Jahresübung der Feuerwehr Ascheberg

Explosion bei einem Maschinenbauer: 90 Rettungskräfte proben Einsatz

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Sechs Personen mussten die Einsatzkräfte bei der Übung unter den Trümmern bergen, den Brand löschen und die Verletzten versorgen.

Ascheberg - Bei der Jahresübung 2019 der Löschzüge in der Gemeinde Ascheberg in Davensberg waren insgesamt 90 Rettungskräfte von Feuerwehr und DRK im Einsatz. Die Annahme: In einem Gewerbebetrieb hat es eine folgenschwere Explosion gegeben.

Ein lauter Knall ist am Montagabend in Davensberg zu hören. Es ist 19 Uhr, als der Notruf an die Löschzüge in Ascheberg rausgeht. Folgendes klingt durch das Telefon: „Feuer Gewerbebetrieb, Explosion mit Teileinsturz eines Gebäudes“. Sofort wissen alle Beteiligten, worum es geht. Ein Großeinsatz, der seinesgleichen sucht. Angekommen an der Amelsbürener Straße in Davensberg, erkennen die Einsatzkräfte bereits vor der Ankunft, wo ihr Ziel liegt. Rauch kennzeichnet den Einsatzort. Spannung liegt in der Luft, obwohl es sich hierbei nur um die jährliche Übung der drei Löschzüge der Feuerwehr Ascheberg handelt.

Einsatzübung der Feuerwehren Herbern, Ascheberg und Davensberg

„Die Löschzüge wussten vorher nur, dass die Übung stattfindet. Nicht wohin oder worum es gehen wird“, erzählt Davensbergs Löschzugführer Ulrich Gövert. „Wir versuchen, den Ernstfall so realitätsnah wie möglich darzustellen.“

Auch für erfahrene Feuerwehrmänner und -frauen stelle die Übung eine Herausforderung dar, denn es handele sich immer um eine andere Situation, die es zu bewältigen gelte. „Es kann beispielsweise auch ein großer Verkehrsunfall oder ein Großbrand auf einem Bauernhof simuliert werden“, so der Löschzugführer, der bei dieser Übung gleichzeitig die Einsatzleitung übernahm.

Zur Sicherheit ohne Sirene gefahren

Er war es auch, der den Notruf gesendet hatte. Knappe fünf Minuten nach dem Anruf erreichen die ersten Fahrzeuge mit Blaulicht das Gelände der Firma Othmerding Maschinenbau. „Anders als im Ernstfall wurde aus Sicherheitsgründen ohne Sirene gefahren“, verrät Gövert. Erster Löschzug am Unfallort ist der heimische Löschzug aus Davensberg, dessen Einsatzkräfte sich ein erstes Bild von der Situation machen: Eine Gasflasche ist explodiert, er gibt Brandausbreitung in der Werkstatt der Firma, dazu eine unbekannte Anzahl an verletzten Personen.

Während sich der Löschzug auf den Einsatz vorbereitet, füllt sich der Ort des Geschehens immer weiter mit Rettungsfahrzeugen. Das Deutsche Rote Kreuz mit Unterstützung aus den Ortsvereinen Senden, Coesfeld und Dülmen, der Löschzug Ascheberg sowie der Löschzug aus Herbern eilen herbei, um gemeinsam Herr der Lage zu werden.

„Anfängliche Kommunikationsprobleme nicht unüblich“

Eine logistische Herausforderung, die schnell zu Chaos führen kann. „Bei Einsätzen dieser Größe ist es nicht unüblich, dass es zunächst zu Kommunikationsproblemen kommen kann – das ist die sogenannte Chaosphase. Hier gilt es, sich schnellstmöglich abzusprechen, um angemessen auf die Situation zu reagieren“, erklärt Carsten Gausepohl, Löschzugführer des Löschzuges Herbern, die Ankunft am Einsatzort. Das Wichtigste dabei: der Faktor Zeit.

„Das haben die Kollegen wirklich gut gemacht. Bei drei Löschzügen mit insgesamt 65 Feuerwehrkollegen ist das nicht selbstverständlich“, lobt Gausepohl die Arbeit aller Löschzüge.

