Fairer Handel

Fairtrade-Produkte sind in Drensteinfurt eher Ladenhüter

Jana Deutsch und Martina Schoregge-Gräber zeigen das Angebot an fairem Kaffee im K&K-Markt Walstedde.
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Kaffee ist das bekannteste Fairtrade-Produkt. Im K&K-Markt in Walstedde gibt’s fairen Kaffee gleich in mehreren Sorten, berichten Jana Deutsch (links) und Filialleiterin Martina Schoregge-Gräber.

Vor gut einem Monat durfte Bürgermeister Carsten Grawunder für seine Stadt die Zertifizierungsurkunde, die Drensteinfurt als Fairtrade-Town auszeichnet, entgegennehmen. Doch die Drensteinfurter Bürger kaufen die fairen Produkte eher selten.

Die Beteiligung von Vereinen, Einzelhandelsgeschäften, der Kirchengemeinde St. Regina, der Teamschule, der Pfadfinder, der Katholischen Frauengemeinschaft und auch der Gastronomie als Partner der Fairtrade-Town machten die Auszeichnung erst möglich. Bei der Überreichung des Zertifikats auf dem Marktplatz nahmen viele Interessierte teil, doch die Realität zeigt: Fairtrade ist beim Stewwerter Verbraucher noch nicht richtig angekommen.

Der verantwortungsvolle Verbraucher hat es im undurchdringlichen Dschungel von Aufklebern, Labeln, Ampeln und Siegeln schwer, sich auf den Produktverpackungen zurechtzufinden. Während Bio und Vegan im Moment voll im Trend sind, hinkt die Initiative Fairtrade hinterher. Warum? Möglicherweise weil sie für den Konsumenten scheinbar keinen Mehrwert bringt. Denn Kunden, die sich für faire Produkte entscheiden, helfen nicht sich selber, sondern den Kleinbauern und Arbeitern in den Entwicklungsländern.

Wahrscheinlicher ist aber, so glaubt Martina Schoregge-Gräber, Filialleiterin im K&K- Markt in Walstedde, dass die Menschen zu wenig über die Hintergründe von Fairtrade wissen. Tatsache ist, dass es im Lebensmittelmarkt in Walstedde nur vereinzelt mal Nachfragen nach fairen Produkten gibt. Entsprechend wenig Angebot findet man in den Regalen. Fairen Kaffee sogar in Bioqualität, aber auch konventionell etwas faire Schokolade, Orangensaft, Honig und Wein – mehr gibt es nicht. „Wenn Produkte nicht verkauft werden, nimmt der Händler sie aus dem Sortiment“, macht die Filialleiterin deutlich. Wenn Produkte ablaufen und entsorgt werden müssten, rechne sich das nicht.

„Kunde möchte Vegan und Bio“

„Wäre die Nachfrage da, hätten wir es im Programm“, versichert sie und verweist auf ein frisch aufgestelltes Regal gefüllt mit veganen Produkten. „Der Kunde möchte Vegan und Bio.“ Am Preis könne es auch nicht liegen, denn der liege kaum über dem der herkömmlichen Produkte. Sie könne sich vorstellen, dass in großen Städten wie Münster mit den vielen Studenten die Nachfrage größer ist. In Walstedde ist der Kaffee das am meisten verkaufte faire Produkt.

Birgitta Riediger, Sprecherin der Fairtrade-Steuerungsgruppe, streift im Rewe in Drensteinfurt durch die Regale auf der Suche nach fairen Produkten. „Es wäre schön, wenn kleine Schilder sie sofort erkenntlich machten“, findet sie. Bei der Schokolade bleibt sie zuerst stehen. Hier ist das Angebot an fairen Artikeln wirklich groß. Fairtrade Bio, Fairtrade Vegan, Zartbitter oder Vollmilch liegen im Regal. „Insgesamt haben wir zwölf Sorten in allen Preislagen“, sagt Filialleiterin Agnes Nowak. Auch beim Kaffee ist das faire Angebot groß. Hier findet sich unter den zehn Kaffeepaketen auch eines mit dem Siegel der Gepa und das hat mit 6,99 Euro pro Pfund als Bioprodukt sogar einen guten Preis. Insgesamt 100 Artikel der Gepa sind bei Rewe Deutschland gelistet. Nur vier davon werden in Drensteinfurt angeboten. „Schade“, findet Riediger und fügt erklärend hinzu: „Nur die Gepa arbeitet nicht gewinnorientiert.“

Gutes Gefühl mit Fairtrade-Produkten

Auf der weiteren Suche findet Riediger noch fairen Kakao, eine Sorte Reis, Orangensaft, Schokocreme und Honig. Teetrinker suchen vergeblich nach fair gehandeltem Tee, und auch die Grundnahrungsmittel Zucker und Mehl gibt es nicht als faire Produkte. Allerdings findet man fairen Tee und Zucker bei „Ihr Platz“.

Auch Milch steht nicht als faires Produkt im Regal. Greift der Verbraucher hier zu Milch mit dem Grünen EU-Bio-Siegel, hat er vielleicht nicht automatisch faire Milch, aber auf jeden Fall Milch, die fairer gehandelt wird als konventionelle. Auch Filialleierin Nowak sieht die mangelnde Nachfrage als größte Ursache für die relativ geringe Anzahl von fairen Produkten. Doch sie ist optimistisch: „Das Angebot wird mehr, es braucht einfach seine Zeit.“ Kundin Maria Bartmann hat in ihrem Wagen ein faires Produkt. „Es macht mir ein gutes Gefühl“, erklärt sie ihre Beweggründe, faire Produkte zu kaufen.

Vortrag

Wer mehr über die verschiedenen Siegel und Fairtrade-Produkte bei Discountern und Weltläden erfahren möchte, sollte sich den 3. November vormerken. Um 19.30 Uhr hält Georg Knipping vom Fairhandel Münster einen Vortrag in der Alten Post und steht auch für Fragen zur Verfügung.

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