Das Projekt "Schöpfung bewahren"

Gegen Massensterben und für Artenvielfalt

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Das Themenjahr soll das Bewusstsein für Artenvielfalt schaffen.

Drensteinfurt – Auch Jürgen Blümer widmet sich dem aktuellen Themenjahr der Artenvielfalt. Sein Ziel: Jeder einzelne soll in seinem eigenen Bereich „Schöpfung bewahren“ und damit sofort anfangen, um das Massensterben von Insekten und Vögeln und den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten.

Im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Zukunft Heimat“ und unter dem Hashtag „Werseblühen“ hatte Blümer in Kooperation mit dem Ortsverband der Grünen am Dienstagabend Interessierte in das Jugendcafé im Kulturbahnhof eingeladen. Immerhin 25 Bürger waren am Dienstagabend gekommen, um sich von fünf Referenten informieren zu lassen.

  • „Werseblühen“

Was unter dem Begriff „Werseblühen“ zu verstehen ist, machte Anja Samulewitsch, Initiatorin des Projektes „Beckum blüht auf“, deutlich. Gemeinsam mit Blümer hatte sie die Idee, an der Werse entlang des Werseradweges von Beckum über Ahlen bis nach Drensteinfurt einen blühenden Streifen entstehen zu lassen. „Wir wollen, dass beide Kommunen zusammenarbeiten“, sagte die Beckumerin.

Mit einem Bürgerantrag und vielen Mitstreitern hatte sie im vergangenen Jahr Beckum regelrecht aufblühen lassen. Über Facebook verbreitete sie 2017 ihre Idee und musste feststellen: „Das Interesse der Menschen war unglaublich groß.“

Blühende Wiesen als Rückzugsort und Nahrungsquelle für vom Aussterben bedrohte Insekten fördern – das wollen die Referenten und Besucher der Veranstaltung „Werseblühen“.

Im Zuge des Projektes erklärte sich nicht nur die Stadt Beckum bereit, im Sinne der Natur und der Insekten ihre Flächen zu bearbeiten, sondern es wurden auch Blühpaten gefunden. Etliche öffentliche Institutionen aber auch private Personen beteiligten sich daran, ihre Stadt aufblühen zu lassen.

  • „8Plus summt auf“

Dr. Berit Philipp, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nabu-Naturschutzstation Münsterland und Leiterin des Projektes „8Plus summt auf“, stellte das Projekt zur Förderung der Insektenvielfalt vor. Acht beteiligte Kommunen, unter anderem auch Drensteinfurt, profitieren von dem Förderprogramm des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums „8Plus-Vital NRW“. Im Projekt „8Plus summt auf“ sollen private Bürger, Kommunen und öffentliche Institutionen Flächen so herrichten, dass Insekten dort Nahrung finden können.

Dazu führt Philipp auch in Drensteinfurt eine Beratung an zwei Terminen durch. Darüber hinaus sollen Blühpaten gefunden und Naturgarten-Berater geschult werden, die langfristig vor Ort die Menschen beraten können. Schon mit kleinen Veränderungen könne man einen Beitrag für die Insekten leisten, so Philipp. An jedem Samstag werden von 10 bis 12 Uhr am interkulturellen Garten Samentütchen verteilt.

  • Gemeinschaftsgarten

Reinhold Hövelmann vom Verein „Anders Ackern“ in Enniger stellte den dortigen neuen Gemeinschaftsgarten vor, der auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern entstehen soll. Gestaltet wird er mit Blühflächen, Obstbäumen, Teichen, Steinmauern und Insektenhotels.

Die Referenten der Veranstaltung „Werseblühen“ (von links): Rudi Naerger, Martin Holtkamp, Reinhold Hövelmann, Anja Samulewitsch, Jürgen Blümer und Dr. Berit Philipp.

Als Vorzeigegarten soll er Ideen geben für den Garten zuhause. Die Fläche grenzt an dem Laakenhof, der seit Kurzem ebenfalls in Enniger zuhause ist, an. Blütenflächen zu entwickeln, sei ein besonderes Anliegen des Hofes, genau wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

  • Interkultureller Garten

Rudi Naerger berichtete über den interkulturellen Garten in Drensteinfurt, beginnend von den ersten Planungen bis zur Eröffnung im vergangenen Jahr. 16 Gartenparzellen mit einer Größe von 5,5 mal 2,5 Meter können von Einheimischen und Asylbewerbern bewirtschaftet werden. Bemerkenswert sei die Einbindung der benachbarten Teamschule, die von Anfang an ein eigenes Beet betreute.

  • Projekt „Blühpaten“

Kurz stellte auch Landwirt Martin Holtmann aus Rinkerode sein Projekt „Blühpaten“ vor. (Der WA berichtet noch ausführlich) Kritisch bewertete er auch die geltenden Gesetzeslage in Deutschland.

Die Gesetze sollten eigentlich schützen und regulieren, so Holtmann, stattdessen würden sie aber mehr Schaden als Nutzen anrichten. Am Ende der Veranstaltung konnte jeder der 25 Anwesenden ein Samentütchen für die Aussaat von Blühpflanzen im heimischen Garten mit nach Hause nehmen.

Dramatisches Insektensterben

„Das Insektensterben ist dramatisch“, erklärt Dr. Berit Philipp, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nabu-Naturschutzstation Münsterland, mit Blick auf die Studie des entomologischen Vereins Krefeld. Über 27 Jahre untersuchten die Vereinsmitglieder die Anzahl der Insekten und stellten fest: „Die Menge der Insekten hat sich um 75 Prozent reduziert.“ Damit einhergehend sei ein dramatischer Rückgang der Artenvielfalt. Die Studie sei wissenschaftlich fundiert und habe viele Menschen alarmiert.

Als Hauptursache für das Insektensterben macht Philipp die Veränderung der Landschaft, die Versiegelung der Flächen und die Intensivierung der Landwirtschaft sowie naturferne Gärten verantwortlich. Die Folge: „Die Lebensräume der Insekten gehen verloren.“

„Insekten haben eine elementare Bedeutung in der Nahrungskette“, betont die Nabu-Mitarbeiterin. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für viele Kleintiere, allen voran die Singvögel, die ihren Nachwuchs nicht mehr ernähren können. Auch bei der Bestäubung, der Verbreitung von Samen, der Zersetzung und Bereitstellung von Nährstoffen (Totholz, organisches Material) leisten Insekten einen unerlässlichen Beitrag.

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