Gäste aus Nepal in der Gesamtschule Nordkirchen

Zu den Gesamtschülern hatten die Nepalesen gleich guten Kontakt.

NORDKIRCHEN -   Es ist einer der Höhepunkte in der Partnerschaft zwischen der Gesamtschule Nordkirchen und der nepalesischen Bright Future School bei Kathmandu: Die Schulleiter beider Schulen haben sich am Donnerstag erstmals bei einem Frühstück die Hände geschüttelt.

Die hauptsächlich aus Spendengeldern finanzierte Schule in Nepal stellt eine Alternative zu den teuren staatlichen Schulen in dem Entwicklungsland dar, zu denen nicht jedes Kind einen Zugang findet. Für die verhältnismäßig gehobene Ausstattung sorgt zum Beispiel der Freundeskreis Nepal aus Münster, über den die Partnerschaft zwischen Gesamtschule und Bright Future School zustande kam. Die nepalesische Schule nimmt auch Waisenkinder und junge Menschen aus sehr armen Familien auf. Ihre Gründer und Schulleiter Mohan Karki und Daya Ram Thapa besuchen jetzt, im 25. Jahr des Bestehens ihrer Schule, die Partner in Deutschland.

Mehr Bilder aus der Gesamtschule

Besuch aus Nepal an der Johann-Conrad-Schlaun-Schule

Schulleiter Ulrich Vomhof ließ es sich nicht nehmen, die von weit angereisten Gäste persönlich zu empfangen. Zusammen mit Vertretern des SV-Teams, der Schulpflegschaft, des Lehrerkollegiums und der Gemeinde Nordkirchen hatte er die beiden zu einem Frühstück in die Mensa der Schule eingeladen.

„Mögen Sie Deutschland?“, fragt eine Neuntklässlerin auf Englisch. Da strahlen die beiden Nepalesen über das ganze Gesicht. „Deutschland ist wunderbar“, antwortet Daya Ram Thapa. Seit er hier ist, zieht er überall Vergleiche zu seinem Heimatland. Besonders schätzt er das viele Grün hier. „Die Menschen folgen den Regeln der Natur. Sie machen sich Gedanken über unsere Umwelt. Hier kommt sogar die Müllabfuhr, um den Müll abzuholen, das ist bei uns nicht so.“

Mit den Neuntklässlern verstehen sich die beiden gut. Sie sprechen eine Mischung aus Englisch und ein paar Brocken Deutsch; jeweils mit Akzent, aber verständlich. So machen sie die Schüler darauf aufmerksam, dass es ein großer Wert sei, in einer funktionierenden Zivilisation zu leben.

„Schon das deutsche Schulsystem ist sehr praktisch ausgerichtet. Jeder muss zur Schule gehen, hat dadurch ein Recht auf Bildung und kann weitgehend selbstbestimmt seinen eigenen Weg festlegen.“ Einen Vorteil in der nepalesischen Ordnung sieht Daya Ram Thapa: die obligatorische Schuluniform. „Kinder und Lehrer tragen die Uniform bei uns, damit niemand wegen seines Reichtums oder seiner Armut ausgegrenzt wird.“

Bildung sei allerdings nicht nur eine Frage des Willens, sondern auch des Geldes. „In Nepal müssen die Schüler und ihre Familien alles selbst bezahlen. Sehr viele junge Menschen können sich Bildung gar nicht leisten“, sagt Angelika Kalinowski. Die Deutschlehrerin an der Gesamtschule engagiert sich im Verein Freundeskreis Nepal aus Münster. Sie hat die Partnerschaft zwischen der Johann-Conrad-Schlaun-Schule und der Bright Future School in Naikap vor einigen Jahren initiiert und organisiert seitdem ein Projekt nach dem nächsten: Sponsorenläufe, Kollekten bei Gottesdiensten, ein Kunstprojekt zu nepalesischen Wohnungen oder Verkäufe bei Tagen der offenen Tür. „Die persönliche Begegnung mit den Schulleitern unserer Partnerschule hier in Nordkirchen ist für mich eine große Freude, aber auch eine Bestätigung, dass unsere Arbeit ankommt.“

In Nepal könne mehr als die Hälfte des Volkes nicht lesen oder schreiben, staatliche Schulen arbeiteten mit einem Minimum an Ausstattung. „Die Schüler können sich glücklich schätzen, wenn ihnen wenigstens Tische zur Verfügung gestellt werden, an denen sie arbeiten können“, sagt Kalinowski.

Die Relevanz der Zusammenarbeit bekräftigen auch die nepalesischen Gäste. „Was Angelika und die vielen Helfer hier in Deutschland schaffen, berührt uns zutiefst. Wir bringen aus Nepal ein Lächeln mit; ein Lächeln, das ohne eure Hilfe nicht so schön wäre“, sagt Mohan Karki. Die beiden besuchen während ihres einwöchigen Aufenthaltes nicht nur die Gesamtschule, sondern auch Kindergärten, Grundschulen und andere Bildungseinrichtungen im Umkreis.

„Wenn wir mit den vielen Eindrücken nach Kathmandu zurückkehren, wird die Bright Future School schon bald anders aussehen“, sagt Daya Ram Thapa und lacht. An der Sauberkeit müsse gearbeitet werden, nicht nur auf den Schulktoiletten, und auch die Ausstattung solle verbessert werden, sobald ausreichend Geld da sei. Vonhoff glaubt daran: „Wir werden die Bright Future School natürlich auch in Zukunft unterstützen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare