentlichkeit auf regelmäßigen Klima- und Umweltforen informiert werden. Der Bürgermeister soll zudem mit anderen Kreiskommunen das Programm „Artenvielfalt“ ähnlich dem Projekt 8Plus-Vital.NRW im Kreis Warendorf erweitern. 

Eine unabhängige Beratung zur Nutzung regenerativer Energien soll angeboten werden und die Öffentlichkeitsarbeit mittels „neuer“ Medien verstärkt werden. In den Reaktionen blieb der Tenor trotzdem eindeutig: „Das ist nicht genug.“ Quer über alle Fraktionsbänke hinweg forderten die Redner weitere Anstrengungen und schlossen sich selbst mit ein. Lob von Hubert Beckmann gab es für die später durchgeführte Mahd auf öffentlichen Flächen und für das Beharren des Bürgermeisters in Sachen Windkraft.

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