BI ist erleichtert über Scheitern der Gasbohrung

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Der Bohrplatz in Herbern-Nordick.

Herbern - Aufatmen in Herbern: „Ich empfinde doch eine klammheimliche Freude, dass der ganze Blödsinn nun vom Tisch ist“ – so reagierte der Vorsitzende der BIST Herbern (Bürgerinitiative für sauberes Trinkwasser), Wilfried Voß, auf die Nachricht, dass das Gasbohren in Herbern gescheitert ist. 

Die Stadtwerke Hamm steigen aus der Gasförderung in Hamm und im Münsterland aus. HammGas zeigte sich von der Entwicklung überrascht. Umweltschützer fordern Konsequenzen für die Verantwortlichen. „Die Politiker, auch die vor Ort, haben unverantwortliche Beschlüsse gefasst und damit einen hohen Schaden angerichtet“, so Voß. 

Mit Blick auf mögliche Langzeitschäden äußert er weitere Bedenken: „Man kann heute noch nicht so einfach sagen, dass das Grundwasser keinen Schaden genommen hat. Das wird erst die Zukunft zeigen.“ Ähnlich sieht es auch Jürgen Blümer, Landschaftspate aus Drensteinfurt und engagierter Gegner des Gasbohrens. Auch er begrüßt die Entscheidung der Stadtwerke Hamm: „Damit wird endlich ein Schlussstrich unter eine fatale Entwicklung gezogen, die Klima und Heimat bedroht hat.“ 

HammGas war nicht informiert

Doch so erfreulich dieser Ausstieg aus der fossilen Erdags-Energie auch sei – diese Situation sei ein Symbol für das komplette Verantwortungsversagen von Oberbürgermeister, Verwaltung, Stadtrat und Stadtwerke-Führung, weist Blümer den Verantwortlichen den Schwarzen Peter zu. Derweil zeigte sich HammGas überrascht von der Entwicklung. „Wir waren darüber nicht informiert“, sagte der Pressesprecher des Unternehmens, Norman Edelmann, noch am Donnerstagabend. Eine Stellungnahme gab es nicht. Das Unternehmen werde sich jetzt erst einmal mit den Anteilseignern beraten, teilte Edelmann mit.

 Noch im September hatte HammGas die Aufsuchungsbohrung optimistisch bewertet. Geschäftsführer Ralf Presse ließ damals verlauten, dass die im Vorfeld projektierte Geologie auch angetroffen worden sei. Genau das war offensichtlich nicht der Fall. Zu wenig Gas für Wirtschaftlichkeit Nach neuesten Erkenntnissen wurden keine ausreichenden Mengen Gas gefunden und auch die geologischen Beschaffenheit ist für eine wirtschaftliche Förderung unzureichend. Da die Bodenbeschaffenheit in Hamm, wo es zu einer weiteren Probebohrung kommen sollte, ähnlich ist, sehen die Stadtwerke Hamm auch auf dem Hammer Gebiet keine Aussicht auf Erfolg.

Bohrstelle schon im Oktober geräumt

 Schon im Oktober hat HammGas den Bohrplatz räumen lassen. Die Bohrstelle allerdings mit einem Container gesichert. Die Anlage soll durch regelmäßigen Kontrollen unterzogen werden. Der Gemeinde Ascheberg liege noch keine offizielle Stellungnahme weder von HammGas noch von der Bezirksregierung vor, teilte Bauamtsleiter Klaus van Roje auf Anfrage mit. Was nun aus der Bohrlochstelle werde, müsse von der Bezirksregierung entschieden werden. 

„Energiepolitische Lachnummer“ 

„Den jetzigen Grund für den Ausstieg aus der Erdgasförderung haben wir von Anfang an vorgetragen. Die Unergiebigkeit des Feldes ist keine Neuigkeit, sondern ließ sich bei Betrachtung der bekannten Daten berechnen“, äußerte sich Gasbohrgegener Blümer. Der nüchterne Menschenverstand sei allerdings dem Gasrausch und den Dollarzeichen unterlegen. Jetzt sollten personelle Konsequenzen greifen, fordert der Landschaftspate. Die Stadt Hamm sei zu einer energiepolitischen Lachnummer geworden. 

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