Untreue, Betrug, Bankrott

Ascheberger (68) unterschlägt hohe Summe durch Betrug

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Symbolbild

Ascheberg/Münster – Er habe Millionen mit seinen Firmen gemacht, schilderte der 68-Jährige. Dann aber verließ ihn offenbar das geschäftliche Glück und er geriet auf die schiefe Bahn. Seit Mittwoch nun muss sich der Ascheberger unter anderem wegen Untreue, Betruges und Bankrott vor dem Landgericht Münster verantworten.

Mit ihm auf der Anklagebank: sein 38-jähriger Sohn und ein guter Freund aus Rumänien, der eine Adresse in Drensteinfurt hat. Über eine halbe Stunde dauerte das Verlesen gleich zweier Anklageschriften. 

Darin listete die Staatsanwältin mehr als 130 Einzel-Handlungen auf, in denen sich der 68-Jährige ab 2014 über Jahre hinweg unzulässig bereichert haben soll. Zumeist soll er Geld seiner Firma aufs Privatkonto überwiesen haben, obwohl diese längst in wirtschaftlicher Not war. 

Angeklagter räumt Teil der Taten ein

Darüber hinaus soll er eine Insolvenz verschleppt, Sozialversicherungsbeiträge von Angestellten nicht abgeführt und einen Arbeitsvertrag fingiert haben, um gemeinsam mit seinem rumänischen Freund Krankengeld und Arbeitslosengeld zu kassieren. Auf rund 150.000 Euro beläuft sich laut Anklage die Summe, die er sich widerrechtlich angeeignet haben soll. 

Über seinen Rechtsanwalt räumte der 68-Jährige einen Teil der ihm vorgeworfenen Taten ein. Andere Sachverhalte will er anders in Erinnerung haben. Seinen in Münster lebenden Sohn, der zwischenzeitlich als Geschäftsführer einer seiner Firmen eingetragen war, nahm er in Schutz. 

Faktisch habe immer er stets selbst die Geschäfte geführt, sein Sohn ihm vertraut. „Da hatte er den Laden aber schon nicht mehr im Griff“, so der Rechtsanwalt. Glaubt man den Worten des Angeklagten, glich sein Leben dem eines Selfmade-Millionärs. Mit 14 ging er in die Malerlehre, wurde Geselle, Meister. 

Es folgten zwölf Jahre Bundeswehr, in der er als Rechnungsführer Kenntnisse in der Buchführung erlangte, und sieben Jahre mit eigenem Versicherungsbüro. Dann will er als Berater anderen Firmen zu Krediten verholfen haben, was ihm Provisionsgelder in Höhe von rund vier Millionen Euro einbrachte. 

75.000 Euro pro Werbe-Bus

Von der Summe habe er vier Jahre lang gelebt und beruflich nichts weiter unternommen – bis er die Idee hatte, mit Werbung versehene Kleintransporter an gemeinnützige Vereine zu verschenken. 

Pro Bus seien immer rund 75.000 Euro erwirtschaftet worden. Später verkaufte er und widmete sich dem bundesweiten Vertrieb von Werbeschildern in Neubaugebieten. Das habe ebenfalls Millionen gebracht, bis es nicht mehr so lief. 

Dafür wurde der 68-Jährige offenbar erfinderisch darin, wie er seiner Firma Geld entzieht, um es privat auszugeben. Dabei gründete er laut Anklage unter anderem eine zweite, um Werte dorthin zu transferieren, und bezahlte Gegenstände für den Privatgebrauch vom Geschäftskonto. 

Bereits 2011 in der Privatinsolvenz

Nach Erkenntnissen der Ermittler verkaufte er zudem im Auftrag seines Insolvenzverwalters Güter, behielt aber einen Teil der Erlöse zurück. Kameraden von früher soll er überdies in ein Vier-Sterne-Hotel ins Sauerland eingeladen haben, ohne die Rechnung in Höhe von mehr als 5000 Euro zu begleichen. 

Auch vor seinen insgesamt drei Ehefrauen habe er sich laut Staatsanwältin als Lebemann gebären wollen. Dabei sei der Angeklagte schon 2011 in die Privatinsolvenz gegangen. Eine Restschuldbefreiung sei ihm im Januar 2017 indes versagt worden. Eingeräumt hat der Hauptangeklagte unter anderem den fingierten Arbeitsvertrag. 

Er habe seinen erkrankten Freund zur Behandlung von Rumänien nach Deutschland holen wollen, hieß es. Der 68-Jährige sitzt in U-Haft. 

Er hatte auf den Philippinen neuerlich geheiratet und eine Reise dorthin angekündigt. Bis Ende August sind 17 weitere Verhandlungstermine anberaumt.

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