Zirkus Fantasia wehrt sich gegen Vorwürfe von Peta: „Tiere sind für uns wie Kinder“

Zwei von zirka 30 Tieren des Zirkus Fansasia: der Esel und eines der Ponys. Neben den Vierbeinern gibt es auch Riesenschlangen, einige Leguane, Skorpione, Vogelspinnen und Kröten.
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Zwei von zirka 30 Tieren des Zirkus Fansasia: der Esel und eines der Ponys. Neben den Vierbeinern gibt es auch Riesenschlangen, einige Leguane, Skorpione, Vogelspinnen und Kröten.

Tierhaltung im Zoo sei laut Tierschutzorganisation Peta nicht artgerecht. Gegen diese Vorwürfe wehrt sich der Zirkus Fantasia.

Drensteinfurt – Auf der weitläufigen Wiese grasen Pferde und Ponys zufrieden in der Sonne. Das Lama schaut interessiert herüber und der Esel kommt neugierig zum Zaun. Eine Idylle, die Spaziergänger anhalten lässt. Doch der kleine Zirkus Fantasia, der seit der Corona-Krise im Winterquartier am Amtshof seine Zelte aufgeschlagen hat, ist in das Visier der Tierschutzorganisation Peta geraten.

Tierhaltung im Zirkus sei nicht artgerecht und mit unnötigem Tierleid verbunden. Darum ihre Forderung: „Ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus.“ David Trumpf vom Zirkus Fantasia hält dagegen: „Wir leben von unseren Tieren und mit unseren Tieren, sie sind für uns wie Kinder.“

Tiere im Zirkus sind für Peta völlig undenkbar. Selbst die Haltung von Pferden, Ponys, Eseln oder Ziegen sei mangelhaft, ganz zu schweigen von Wildtieren wie Löwen oder Elefanten. Die Unterbringung in kleinen Gehegen, die oft mangelhafte Versorgung und die ständigen Transporte, dazu die Gewalt und der Zwang zur Dressur führten zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

Betreiber sollen Tiere abgeben

Die Corona-Pandemie habe die Situation noch einmal verschärft. Durch die prekäre finanzielle Lage gerade der Kleinzirkusse, könnten die Tiere nicht mehr versorgt werden, heißt es in einem Schreiben von Peta.

Darum appellieren die Tierschützer an die betroffenen Betriebe, ihre Tiere freiwillig abzugeben. Hier seien Zoos in der Verantwortung, notleidende Tiere aufzunehmen. Zoos erhielten Millionen Euro Steuergelder. Statt mit dem Geld Tiere auszustellen oder zu züchten, sollte ausschließlich eine Auffangstation für Tiere aus schlechter Haltung betrieben werden. Zirkusse sollten stattdessen auf tierleidfreie Konzepte und die zukunftsweisende Hologrammtechnologie setzen, schreibt Peta weiter.

Zirkusfamilie lebt von Tieren

Für David Trumpf ist die Forderung völlig irrational. Mit seinem kleinen Sohn wächst gerade die sechste Generation an Zirkusleuten heran. Ein Zirkus ohne Tiere sei ein Varieté und käme beim Publikum nicht gut an. Die Vorwürfe der Tierschutzorganisation kann er nicht nachvollziehen.

Mit der großen Zirkusfamilie leben sechs Pferde, vier Ponys, ein Esel und ein Lama am Platz. Zusammen mit drei Riesenschlangen, einigen Leguanen, Skorpionen, Vogelspinnen und Kröten gibt es wohl 30 Tiere.

Langhaarig: Das Lama des Zirkus Fantasia hat schon einige Jahre auf dem Buckel. „Wenn Tiere so alt werden, können wir nicht alles falsch machen“, sagt Daniel Trumpf.

Die Haltung der Tiere sei dem Familienbetrieb besonders wichtig. „Wenn wir einen Platz suchen, schauen wir immer, ob auch ausreichend Wiese für die Tiere dabei ist“, betont Trumpf.

Auch die Entfernung zwischen den einzelnen Aufführungsorten soll so gering wie möglich sein. In der Regel fährt die Zirkusfamilie zwischen einer halben Stunde und eineinhalb Stunden. Erlaubt sind viereinhalb Stunden ohne Pause. „Das kommt aber so gut wie nie vor“, versichert er.

