Erfolgreiche Bekämpfung

Weniger Eichenprozessionsspinner in Drensteinfurt

Nest mit Eichenprozessionsspinnern
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Das große Krabbeln: ein Nest mit Eichenprozessionsspinnern an einer Eiche südlich von Ameke Richtung Kurrick.

In den vergangenen Jahren hatte der Eichenprozessionsspinner (EPS) die Eichen in ganz Drensteinfurt fest im Griff. Kaum eine Eiche blieb von einem Befall verschont. Mit großem Aufwand haben Stadt und Land die Schädlinge bekämpft – und das wie es scheint mit Erfolg. Verschwunden ist der Schädling nicht, er tritt aber, dank der getroffenen Maßnahmen, in deutlich geringerer Population auf.

Drensteinfurt - Betroffen waren von dem Befall Menschen, die mit Hautausschlägen, Augenreizungen und Atembeschwerden bis hin zum allergischen Schock, auf die Brennhaare der Raupe reagierten. Jetzt kommt die gute Nachricht: Die in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Heimatverein angebrachten 250 Nistkästen wurden zu 90 Prozent von den Meisen angenommen.

Hinsichtlich der Wirksamkeit bleibt die Stadt jedoch vorsichtig. „Ein möglicher Erfolg in Bezug auf die Eindämmung des Befalls durch die Eichenprozessionsspinner ist nicht messbar. Der Befall ist in jedem Jahr unterschiedlich stark und vorab nicht einzuschätzen. Bei einem so hohen Befall wie im letzten Jahr ist auch eine Verringerung durch Vogelfraß nicht zu erkennen“, informiert Christina Bricke vom Ordnungsamt.

„Wie schon im letzten Jahr kommen für die Stadt auch in diesem Jahr keine chemischen oder biologischen Stoffe zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Betracht“, versichert Bricke. Stattdessen setzte die Stadt weiterhin auf das Absaugverfahren oder auch Heißschaumverfahren durch Fachfirmen. Leider könne dies bei besonders hohen Bäumen nicht ausschließlich angewandt werden. Es habe sich gezeigt, dass die im vergangenen Jahr auf diese Weise behandelten Eichen kaum oder wenn dann nur einen sehr geringen Befall aufweisen. Schaut man nach Ameke bestätigt sich die Aussage. Auf dem gesamten Weg Kurrick findet man kaum eine Eiche, die nicht befallen ist. Und genau hier wurden die Bäume im vergangenen Jahr auch nicht behandelt. Auch Thomas Schlüter, Leiter des Bauhofs, bestätigt den guten Erfolg der Absaugmethode.

Bürger können Nester über Homepage melden

Die Bürger, so berichtet Bricke, nutzten ausgiebig die Möglichkeit, Nester auf der Homepage der Stadt zu melden. Nach einer Prioritätenliste auf der an erster Stelle Schulen, Schulwege, Kindergärten, das Freibad, Spielplätze und die unmittelbare Nähe zu Sportanlagen stehen, wird der Auftrag zur Entfernung der Nester erteilt. Nach und nach würden auch Bäume an stark frequentierte Strecken im Außenbereich behandelt.

Bleibt die Frage, welchen Einfluss das Wetter auf die Eichenprozessionsspinnerpopulation hat. „Der EPS profitierte in den letzten zwei bis drei Jahren von den sehr warmen und trockenen Frühjahren, sodass es hier schon früh zu einer starken Entwicklung der Raupen kam“, informiert Dr. Berit Philipp von der Nabu-Naturschutzstation Münsterland. In diesem Jahr haben die Entwicklung und der Schlupf der Raupe deutlich später eingesetzt. Alle Eier würden zwar durch den Frost wohl nicht abgestorben sein, denn die vielen Insekteneier seien relativ frostunempfindlich oder geschützt. Trotzdem: „Man kann davon ausgehen, dass es durch die Kälte und Nässe nicht so viele EPS-Gespinste gibt“, verdeutlicht Philipp.

Keine Bekämpfung mit Bioziden

Die Bekämpfung der Raupe mit Bioziden lehnt die Expertin kategorisch ab. „Der Einsatz ist immer mit weiteren Umweltschäden verbunden“, erklärt sie. Der Wirkstoff führt als Fraßgift zu Perforation des Darmes – nicht nur der Eichenprozessionsspinner-Raupen, sondern auch aller anderen Schmetterlingsraupen und Insekten, die die Blätter fressen. „Dies ist im Angesicht des aktuellen Insektensterbens nicht gerade förderlich für unser Ökosystem“, verdeutlicht die Nabu-Mitarbeiterin. Zudem habe der Einsatz von Bioziden weitreichende Auswirkungen auch auf die Vogel- und Fledermausarten, die sich und ihren Nachwuchs von Insektenraupen ernähren.

Wird ein Biozid flächendeckend aufgebracht, gelange es durch den Wind auch auf benachbarte Bäume und tötet dort weitere Raupen. Daher der Rat der Fachfrau: „Erste Wahl ist die mechanische Bekämpfung mit entsprechenden Geräten durch Absaugen, Abflammen oder Absammeln von Raupen und Gespinsten.“ Darüber hinaus sei es langfristig von Bedeutung, natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners zu unterstützen. „Wir müssen Vögeln, Fledermäusen sowie Insekten, die die Raupen abtöten wie zum Beispiel Schlupfwespen, fördern und deren Lebensräume erhalten. Der Eichenprozessionsspinner ist eine heimische Schmetterlingsart. Nach Einschätzung der Nabu handelt es sich bei der in den vergangenen Jahren erlebten Massenvermehrung um ein natürliches Phänomen, das in der Vergangenheit stets auch ohne Eingriff des Menschen zurückgegangen sei.

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