Wolf in Sendenhorst gesichtet: Die Angst ist unbegründet

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Dieses Bild zeigt einen Wolf im Wildpark Frankenhof in Reken im Kreis Borken.

Drensteinfurt - Der letzte Wolf Westfalens soll 1835 in Herbern erlegt worden sein. Nun, fast 200 Jahre später, ist im Münsterland zwischen Albersloh und Sendenhorst wieder ein Wolf in freier Wildbahn unterwegs. Stellt er eine Gefahr für die Bürger dar?

Ein Autofahrer hat das Tier am vergangenen Donnerstag auf einer Ackerfläche entdeckt. Die Nachricht vom Wolf sorgte nur wenige Stunden später in den sozialen Netzwerken für Diskussionen. Die für das Gebiet zuständige Försterin Diethild Nordhues-Heese aus Hamm und der Leiter des Umweltamts der Stadt Drensteinfurt, Hans- Ulrich Herding, klären auf. 

Ein Autofahrer sichtete diesen Wolf bei Sendenhorst.

Dass es sich bei dem von Mirko Teigeler, der auf der L 586 unterwegs war, fotografierten Tier tatsächlich um einen Wolf handelt, ist unbestritten. Noch am selben Tag bestätigten sowohl das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) als auch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) die Echtheit des Fotos. 

„Ein Wolf wird nur da sesshaft, wo er einen Rendezvousplatz und einen Partner findet, das sind ruhige Orte, wo er sein neues Rudel aufbauen kann“, erklärt Försterin Diethild Nordhues-Heese. In dieser dicht besiedelten Region sei das nicht einfach. Wichtig sei, so die Försterin, dass die Leute die Wölfe nicht füttern. Das würde die Tiere zu Kulturfolgern machen, die den Menschen nicht mehr als Feind sehen. 

Abschuss des Raubtiers verboten

Diethild Nordhues-Heese aus Hamm ist Försterin.

Die Angst der Menschen sei nicht berechtigt. „Wir alle sind geprägt von dem Märchen Rotkäppchen und der böse Wolf’“, sagt Nordhues-Heese. In den vergangenen Jahrzehnten wurde jedoch kein Mensch in Deutschland von einem Wolf getötet. Dass der Wolf, der leichte Beute wie zum Beispiel ein ungeschütztes Schaf findet, die Gelegenheit nutzt, sei verständlich. „Die Hysterie kann ich nicht verstehen“, gibt sie zu.

Einige besorgte Bürger fordern den Abschuss des Raubtiers. Dies ist jedoch verboten, denn, so die Försterin: „Der Wolf unterliegt nicht dem Jagdgesetz, sondern dem Bundesnaturschutzgesetz und ist eine streng geschützte Art.“

Panik werde heute künstlich hoch gepuscht und sei nicht gerechtfertigt. Der Wolf aus Sendenhorst sei längst über alle Berge, glaubt sie. Sollte trotzdem der unglaubliche Zufall passieren, dass man einem Wolf begegnet, gelte es, stehen zu bleiben, nicht wegzulaufen, in die Hände zu klatschen und sich langsam rückwärts zurückzuziehen. 

Auch Hans-Ulrich Herding vom Umweltamt in Drensteinfurt versucht, die Sorge vor dem Wolf zu nehmen: „Dort wo Wölfe bald 15 Jahre ansässig sind, in der Lausitz, hat es noch keine Zwischenfälle gegeben.“ 

Wildbestände sind zu gering für einen Wolf 

Hans-Ulrich Herdin leitet das Umweltamt in Drensteinfurt.

Auch er vermutet, dass der Wolf längst weg ist. In der Agrarlandschaft des Münsterlands könne er sich nicht halten, der Wald sei nicht dicht genug und die Wildbestände zu gering. Dass ein Jäger den Wolf töten könnte, befürchtet er nicht. Dazu, so glaubt er, bräuchte es schon sehr viel kriminelle Energie. „Der Wolf steht unter Extraschutz wie Eulen und einige Greifvögel“, bestätigt auch der Leiter des Umweltamtes.

Der letzten Wolf Westfalens, der 1835 erlegt wurde, erhielt ein Denkmal.

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