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„Wir gehen auf dem Zahnfleisch“: Stadt braucht mehr Sozialarbeiter

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Von: Linda Ehrhardt

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Seit Mitte September steigen auch die Zuweisungen Geflüchteter aus anderen Ländern rasant. (Symbolbild)
Seit Mitte September steigen auch die Zuweisungen Geflüchteter aus anderen Ländern rasant. (Symbolbild) © dpa

Es fehlen Sozialarbeiter in Drensteinfurt. Darin sind sich Bürgermeister Carsten Grawunder, die Mitglieder des Ausschusses für Familie, Jugend, Senioren und Soziales sowie die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Drensteinfurt einig. Aus der Politik kam indes das Signal, sich gegen eine Aufstockung im Stellenplan nicht sperren zu wollen.

Drensteinfurt – In der jüngsten Ausschusssitzung nutzten Waltraud Angenendt, Vorsitzende des Deutsch-Ausländischen-Freundeskreises (DAF), und Ute Eichmann von den „Helfenden Händen mit Herz“ noch einmal die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die Ehrenamtler inzwischen viele Aufgaben erledigen würden, die eigentlich Fachkräfte übernehmen sollten. „Darum unsere dringende Bitte, bei den nächsten Haushaltsplanberatungen zu schauen, was der Stellenplan hergibt“, sagte Angenendt.

Zuvor hatten sie und ihre Mitstreiterinnen über ihre Arbeit berichtet, wobei sich der DAF weiterhin auf die Geflüchteten konzentriere, die seit 2015 nach Drensteinfurt gekommen sind. Für diese Menschen sei es nach wie vor komplizierter als für geflüchtete Ukrainer, die zum Beispiel sofort arbeiten dürfen und ein zweijähriges Bleiberecht bekommen. „Es ist auch schwieriger, zum Beispiel für junge afghanische Männer eine Wohnung zu finden, obwohl wir vom DAF nur diejenigen vermitteln, bei denen wir überzeugt sind, dass es zuverlässige Leute sind“, bedauerte Angenendt.

Drensteinfurts Bürgermeister Carsten Grawunder
„Die müssen abends ein Dach überm Kopf haben“, sagt Bürgermeister Carsten Grawunder. © Wiesrecker, Mechthild

Und die Wohnungssuche wird in den nächsten Monaten eher nicht einfacher werden. Das ging aus der Berichtsvorlage der Verwaltung hervor. Demnach gebe es zwar aktuell ein recht großes Angebot an Wohnungen, die die Stadt mieten könne. „Die meisten sind aber nur zeitlich befristet nutzbar“, erklärte die stellvertretende Fachbereichsleiterin Katrin Adolf.

216 Ukrainer zugewiesen

Zudem, so der Bürgermeister, müsse die Stadt sich darauf vorbereiten, dass zu den aktuell zugewiesenen 216 geflüchteten Ukrainern „von heute auf morgen“ 70 weitere Ukrainer zugewiesen werden können. „Die müssen dann abends ein Dach überm Kopf haben“, sagte Grawunder. Zudem stiegen seit Mitte September auch die Zuweisungen Geflüchteter aus anderen Ländern rasant. Daher sei die Stadt auch weiterhin dringend auf der Suche nach Wohnraum, den sie mieten oder kaufen kann. Aktuell laufen die Umbauarbeiten am „Autermannsgraben“ in der Teamschule, wo Platz für 38 Menschen entstehen soll.

Neben dem Wohnraum bleibt eines der drängendsten Themen aber die Zahl der Fachkräfte, sprich Sozialarbeiter, die sich um die Geflüchteten kümmern können. Aktuell sind vier Sozialarbeiterinnen mit insgesamt 97,5 Wochenstunden eingestellt, die die Flüchtlinge zum Beispiel bei der Beantragung des Aufenthaltstitels, des Kindergelds, bei der Wohnungssuche und der Kitaanmeldung unterstützen. Der dringendste Appell der DAF und der „helfenden Hände“ war, die Fachkräfte aufzustocken und so die Ehrenamtler zu entlasten. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, so Angenendt.

Waltraud Angenendt, Vorsitzende des Deutsch-Ausländischen-Freundeskreises Drensteinfurt
Waltraud Angenendt, Vorsitzende des Deutsch-Ausländischen-Freundeskreises Drensteinfurt © OV Bündnis 90 / Die Grünen Dre

Damit stießen sie bei Politik und Verwaltung auf offene Ohren. „Wir müssen uns um personelle Unterstützung in diesem Bereich kümmern“, betonte Bernhard Meyer (Grüne). Der Personalstand müsse so hoch sein, dass die Aufgaben bewältigt werden könnten. „Da müssen wir langfristige Lösungen finden.“

Bürgermeister Grawunder erklärte, dass die Verwaltung die Situation gern verbessern würde, aktuell aber nur befristete Stellen ausschreiben dürfe – weil der Stellenplan eben keine weiteren Stellen vorsehe und die Stadt darum eben keine Vollzeitstellen anbieten dürfe. Mit Blick auf die Haushaltsplanberatungen sagte der Stadtchef: „Darum appelliere ich an die Politik, uns nicht im Regen stehen zu lassen.“

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