Kunstrasen nur mit Umweltbelastung - trotzdem hält Stadt daran fest

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Fußball wird weiterhin in Drensteinfurt auf dem Kunstrasen gespielt (Symbolbild).

Drensteinfurt – Im November hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Sitzung des Sportausschusses die Verwaltung gebeten, Kunstrasenplätze auf ihre Umweltbelastung zu überprüfen. Jetzt wurde beim Sport- und Kulturausschuss das Ergebnis vorgestellt: „Ohne Umweltbelastungen kann ein Kunstrasenplatz nicht betrieben werden.“

Wenn auf einer Fläche von 7.500 Quadratmetern eine 2,4 Zentimeter dicke Elastikschicht aus einem gummiähnlichen Kunststoff und eine Art Teppichboden mit Kunststoffrücken aufgetragen wird, der mit vier Zentimeter langen Fasern mit Hohlräumen ausgestattet ist, in denen mehrere Kilogramm Granulat aus ummanteltem Reifengummi eingebürstet werden, sprechen die Fakten für sich: Es würden Ressourcen und Energie verbraucht und am Ende der Nutzungszeit müssten die Kunststoffe aufgetrennt und recycelt werden, stellte die Verwaltung fest.

Doch obwohl die negativen Auswirkungen bekannt waren, haben sich Sportvereine und Stadtverwaltung für die Kunstrasenplätze entschieden, so Bürgermeister Carsten Grawunder. „Nach Abwägung der Vor- und Nachteile war die Entscheidung klar“, versicherte er. Vor allen Dingen die wesentlich intensivere Nutzung sei ein Kriterium gewesen, ebenso die Tatsache, dass für zusätzliche Naturrasenplätze keine Fläche zur Verfügung stehe.

Die von den Grünen gestellte Frage nach dem Kohlendioxid-Fußabdruck konnte nicht ausreichend beantwortet werden. Es gebe keine aktuelle Berechnung der Ökobilanz, heißt es im Schreiben der Verwaltung. Allerdings sagen die verwendeten Materialien und die Haltbarkeit von nur zwölf bis 15 Jahren einiges aus. 2009 habe das Ökoinstitut Darmstadt einen Vergleich von Kunstrasen und Naturrasenflächen aufgestellt.

Die Umweltverträglichkeit von Kunstrasenplätzen war Thema im Sportausschuss.

Wie erwartet, wiesen Naturrasenplätze eine geringere Kohlendioxid-Bilanz auf, so der Bürgermeister. Durch den hohen Ressourcenverbrauch sei der Treibhauseffekt dreimal höher, hieß es in der Studie, daran konnte auch die intensivere Nutzung nichts ändern. Einziger Vorteil sei der geringere Flächenverbrauch.

Die Frage, ob verhindert werden kann, dass Mikropartikel in Abwasser und Boden gelangen, musste die Verwaltung verneinen. „Durch regelmäßige Pflege lässt sich der Eintrag minimieren“, erläuterte Grawunder. Letztendlich gelangten Mikroplastikteile der Füllung über die Sportschuhe und die Sportbekleidung – beim Waschen –ins Entwässerungssystem und auch durch die Luft in die Umwelt.

Wie viel kostet der Rückbau?

Nicht abschließend beantwortet werden konnte die Frage nach den Kosten des Rückbaus. Zurzeit lägen diese bei 25.000 bis 30.000 Euro. Jedoch sei die Kostenentwicklung abhängig von der zukünftigen Möglichkeit der Wiederverwertung entsprechender Stoffe.

Welchen Plan die Stadt für die Entsorgung des alten Kunstrasens hat, wollten die Grünen wissen. Der 1999 errichtete erste Kunstrasenplatz sei bereits saniert worden, teilte die Verwaltung mit. Diese Sanierung und auch jede weitere seien von einem zertifizierten Fachbetrieb ausgeführt worden.

Wiederverwertung

Letztendlich muss der Rasenteppich bei seiner Entsorgung nach zwölf bis 15 Jahren einer thermischen Verwertung zugeführt werden, da ein Rest des Füllsandes im Teppich verbleibt. Zuvor werden Quarzsand und ummanteltes Gummigranulat aus der Faserschicht aufgenommen und getrennt.

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