Bis dann die Polizei den Finger hob ...

"Grand Prix" im Kreis und Dorfnews im CNN-Format: Wie Tim Pleger ganz Herbern in Bewegung setzte

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Von wegen: Nix los hier. Ab geht die Post in Herberns einzigem Kreisel, damit Tim Pleger etwas zu moderieren hat. Doch jetzt ist Schluss

Herbern – Nix los im Dorf, Herbern bleibt zuhause. So wie Tim Pleger, der in seinem Job in der Veranstaltungsbranche zum Däumchendrehen gezwungen ist. Corona-Frei in den eigenen vier Wänden, da kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Aber Langeweile ist ja die Mutter aller Kreativität. Damit ist der 25-Jährige wohl gesegnet, wie eine wachsende Fangemeinde etwa von „Timi’s Tagesthemen“ auf den Social Media-Kanälen begeistert verfolgt.

Mit dem gelangweilten Blick aus dem Fenster muss es wohl angefangen haben. Pleger ist an der Ascheberger Straße zuhause und hat aus der Wohnung beste Sicht auf den Kreisverkehr an der Münsterstraße. Von wegen: da bewegt sich nichts; Tim setzte Herbern in Bewegung. „Ich habe immer Fotos von den Autos gemacht, die immer und immer wieder durch den Kreisverkehr fahren. Das Material habe ich dann in die WhatsApp-Gruppe der Avantgarde des Herberner Bürgerschützenvereins gestellt und kommentiert“, erzählt der 25-Jährige.

Das kam so gut an, dass er die Kreisel-Fotos dann auch auf Instagram postete. „Auch hier ging die Aktion durch die Decke. Ehe sich jemand sorgt: Der Datenschutz sei gewahrt, versichert der Moderator des Großen Preises. Nummernschilder beispielsweise habe er unkenntlich gemacht. So wurde Herberns Motodrom immer berühmter. „Da kam mir die Idee mit der Live Schaltung“, erzählt Pleger.

Plegers Aktion zog schnell Kreise im Dorf

So wurde das Wohnzimmer zum Studio und der Event-Experte kommentierte mit viel Witz, wer die meisten Runden schaffte. Dann kamen die ersten mit Grüßen auf einem Banner, Radfahrer im Osterhasenkostüm und andere positiv Verrückte. „Es war einfach sensationell“, so Pleger. Jeden Tag wartete seine Fan-Gemeinde auf die einstündige Sendung und die heißesten Neuigkeiten aus dem Dorf.

Wenn einer erst einmal anfängt ... Plegers Fan-Gemeinde wurde immer größer.

Für den „Großen Preis vom Kreisverkehr“ hatten sich viele Herberner und Freunde von Tim mit ihrem Auto auf den Weg zum Kreisel gemacht. Herberner Firmen drehten im gebotenen Abstand ihre Runden als Marketing-Gag oder sendeten so Grüße. Und dann zischte halt das Langohr im rosa Dress durchs Bild. „Ich weiß bis heute nicht, wer das war. Aber es war mega witzig“, freut sich Pleger über die Reaktionen auf seinen ansteckenden Klamauk.

Hoher Besuch in der Moderatoren-Kabine: "Der echte Tobi Temmann", Geschäftsführer der Bürgerschützen (links) zu Gast bei Tim Pleger.

In seiner Kommentatoren-Kabine bekam der Moderator sogar hoheitlichen Besuch. Der amtierende Bürgerschützenkönig Tim Röwekamp gab sich die Ehre, auch „der echte Tobi Temmann“, Geschäftsführer der Schützen. „Das war ne coole Sache. Leider gibt es keine Fortsetzung der Aktion, es war eine einmalige Sache“, sagt Pleger.

Bis dann die Polizei den Finger hob ...

Denn es gab nicht nur Applaus. Die Polizei hat mahnend den Finger gehoben: Einige Nachbarn fühlten sich gestört und es stelle sich die Frage, wann die Aktion die Grenze zum Eingriff in den Straßenverkehr überschreite. Da ist dann Schluss mit lustig.

Aber der Herberner an sich ist ja findig, für Pleger ist daher nicht Schluss, es geht lustig weiter: „Mit Timi’s Tagesthemen“ ging er bei Instagram mit einem TV-Format Marke Eigenbau in die Offensive und findet wieder reichlich Anhänger.

Dorfnews im CNN-Format: Timi’s Tagesthemen auf Instagram.

„Der Spaß und die Belustigung stehen immer an erster Stelle. An Ideen mangelt es auch nicht“, berichtet der Anchorman im Herbern-TV. Vor allem, weil er mittlerweile ein Team hinter sich weiß: „Meine Freunde und die Herberner Avantgarde unterstützen mich. Das ist riesig.“

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