Tiere gehen freiwillig in die Stallboxen

Gewalt müsse er nicht anwenden, um die Tiere in die Transportboxen zu bekommen. „Die gehen dort gerne rein, weil sie wissen: Hier gibt es frisches Futter und frisches Wasser“, sagt er. Am neuen Ort können die Tiere auch sofort in ihr Stallzelt, denn sowohl Boxen als auch Stall gebe es doppelt. Das bedeute, noch bevor der alte Standort abgebaut wird, bauen einige Zirkusleute am neuen Standort schon mal die Unterkunft für die Tiere auf.

Am neuen Platz meldet Trumpf sich sofort beim Veterinärsamt, die eine Kontrolle vornehmen. „Die Mitarbeiter kontrollieren nicht nur die Unterbringung, sondern auch die Ernährung, das Fell, die Hufe und den Auslauf“, versichert er.

Tiere sorgen für leuchtende Kinderaugen

Den Vorwurf der Dressur mit Gewalt weist er weit von sich. „Schon von meinem Großvater habe ich gelernt, wie man mit den Tieren umgeht“, erklärt er. Am Anfang beobachtet er die Tiere und sucht besondere Eigenarten und Vorlieben. Darauf baue er seine Nummer auf. Es funktioniere gut mit Geduld und vielen Belohnungen. Zirkus Fantasia arbeite mit schönen Outfits, bunten Federbüscheln und glitzernden Decken. Kleine lustige Nummern, keine komplizierten Verrenkungen.

Es genüge schon, wenn die Pferde einfach nur laufen. Ein besonderes Highlight sei der schwarze Hengst, der als Einhorn für leuchtende Kinderaugen sorge und das alleine durch sein Aussehen.

Zirkusmensch in fünfter Generation: David Trumpf betont, dass die Tiere im Zirkus Fantasia artgerecht gehalten werden. Die Fahrten zu neuen Auftrittsorten sind deutlich kürzer als erlaubt.

Dass Tiere im Zirkus angeblich nicht alt werden, sieht er anders. „Unsere vier Haflinger sind zwischen 24 und 27 Jahre alt und topfit.“ Natürlich müsste man mit der Ernährung und Pflege mehr Geld und Zeit investieren, aber die Tiere seien ja Familienmitglieder, da mache man das so.

Genau darum steht im Pass der Tiere auch der Vermerk, dass sie nicht geschlachtet und weiterverwertet werden dürfen. Trumpf: „Bei uns bekommen die Tiere im Alter ihr Gnadenbrot.“

Auch die Ponys, der Esel und das Lama sind nicht mehr die Jüngsten. „Wenn Tiere so alt werden, können wir nicht alles falsch machen“, schlussfolgert der Zirkusbesitzer. Im Tierbestandsbuch wird genau vermerkt, wann Tiere angeschafft werden oder sterben.

Die finanzielle Situation

Er gebe Peta aber Recht, dass Corona den Zirkussen schwer zusetzt. „Wir haben die Corona-Soforthilfe und eine kleine finanzielle Reserve. Durch den Bau von Gerüsten kommt etwas Geld rein und Ehefrau Janina Tränkler arbeitet online als Lernhelferin. Um die Kosten zu senken, sind die großen Fahrzeuge abgemeldet und der Vermieter erlässt die Hälfte der Miete, erklärt er.

Für drei Monate ist Futter für die Tiere gelagert. Zuvor hatte der Zirkus um Futterspenden gebeten. Wenn das Geld dann nicht reicht, könne ein Lkw verkauft werden. Und doch hoffe er, dass es mithilfe von Futterspenden dazu nicht kommen muss. Aber auch wenn es die nicht gibt, verspricht er: „Bei uns verhungert kein Tier, denn unsere Tiere stehen an erster Stelle.“

David Trumpf bietet den Drensteinfurtern an, gerne mal vorbeizuschauen und sich ein eigenes Bild zu machen. „Bei uns kann jeder auf die Wiesen schauen, das Gelände ist rundum einsehbar“, stellt er fest.

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