Mahnwache in Lüdinghausen

Auch in Herbern: Katholische Frauen streiken gegen eine männerdominierte Kirche

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In Münster versammelten sich am Sonntag mehrere hundert Frauen und Männer zu einer Mahnwache vor dem Dom, um gegen männliche Machtstrukturen in der Kirche zu protestieren. Die bundesweite Aktion „Maria 2.0“ läuft noch bis Samstag. Die kfd Herbern beteiligt sich am Donnerstag an einer Aktion in Lüdinghausen.

Herbern/Werne – In der Protestbewegung „Maria 2.0“ streiken momentan bundesweit katholische Frauen gegen eine männerdominierte Kirche und für den Zugang zu Weiheämtern. Auch die kfd St. Benedikt in Herbern beteiligt sich, indem sie ihre Mitglieder zu einer Mahnwache am Donnerstag aufruft.

Die Mahnwache findet vor der Lüdinghauser Felizitaskirche statt (nähere Infos unten). Ebenfalls mit im Boot sind die kfd-„Nachbarn“ von St. Lambertus Ascheberg sowie von St. Anna Davensberg. „Meiner Meinung nach ist Maria 2.0 eher ein Aufwecken als ein Protestieren“, sagt Angelika Hölscher, die Teamleiterin der kfd St. Benedikt Herbern, auf WA-Anfrage. 

Was Frauen in der und für die Kirche leisten, sei ebenso enorm wie unterschätzt. „Viele Ehrenamtler in der katholischen Kirche sind weiblich – ob in der Bücherei, bei der Caritas oder als Kommunionhelfer“, betont Hölscher. 

Keine eigenen Aktionen

Übers Knie brechen könne man mit der Maria 2.0-Aktion wohl nichts, „aber sie ist ein Ruf an die da oben, dass es so nicht weitergeht“. Gemeinsam mit kfd-Frauen aus Ascheberg und Davensberg soll es deshalb am Donnerstag nach Lüdinghausen zur Mahnwache vor der Felizitaskirche samt anschließender Andacht in der Borg gehen.

Organisiert wurde das Ganze von den Frauengemeinschaften Lüdinghausen und Seppenrade. Eine eigene Aktion sei weder in Ascheberg noch in Herbern oder Davensberg geplant, äußerte sich Hölscher. „Dafür gibt es ganz verschiedene Gründe – ebenso, wie es immer verschiedene Meinungen gibt.“ Genauer wolle sie das nicht ausführen.

So habe man sich in den drei kfd-Gruppen nun einmal geeinigt und dabei werde es auch bleiben. 

"Traditionen hinterfragen"

Auch für Stefan Schürmeyer, Leitender Pfarrer in der katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus, ist Maria 2.0 ein zweischneidiges Schwert. „Generell finde ich es gut, dass diese Debatte immer wieder aufploppt, denn es ist wichtig, Traditionen zu hinterfragen und miteinander zu diskutieren.“ 

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Dennoch sieht er momentan andere Themen weiter vorn auf der katholischen Agenda. „Es wird gerade viel geschaut, wie wir Missbrauchsprävention betreiben und neue Strukturen in den Gemeinden vor Ort entwickeln können“, so der Geistliche. 

Auf Weltkirchenebene diskutieren

Zudem glaube er, dass Deutschland mehr über den eigenen Tellerrand hinausschauen sollte. „Wir vergleichen uns hier gerne mit der evangelischen Kirche. Aber solche Fragen müssen auf Weltkirchenebene diskutiert werden“, appelliert er. „Und in der Deutschen Bischofskonferenz sehe ich zurzeit keine Veranlassung, das Thema weiter nach oben zu reichen.“ 

In den kommenden 20 Jahren werde wohl nichts passieren. Persönlich sei er klar für die Diakonenweihe von Frauen – „auch, wenn es für sie jetzt durchaus auch schon möglich ist, verantwortungsvolle Aufgaben in der katholischen Kirche zu übernehmen“. 

In Sachen Zölibat könne er sich unterschiedliche Optionen vorstellen. „Ich habe einige Freunde, die ihren Priesterdienst aus diesem Grund niedergelegt haben und das ist schade“, sagt Schürmeyer. Er selbst nehme es für seine Berufung in Kauf und komme gut damit klar. „Natürlich ist es manchmal schwer, aber gemeinsam mit Gott kann ich das Zölibat tragen.“ 

Online-Aufruf direkt unterschrieben

Viel diskutiert wird nicht nur in Herbern. Zwar gibt es in der Nachbarstadt Werne auch keine eigenen Maria-2.0-Aktionen, wie Siegrun Harlinghausen von der kfd St. Johannes verrät. „Aber wir fanden die Hintergrundidee der Proteste spontan unterstützenswert.“ 

Mit einem Altersdurchschnitt von über 75 sei es allerdings schwierig, groß aktiv zu werden. Entschiedene Verfechterin von Maria 2.0 ist auch die Werner Pastoralreferentin Pia Gunnemann. „Den Online-Aufruf an Papst Franziskus habe ich schon unterschrieben. Und ich bewundere das große Engagement aller Beteiligten, die sich in dieser Woche für uns Frauen starkmachen.“ 

Für sie steht fest: „Das Priesteramt hängt nicht am Geschlecht. Ich wäre damals auch gern Priesterin geworden.“ Auch heute noch – 28 Jahre nach Beginn ihres Theologie-Studiums – gebe es Momente, in denen sie bedauere, kein Weiheamt bekleiden zu dürfen. 

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„Wenn Eltern mich fragen, ob ich ihr Kind taufen kann, oder ältere Menschen mich darum bitten, ihnen die Krankensalbung zu erteilen, muss ich ablehnen. Nicht, weil ich es mir nicht wünsche, sondern, weil ich es nicht darf.“ 

Eben solche Beweggründe hatten Angelika Hölscher und ihre kfd-Genossinnen, als sie zur Mahnwache in Lüdinghausen aufriefen. „Einige von uns waren auch schon in Senden bei ähnlichen Aktionen und fanden es toll“, erzählt sie. 

Aktuell habe sie erst fünf Anmeldungen für Lüdinghausen bekommen, „aber ich rechne damit, dass es noch einige mehr werden“. 

Bischofskonferenz lehnt den Streik ab

Die Bischofskonferenz lehnt den Streik ab. Anke Lucht von der Pressestelle des Bistums Münster sagt gegenüber dem WA: „Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer letzten Vollversammlung in Lingen beschlossen, einen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen. Hierbei werden unter anderem die Fragen thematisiert werden, die auch die Initiative Maria 2.0 stellt: Macht, Partizipation und Gewaltenteilung in der Kirche, die Sexualmoral der Kirche und die priesterliche Lebensform.“ 

Der Bischof von Münster, Felix Genn, sei zudem auch zu diesen Fragen im Dialog mit der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Münster, mit der Frauenkommission im Bistum Münster und mit dem katholischen Frauenbund (KDFB). Zu der konkreten Aktionsform der Initiative wollte das Bistum keine Stellungnahme abgeben.

Die Mahnwache

In Fahrgemeinschaften geht es zu einer Mahnwache vor der Lüdinghauser Felizitaskirche mit anschließender Andacht in der Borg. Treffen in Herbern ist um 18.15 Uhr am Pfarrheim. Anmeldungen nimmt Angelika Hölscher unter Tel. 02599/1874 entgegen.

VON SHARIN LEITHEISER

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