„Paidaia“ berichtete wie sich Intensivtäter wandelten

+
Die Beteiligten der Ordnungspartnerschaft zogen eine positive Bilanz des Straftäterprojektes.

ASCHEBERG - „Bildung ist nur unter Freiheit möglich.“ Das ist einer der Grundsätze, mit denen Ibrahim Ismail vom Verein „Paidaia“ skizzierte, auf welcher Basis es gelungen ist, 14 jungen Aschebergern über das pädagogische Projekt für Intensivstraftäter Perspektiven für ein Leben ohne Kriminalität zu eröffnen.

Wie berichtet, hat der Bochumer Verein dabei im Auftrag des Kreises Coesfeld den Jugendlichen auf den Weg in ein anderes Leben geholfen.

Freiwilligkeit spielte dabei eine zentrale Rolle. Obwohl das Team um Projektleiter Ismail und seinen Kollegen Professor Dr. Thorsten Schmidt-Millard den jungen Straftätern „klare Kante“ zeigten, nachdem sie als Bande vielfach wegen Drogenmissbrauch, Körperverletzung, Vandalismus und weiteren Delikten aufgefallen waren. Die Teilnehmer hatten die Wahl: Entweder sie lassen sich auf das Projekt und die regelmäßigen Gruppentreffen ein oder sie werden für ihre Taten nach den üblichen gesetzlichen Instrumentarien zur Rechenschaft gezogen.

„Es ist keiner abgesprungen, alle haben freiwillig mitgemacht und wollen das auch weiterhin“, betonte Ismail nicht ohne Stolz, dass die Jugendlichen ihre persönlichen Willen zur Veränderung klar gezeigt hätten.

Und das vor dem Hintergrund eines Strafregisters, das so lang war, dass Gemeinde, Kreis und Justiz im Rahmen der Ordnungspartnerschaft und auf Initiative des Beigeordneten Klaus Limbrock zu der unkonventionellen Maßnahme griffen.

Für die Projektarbeit bildeten die Paidaia-Pädagogen zwei Gruppen. Die Mitglieder mussten sich einbringen, eine Konsumentenhaltung haben die Pädagogen gar nicht erst aufkommen lassen. „Warum sollen wir mit euch zusammenarbeiten?“, fragten dagegen die Betreuer. Gute Gründe dafür mussten die Teilnehmer formulieren. Und klare Verpflichtungen eingehen: Über die Vereinbarungen wurden formale Verträge geschlossen. Wer Pflichttermine unentschuldigt versäumt, muss zahlen oder Sozialstunden leisten. „Es ist aber kein einziges Mal dazu gekommen, verwies Ismail auch hier auf das Engagement seiner Schützlinge.

Zu Projektbeginn habe auch der starke Drogenkonsum in der Gruppe Probleme bereitet. Doch die Teilnehmer konnten soweit bestärkt werden, die Finger von den Rauschmitteln zu lassen, dass beim späteren Drogentest keiner mehr aufgefallen sei.

Die Pädagogen vermittelten gesellschaftliche Werte und arbeiteten zugleich individuellen Traumata der Jugendlichen auf. Sie erreichten eine Wandlung, die sich nicht zuletzt am äußeren Erscheinungsbild ablesen ließ. Kein Teilnehmer tritt mehr im Jogginganzug und äußerlich vernachlässigt auf. Sport, Spielen, Ferienfahrten und Kontakt zu Gleichaltrigen taten ein Übriges.

„Ich war 13 und habe gedacht: Ich bin nicht strafmündig, mir kann keiner was“, berichtete einer der Jungen. Er kam nach Hagen in eine Pflegefamilie. In der marrokanischen Großfamilie erlebte er Gemeinschaft und Unterstützung. „Die geben alles für mich“, erzählte er. Heute geht er regelmäßig zur Schule und hat gute Noten.

Ein anderer Teilnehmer: „Ich kann jetzt mit euch über meine Probleme reden, das Projekt bedeutet mir viel und ich sehe nach vorn“. Sein Vorbild ist Patrice aus der Zarathustra-Gruppe. Der Jugendliche hatte bei den Behörden keinerlei Eintrag und wollte trotzdem ins Projekt, berichtete Ismail.

Die Jugendlichen, die der Clique früher lieber aus dem Weg gingen, hätten heute einen ganz normalen Kontakt, erzählte eine der Herberner Teilnehmerin über den neuen Umgang miteinander.

Paoul Thermath, Leiter des Kreisjugendamtes, ist froh: „Die Jugendlichen waren auf keinem guten Weg, alle gehen jetzt zur Schule und machen Praktika“. gh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare