Herberner Katholiken wollen mehr Nähe

Die Gemeindeglieder brachten einige Punkte zur Sprache, die vor Ort anders gesehen werden als in Rom. ▪
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Die Gemeindeglieder brachten einige Punkte zur Sprache, die vor Ort anders gesehen werden als in Rom. ▪

HERBERN ▪ Einen Diskussionsabend über den Zustand der Kirche hatte das Bistum Münster erbeten – und in Herbern kam man dieser Aufforderung nach. Vor dem Hintergrund der anstehenden Kirchenfusion kamen knapp 50 Gemeindemitglieder, und die brachten so manche Kritik, aber auch Vorschläge aufs Tableau.

73 Punkte standen nach knapp zwei Stunden auf den bunten Karten, die die Moderatoren Doris Wesselmann, Reinhard Lohmann und Miriam Mika vom Pfarrgemeinderat beschriftet hatten. Sie bilden die Herberner Antwort auf die Initiative des Diözesankomitees, Sorgen und Hoffnung ausdrücken zu können.

„Tragen Sie ruhig alles vor, auch die Dauerbrenner-Themen“, ermunterte Doris Wesselmann zum Mitmachen. Die ersten Wortmeldungen beklagten die durch die geforderte Fusion entstehende Distanz sowie den Verlust von Nähe. „Wenn ich zum Gottesdienst gehe, fühle ich mich als Außenseiter. Das hat schon etwas negatives“, erklärte Heinz Höhne, dass er gerne Hilfe hätte, wenn es darum ginge, das Christsein zu präsentierten.

Beklagt wurde, dass in der hierarchischen Struktur der Kirche die Wünsche vor Ort oft übergangen würden. Auch die Rolle der Frau innerhalb der Kirche, so ein nahezu gefundener Konsens in der Runde, müsse künftig eine andere sein. „Wenn 50 Prozent so ausgeschlossen werden, ist das unmöglich“, erklärte Heinz Wesselmann. „Man fühlt sich als Frau entmutigt“, pflichtete ihm nicht nur eine Teilnehmerin bei.

In die Kritik gerieten auch die Priester: So wurde das Gefühl notiert, die neue Generation Priester sei „nach hinten gerichtet“. Auch Pfarrer Rudolf Kruse erklärte, den Eindruck zu haben, dass sich die Kirche zurückentwickele: „Das Konzil hat den Bischöfen mehr Möglichkeiten gegeben. Im Moment habe ich das Gefühl, alles muss von Rom abgehakt werden.“

Demgegenüber, so machte die Runde deutlich, steht ein liberaler Umgang mit Werten und Moral. So wurde die Akzeptanz von Homosexualität ebenso angesprochen wie der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. „Hier muss sich etwas ändern“, lautete der häufig geäußerte Wunsch. Ebenso wurde deutlich, dass Laien nicht nur verstärkt mitarbeiten, sondern auch mehr Verantwortung übernehmen möchten.

Aus der Runde gab es aber nicht bloß Wünsche, sondern auch konkrete Anregungen. So wurde von der münsterschen Aktion „Night Fever“ ebenso berichtet wie von der Bewegung von Taize. Die Möglichkeiten, gerade jüngere Menschen zu gewinnen, seien vorhanden, aber eher weniger mit Formen aus dem klösterlichen Leben, wie es von oben zurzeit probiert werde.

Geäußert wurde auch der Wunsch nach einer verstärkten Differenzierung bei bestimmten Dingen und Aspekten. In Afrika seien ganz andere soziale Aufgaben zu lösen als in Europa. Deswegen müsse es vor Ort Möglichkeiten geben, Dinge zu verändern. Dabei, lautete jedoch sofort ein Gegenargument, drohe aber Beliebigkeit.

Nicht weiter kamen die Christen auch beim Wunsch nach mehr Nähe in der Kirche. „Die ersten Bänke bleiben leer. Die Menschen sitzen verstreut in der Kirche“, erklärte Reinhard Hartwig. Dem wurde entgegen gehalten, dass man über Jahre und Generationen angestammte Plätze einnehme. Auch Pfarrer Kruse machte deutlich, dass die Platzwahl dem Kirchgänger überlassen bleiben müsse: „Es ist nicht angenehm vorne in ein schwarzes Loch ohne Menschen zu sehen. Aber ich werde den Leuten keine Vorschriften machen.“

Stärken möchten die Herberner aber die Ökumene. Vor Ort funktioniere das Miteinander gut, auf den Ebenen darüber sei das Thema allerdings zum Stillstand gekommen. ▪ red

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