Schneemassen

Wintereinbruch in Drensteinfurt: Autos bleiben stecken, Probleme bei Müllabfuhr

Hilfskräfte bei einem von der Fahrbahn abgekommenen Fahrzeug
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Mit einem Räumfahrzeug kollidiert. Dieser Pkw kam auf der verschneiten B 63 in Walstedde von der Straße ab.

Walstedde/Drensteinfurt – Nach einem verschneiten Sonntag haben die Schneemassen Drensteinfurt auch am Montag fest im Griff. Die Räumdienste kommen mit ihrer Arbeit kaum nach. Manches Mal bleiben Autofahrer im Schnee stecken.

Geholfen wird in der Regel auf dem kurzen Weg durch nette Nachbarn oder hilfsbereite Landwirte. Nur selten muss die Feuerwehr rausrücken wie am frühen Montagmorgen auf der B 63, als ein Pkw nach einem Zusammenstoß mit einem Räumfahrzeug von der Fahrbahn abgekommen war, und bei einem Lkw, der auf der Dorfstraße stecken geblieben war.

Obwohl Walstedde zugeschneit ist, kann auch am Montag vom richtigen Chaos keine Rede sein. Das Auto bleibt, wenn irgend möglich, zu Hause. Einkäufe werden zu Fuß erledigt. „Das gab es noch nie, dass ich meine Einkäufe mit Rucksack und Schlitten nach Hause gebracht habe“, berichtet Karin Weiß. „Es ist schon schön, aber jetzt reicht es schon“, gibt sie zu. Anders sieht das ihr vierjähriger Sohn Moritz, der sich den Schnee noch viele Tage wünscht.

Rudi Marhold hat im Moment viel zu tun. „Unsere Dachterrasse habe ich schon ein paar Mal abgefegt“, sagt er. Vor seinem Haus am Kirchplatz habe ihm der Bauhof die Arbeit abgenommen aber vor dem Apartment seiner Frau Ulla Marhold muss er den Schnee selbst wegschaufeln. Die ungewohnte Arbeit stecke er gut weg. „Jetzt kommt mir mein tägliches Fitnesstraining zugute“, freut er sich. Bestimmt zwei Stunden hat er am Montag schon Schnee geschippt. „Kein Problem“, sagt er. „Der Schnee ist toll!“ Dann fügt er an: „Mir geht es aber auch gut, ich muss nicht Auto fahren.“ Immerhin sei eine so große Menge Schnee hier selten. Nur 1978 habe er vergleichbaren Schnee erlebt.

Theo Brüggemann hat im Dorf sozusagen Bereitschaft. So manchem Autofahrer hat er am Wochenende aus einer misslichen Lage geholfen, am Montag sogar einen großen Lkw aus dem Schnee gezogen. Einige Anwohner hatten ihn gebeten, den Gehweg zu räumen. „Wenn ich gefragt werde, helfe ich“, sagt er selbstverständlich. Kein Wunder, schließlich ist er Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.

Die Hilfsbereitschaft ist groß: In Walstedde befreien die Nachbarn die Dorfstraße vom Schnee

In Drensteinfurt bleiben die meisten Autos ebenfalls stehen. Zwangsläufig, denn so mancher ist eingeschneit oder kommt nicht aus der Straße. Die Menschen gehen zu Fuß und mit Schlitten einkaufen, es liegt friedliche Ruhe über dem Ort. Unzufriedenheit? Fehlanzeige. Anja zuckt mit den Schultern und lacht: „Ist ja ohnehin nicht zu ändern.“ Sie hat gerade ihren Sohn Luis früher von der Kita geholt, weil der Lieferant für das Mittagessen von Ahlen nicht nach Drensteinfurt durch gekommen war. „Jetzt essen wir eben zuhause.“ Zur Arbeit nach Dortmund wäre sie am Montag ohnehin nicht gefahren. „Sicher ist sicher.“

Während Drensteinfurt und Teile des Münsterlandes im Dornröschenschlaf zu stecken scheinen, haben die Bauhofmitarbeiter ordentlich zu tun. „Heute morgen ging erst mal gar nichts“, berichtet deren Leiter Thomas Schlüter am Montag. „Am meisten machen die Schneeverwehungen zu schaffen“, erläutert er. Die Kombination aus Schneefall und Wind sei dafür verantwortlich, dass nach zwei Stunden von der Räumung nicht mehr viel zu sehen ist. Immerhin sei es gelungen, die Hauptverkehrsadern freizuhalten.

In der Innenstadt seien Schneemassen großteils herausgefahren worden. In einigen Bereichen unterstützten Fremdfirmen die Arbeit des Bauhofs. Probleme gibt es noch in den Wohngebieten, denn hier könne man mit schwerem Gerät nicht fahren. „Die Leute müssen sich noch etwas gedulden“, sagt Schlüter. Im Außenbereich helfen die Landwirte bei der Räumung. Sobald der Schneefall endet und der Wind abflacht, wird es in ganz Drensteinfurt auch wieder geordnete Verhältnisse geben, da ist Schlüter zuversichtlich. Beruhigend übrigens: Am Montagmorgen wurden 28 Tonnen Salz zum Bauhof geliefert. Das Lager ist wieder voll, sodass die Bauhofmitarbeiter für einen möglichen Glatteis-Einsatz gerüstet sind. Und auch für noch mehr Schnee.

Die enormen Schneemengen bereiten auch den Entsorgungsbetrieben im Kreis Warendorf Probleme. Am Montag konnte keines der Entsorgungsfahrzeuge das Firmengelände verlassen, die Mülltonnen in Drensteinfurt und weiteren Kommunen wurden nicht geleert. Die Montagstour soll am Dienstag nachgeholt werden. Zumindest die geräumten Straßen sollen angefahren und die dort stehenden Abfall- oder Wertstoffgefäße geleert werden.

Das hat wiederum Auswirkungen auf die reguläre Dienstagtour. Mit der kann erst am Dienstagnachmittag begonnen werden. Sehr wahrscheinlich werden sich auch für den Mittwoch, wenn in Drensteinfurt die Restmülltonnen geleert werden, Verschiebungen ergeben. Möglicherweise können die Entsorgungsfahrzeuge erst am Mittag damit beginnen, im Stadtgebiet die Restmülltonnen zu leeren. Ein wahrscheinlich ziemlich großer Teil der Straßen kann am Mittwoch nicht mehr angefahren werden. Die betroffenen Anlieger sollten die Gefäße bis Donnerstag an der Straße stehen lassen.

Es ist davon auszugehen, dass einige enge Straßen auch am Mittwoch oder Donnerstag noch nicht befahrbar sind. Die Tonnen können in diesen Straßen nicht geleert werden. Anlieger enger Straßen, deren Restmülltonne randvoll ist und keinen Platz mehr für die zwei kommenden Wochen bietet, sollen die Gefäße sicherheitshalber bis an die nächste Durchfahrtsstraße rollen.

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