Schnell teilen sich die Einsatzkräfte in drei Abschnitte auf, wobei die Löschzüge sich gegenseitig unterstützen. Der Löschzug Davensberg übernimmt mit Unterstützung des Löschzuges Ascheberg die primäre Aufgabe der Menschenrettung und Brandbekämpfung in der Werkstatthalle. Um den Teileinsturz einer Regalanlage kümmert sich der Löschzug Herbern mit Unterstützung des Rüstwagens aus Ascheberg. Auf der Rückseite der Firmengebäude nimmt zeitgleich der Löschzug Ascheberg eine Riegelstellung vor, um ein Übergreifen des Brandes auf andere Hallen zu verhindern. Mit drei Rettungswagen und entsprechendem Personal unterstützt das DRK die Retter, kümmert sich um die verletzten Personen.

Mit Atemschutzmasken in die Rauchwolke

Es geht sofort an die Arbeit. Ein Trupp sammelt sich vor den halbgeöffneten Toren der Werkstatt, aus dessen Spalt Unmengen an Rauch austreten. Mit Atemschutzmasken, Taschenlampen und voller Überzeugung verschwinden die Einsatzkräfte inmitten der Rauchwolken. Denn: Laut dem Notruf sollen sich noch Personen in der Werkstatt befinden.

Nach kurzer Zeit scheint sich etwas zu tun. Zwei Feuerwehrmänner huschen durch das Tor hervor. Sie sind nicht allein. Ein junger Mann mit einem Schild um den Hals begleitet die tapferen Einsatzkräfte. Auf dem Schild steht „Rauchgasintox“. „Um die Situation noch realistischer darzustellen, haben wir den Vermissten mögliche Verletzungszustände zugewiesen, auf die die Einsatzkräfte reagieren müssen“, so Gövert.

Insgesamt galt es, sechs Personen zu retten, wobei unter die Trümmer zwei Dummys gelegt worden waren, die mit schwerem Gerät befreit werden mussten. Die menschlichen Vermissten versteckten sich an verschiedenen Stellen der Werkstatt und der anliegenden Halle. Die Firma Othmerding ließ extra Gabelstapler und andere Geräte in den Hallen stehen, um die Übung zu erschweren. „Ein ganz großer Dank geht an den Geschäftsführer Torben Othmerding, der uns sein Firmengelände für die Übung zur Verfügung gestellt hat“, freute sich Gövert über die Unterstützung der Davensberger Firma.

Mehrere hundert Meter Schlauchleitung verlegt

Zwei Wasserentnahmestellen mussten eingerichtet werden, um ausreichend Löschwasser zur Einsatzstelle liefern zu können. Dafür wurden mehrere hundert Meter B-Schlauchleitung verlegt, um vom Boden und aus der Luft, per Teleskopmast, Wasser auf das Gelände der Firma spritzen zu können. Die Planung der Übung hatte sich über drei Wochen erstreckt. Vorbereitet wurde sie von der Löschzugführung des Löschzugs Davensberg, Ulrich Gövert und Markus Budnik. Budnik kümmerte sich vor Ort um die Leitung eines Einsatzabschnittes. Weitere Abschnitte wurden durch Hendrik Thyks und Sven Wienströer geleitet.

„Die Kunst war es, alle 65 Feuerwehrmänner in einer Übung zu beschäftigen“, hebt Budnik den großen logistischen Aufwand der Übung hervor.

Unter den Augen des Bürgermeisters

Am Ende konnten sowohl alle Brandherde gelöscht werden, als auch die vermissten Personen geborgen und versorgt werden. Der Einsatz erstreckte sich über eine Stunde, in der 90 Beteiligte ihre Aufgaben vor den Augen von Bürgermeister Dr. Risthaus und von Aschebergs Feuerwehrchef Rainer Koch erfüllten.

Zwei Zuschauer überzeugten sich von der Kompetenz und Schlagfertigkeit ihrer Feuerwehr. Nach Beendigung des Übungseinsatzes fand noch eine Nachbesprechung mit allen Beteiligten statt. Bürgermeister, Wehrführer und Einsatzleiter zeigten sich insgesamt sehr zufrieden mit dem Übungsverlauf.

Text: Tim Nieswandt

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