17-Jährige aus Ascheberg und zwei Freunde stehen nach Rache-Akt vor Gericht

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Laut Staatsanwalt Ralf Tyborczyk soll die 17-jährige Angeklagte eine Vergewaltigung erfunden und dann gemeinsam mit ihren Begleitern die beinah tödlichen Rachepläne geschmiedet haben.

Ascheberg - Aus Rache sollen sie einen 18-jährigen Mann geschlagen, gequält und beinahe umgebracht haben. Die Staatsanwaltschaft Münster hat eine 17-jährige Schülerin aus Ascheberg und ihre beiden 17 und 19 Jahre alten Freunde aus Nordkirchen und Lünen unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt.

Einer kommt mit versteinerter Miene, der andere mit gesenktem Kopf, die dritte versteckt ihr Gesicht zum Schutz vor den vielen Fotografen hinter einem Aktenordner: So betreten die 17-jährige Aschebergerin und ihre beiden 17 und 19 Jahre alten Freunde aus Nordkirchen und Lünen den großen Saal im Landgericht Münster. Einzeln werden sie hineingeführt und setzen sich neben ihre Verteidiger auf die Anklagebank. Wenige Meter entfernt wartet ein junger Mann aus Münster mit seinem Rechtsanwalt an einem Tisch. Er ist der Nebenkläger, das Opfer der Angeklagten.

Um diese vier jungen Menschen geht es seit Mittwoch im Prozess wegen versuchten Mordes vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts. Dass die Angeklagten den 18-jährigen Münsteraner in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2016 in Lüdinghausen stundenlang quälten und lebensgefährlich verletzten, ist unstrittig. Sie haben es gestanden. Für das Gericht geht es jetzt vor allem um das Warum. Was bringt drei Jugendliche zu einem unvorstellbaren Gewaltexzess? Nicht in spontaner Wut, sondern geplant.

Lebensgefährliche Verletzungen

Die Antwort auf diese Frage interessiert sehr viele. Die Besucherränge im Gerichtssaal reichen kaum aus. Was die Zuhörer dann vom Staatsanwalt zu hören bekommen, lässt etliche von ihnen erstarren. Er spricht von einem hinterlistigen Überfall, von schweren Misshandlungen bis hin zu lebensgefährlichen Verletzungen. Benutzt werden ein eiserner Schlagstock, ein Cuttermesser, glühende Zigaretten, Pfefferspray sowie Kabelbinder zum Fesseln und Würgen. Die Tat spielt sich nahe der Eisenbahnbrücke am Dortmund-Ems-Kanal ab. Und dieser Umstand rettet dem Opfer am Ende vermutlich das Leben. Denn in den frühen Morgenstunden kommen Menschen über die Brücke und schrecken die Täter auf. Sie flüchten und lassen den 18-Jährigen liegen.

Er verliert drei Liter Blut und wird im letzten Moment gerettet. Von all dem hat er sich mittlerweile erholt. Körperlich und seelisch, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung im Gerichtssaal bestätigt. Nach dem Vortrag des Staatsanwalts wendet sich der Vorsitzende Richter an die Angeklagten. Ausführlich gerät die Vernehmung der Aschebergerin, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Zu dem 17-Jährigen, ein Mitschüler an ihrem Lüdinghausener Gymnasium, hat sie eine intensive Beziehung, die immer wieder auf- und abflaut. Den 19-jährigen Azubi aus Lünen hat sie im Vorjahr in einem Flirt-Portal kennen gelernt. Er ist sehr in sie verliebt, aber nicht umgekehrt.

Angeklagte leugnen Tötungsabsicht

Im selben Flirt-Portal kommt ihr Kontakt zum späteren Opfer zustande. Beim Chatten tauschen beide ausschweifende sexuelle Fantasien aus, die am 22. Mai in ihrem Zimmer in Ascheberg in die Tat umgesetzt werden. Davon berichtet sie den beiden Mitangeklagten auf WhatsApp. Den offenbar einvernehmlichen Geschlechtsverkehr schildert sie als brutale Vergewaltigung und stachelt ihre beiden Freunde damit zu der vermeintlichen Racheaktion an. 

Den Tathergang bestätigen zum großen Teil der 19-Jährige bei seiner Vernehmung und der 17-Jährige in einer schriftlichen Einlassung, die sein Anwalt verliest. Die Tötungsabsicht leugnen alle drei für sich selbst, weisen sie aber mehr oder weniger subtil ihren jeweiligen Mittätern zu. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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