Angst vor dem Unbekannten? Weniger Anmeldungen bei der Teamschule

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Leere Plätze an der Teamschule: Mit nur 42 Anmeldungen wurde ein neues Rekordtief erreicht (Symbolbild).

Drensteinfurt – Schüler- und Lehrerleistungen, Unterricht, Schulleben, Schulleitung – für alles bescheinigte das Prüfungskomitee der Teamschule bei der Qualitätsanalyse Bestnoten. Selbst das Schulministerium in Düsseldorf und die Bezirksregierung in Münster lobten die herausragende Leistung. Doch die Eltern in Drensteinfurt scheinen von ihrer Schule vor Ort nicht so überzeugt.

Mit nur 42 Anmeldungen für das Schuljahr 2019/2020 erreicht die Schule einen historischen Tiefstwert: Von den guten Anmeldezahlen der Anfangsjahre – der erste Jahrgang im Jahr 2012 war mit 105 Kindern noch vierzügig – kann die Teamschule nur träumen. Hat der derzeitige zehnte Jahrgang noch 73 Schüler und der neunte Jahrgang sogar 113 Schüler, wird es zum kommenden Schuljahr wie bereits 2018/2019 mit 54 Anmeldungen erneut nur zwei fünfte Klassen geben.

Über den Grund für die Zurückhaltung der Drensteinfurter Eltern kann Gregor Stiefel vom Schulamt der Stadt nur spekulieren. „Viele Eltern wählen die vermeintlich bessere Schulform, dass bedeutet, sie melden ihre Kinder am Gymnasium an“, so sein Eindruck. Spätestens in Klasse sieben reichten die Leistungen oft nicht mehr aus und die Kinder müssten die Schule wechseln. Das erkläre auch den Anstieg der Schülerzahlen im siebten Jahrgang.

Anja Sachsenhausen, Schulleiterin der Teamschule, gibt zu: „Ich bin einfach enttäuscht.“ 151 Schüler verlassen im Sommer die drei Grundschulen. 43 Anmeldungen, davon nur 13 Anmeldungen aus Drensteinfurt, verzeichnet die Teamschule. „Wir sind im Dorf nicht angekommen“, so ihre Schlussfolgerung. Mit dem mehr als guten Konzept, engagierten Lehrern, einer zukunftsweisenden speziellen iPad-Klasse und einer Klasse, die mit iPads versorgt werde, seien die niedrigen Zahlen nicht nachvollziehbar.

Schulleiterin Anja Sachsenhausen glaubt, die Schule sei noch nicht beim Dorf angekommen.

Anmeldungen aus Münster zeigten, dass die Eltern in der Großstadt die Qualität des individualisierten Unterrichtes zu schätzen wüssten, während im Dorf offensichtlich Angst vor dem Unbekannten vorherrsche. Die Sekundarschule ist eine sehr junge Schulform, die wohl das Vertrauen der Eltern hier vor Ort nicht gefunden hat, schlussfolgert Sachsenhausen. „Aus ihrer eigenen Schulzeit kennen die Eltern diese positive Art des Unterrichtens nicht.“

Tatsächlich spricht der Erfolg eine eigene, offenbar ungehörte Sprache. „Unsere Schüler haben sehr gute Abschlüsse und kommen bestens zurecht“, erklärt die Schulleiterin. Eine ganze Reihe der Viertklässler wird nach den Sommerferien die Gesamtschule in Ahlen besuchen. Darum vermutet Sachsenhausen: „Die Eltern wünschen sich den gymnasialen Zweig.“ Immer mehr Eltern hielten das Abitur für dringend erforderlich und wollen für ihre Kinder keinen Wechsel nach der zehnten Klasse.

Viele Gymnasiasten wechseln in Klasse 7

Doch, spätestens in der siebten Klasse werden die Schülerzahlen an der Teamschule wieder steigen, prognostiziert Sachsenhausen. Erfahrungsgemäß wechseln viele Kinder gerade vom Gymnasium dann auf die Teamschule, unterstreicht sie die Aussage des Schulamtsleiters. „Wir nehmen die Schüler dann auf und versuchen nach der erlebten Niederlage ihr Selbstvertrauen wiederaufzubauen.“

Wahrscheinlich sei, dass der Jahrgang dann dreizügig wird. Denn in der Teamschule würde in kleinen Klassen unterrichtet, in denen man gut arbeiten kann. „Wir müssen jetzt mit den Zahlen arbeiten und agieren, wir dürfen nicht stehen bleiben“, gibt die Rektorin abschließend zu bedenken.

Egal ob Fairmobil, Metalltruck, die iPad-Klasse, das Bewerbungscamp oder wie hier auf dem Foto das Radioprojekt mit dem Rundfunk Warendorf, die Teamschule bietet eine große Palette an schulischen Angeboten.

Bürgermeister Carsten Grawunder lobt das pädagogische hochwertige Angebot der Teamschule. Er ist sich sicher: „Die Zahl wird in den kommenden Jahren wieder steigen.“ Tatsächlich verlassen im Schuljahr 2020/2021 und auch im darauffolgenden Schuljahr jeweils 30 Kinder mehr die Kardinal-von-Galen-Grundschule.

Immerhin sei die Schule mit Blick auf die Zukunft besonders gut aufgestellt: 50.000 Euro werden aus dem Haushalt der Stadt für den Digitalisierungsprozess an den Schulen bereitgestellt. „Wir wollen die Schüler, die mit den heutigen vielfältigen Entwicklungen im IT-Bereich heranwachsen, unterstützen“, so Bürgermeister Carsten Grawunder. Und „ganz nebenbei“ sei ein Tablet auf Dauer auch deutlich leichter als ein Stapel Bücher und Arbeitshefte, was den Rücken schone und damit der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zugutekomme.

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