Idee eines Schäfers

Wollbänder gegen Spinner: Dirk Frerichmann baut eine Falle

In Eigenregie: Dirk Frerichmann hat an Bäumen am Kerkpatt eine Lebendfalle für den Eichenprozessionsspinner aufgebaut.
+
In Eigenregie: Dirk Frerichmann hat an Bäumen am Kerkpatt eine Lebendfalle für den Eichenprozessionsspinner aufgebaut.

Der Eichenprozessionsspinner hat in den vergangenen Jahren Angst und Schrecken verbreitet. Nicht wenige Menschen trugen nach Kontakt mit den Brennhaaren Hautausschläge davon. Einige Straßen und Wege waren besonders betroffen, so auch der Kerkpatt.


Walstedde – Etliche bunte Meisenkästen hängen im Kampf gegen die Eichenprozessionsspinner bereits in den Bäumen am Kerkpatt. Doch die Meisen schienen mit der Masse der Raupen überfordert. Jetzt hat Dirk Frerichmann die Idee eines Schäfers aus Telgte auf eigene Faust in die Tat umgesetzt und an 17 Eichen einen Ring aus Schafwolle angebracht.

Den Bericht über Schäfer Andreas Hill in der „Aktuellen Stunde“ im Fernsehen, in dem er erklärte, wie er mit einfacher Schafwolle den Eichenprozessionsspinner bekämpft, hatte Dirk Frerichmann nicht gesehen. Erst ein Bekannter machte ihn auf die Methode aufmerksam. „Ich habe sofort alles darüber gelesen und gedacht, das ist so einfach, das kannst du selbst machen“, erklärt er. Dirk Frerichmann wohnt am Kerkpatt, fast mitten im Wald. Nicht nur den Weg entlang stehen Eichen, sondern quasi rund um sein Grundstück herum.

Die Raupen mit den giftigen Brennhaaren hatten sich an unzähligen Eichen eingenistet. „Das Schlimmste: Ich reagiere auf die Haare allergisch“, erklärt er. Die vielen schmerzhaften Hautausschläge in den vergangenen beiden Jahren sind ihm noch gut im Gedächtnis. Es sei so schlimm gewesen, dass sie draußen keine Wäsche aufhängen konnten, da der Wind die Brennhaare bis zur Wäscheleine geweht hatte.

Einfach und effektiv: Die Eichenprozessionsspinner überwinden das Wollband nicht und landen im Beutel.

Wollbänder gegen Eichenprozessionsspinner

Genau darum reagierte der Walstedder schnell, denn er wusste, der Eichenprozessionsspinner sitzt praktisch schon in den Startlöchern. „Noch einige warme Tage, und die Wanderung geht los“, macht er deutlich. Der Ring aus Schafwolle müsse noch vor diesem Zeitpunkt um den Baum gewickelt werden.

Von einer Frau, die Wolle vom Spinnen übrig hatte, erwarb er einige Säcke Schafwolle, ein Kunststoffrohr wählte er als Verbindungsstück vom Baum hinab in ein Leinensäckchen. „Die Konstruktion war schnell hergestellt und ebenso schnell angebracht“, beschreibt es der Anwohner am Kerkpatt.

Eichenprozessionsspinne: Deshalb mögen sie die Wolle nicht

Verantwortlich dafür, dass die Raupe den Ring nicht überwindet, sei das in der Schafwolle enthaltene Wollfett (Lanolin), das aus den Talgdrüsen der Schafe stammt und der Wolle anhaftet. Vermutlich mögen die Eicheprozessionsspinner das Fett nicht und suchen einen anderen Weg, der dann zwangsläufig im Beutel endet, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

„Die Idee ist einfach, kostengünstig und naturschonend“, schwärmt Dirk Frerichmann. Zunächst war er nicht sicher, ob er das Prinzip des Schäfers anwenden dürfe, denn er habe gehört, dass dieser ein Patent angemeldet hatte. Da er seine eigene Konstruktion aber nicht gewerblich nutzt, sondern nur für den Eigenbedarf, und die Zeit drängt, habe er nicht mehr gezögert.

Jetzt hofft der Walstedder darauf, dass der Ring aus Wolle auch tatsächlich gute Dienste leistet. „Wenn es funktioniert, wäre das toll, dann mache ich das jedes Jahr“, kündigt er optimistisch an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare