FFP2-Masken schließen wegen Vollbart nicht vollständig ab

Kämmerer Ingo Herbst hat sich wegen Corona von seinem Vollbart getrennt

Drensteinfurt Kämmerer Ingo Herbst mit Bart
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So kannte man ihn jahrelang: Drensteinfurts Kämmerer Ingo Herbst mit Bart

Seit zehn Jahren trägt Kämmerer Ingo Herbst einen Vollbart. Jetzt wurde der Bart ein Opfer von Corona, denn FFP2-Masken und Vollbärte sind nicht kompatibel. Nicht nur für ihn, auch für seine Familie ist sein bartloses Gesicht ein ungewohnter Anblick.

Drensteinfurt - Bis vor kurzem hat sich Ingo Herbst keine Gedanken gemacht, ob der Bart verhindert, dass die Maske gut abschließt. Erst nach einem wissenschaftlichen Beitrag in der Sendung „Quarks & Co“ sei er ins Grübeln gekommen. Denn eine FFP2-Maske schützt nur vor Corona, wenn sie auch wirklich eng anliegt, machte der Beitrag deutlich. Wegen des Barts –egal ob Voll- oder Drei-Tage-Bart – sitzt sie jedoch nicht mehr eng am Gesicht. Durch die so entstandenen Lücken zwischen Bart und Maske kann die Luft mehr oder weniger ungefiltert entweichen. Vor allem aber können die Viren eindringen.

Jetzt ist der Bart ab: Drensteinfurts Kämmerer Ingo Herbst hat seinen Vollbart wegen Corona abrasiert, weil sonst die FFP2-Masken nicht sicher anliegen.

„Ich habe mich gefragt, ob modische Gründe es wert sind, ein Risiko einzugehen“, erzählt der Stadtkämmerer. Er gehöre zwar nicht zur Risikogruppe, aber auch ein gesunder Mensch könne auf der Intensivstation landen. Noch wichtiger sei ihm jedoch der Schutz der Familie, denn seine Ehefrau sei als Asthmatikerin besonders gefährdet.

Den Entschluss „Der Bart muss ab“ habe er dann ganz alleine gefällt. „Es war quasi eine Kurzschlussreaktion“, verrät er. Als Frau und Sohn beim Einkaufen waren, habe er zum Bartschneider gegriffen. „Ist der erste Schnitt getan, gibt es kein Zurück mehr“, stellte er fest und versichert: „Es war schrecklich.“

Als seine Lieben vom Einkauf zurückkamen, sei die Überraschung groß gewesen. „Mein Sohn Lars hat den Mund gar nicht mehr zu bekommen“, berichtet Ingo Herbst schmunzelnd. Dann aber sofort kommentiert: „Papa, du sieht jetzt viel jünger aus.“

Neunjähriger Sohn kennt Vater nur mit Bart - jetzt ist er ab

Ein Wunder sei die Reaktion nicht, schließlich habe ihn der Neunjährige noch nie ohne Bart gesehen. Seine Ehefrau habe nur sachlich festgestellt, dass man jetzt sehen könnte, dass Vater und Sohn die gleiche Kinnform hätten. „Sie hatte mich ja ohne Bart kennengelernt“, resümiert er.

Eines steht für Ingo Herbst dann doch fest: „Wenn Corona vorbei ist, lass ich den Bart wieder wachsen.“ Prinzipiell sei er der Meinung, dass Haare zum Gesicht gehören, und wenn er schon keine auf dem Kopf habe, dann wenigstens im Gesicht.

Feuerwehrleute sind wegen Atemschutzausrüstung stets glatt rasiert

Anders als der Stadtkämmerer haben die Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr in ganz Drensteinfurt kein haariges Problem beim Tragen der Schutzmasken. „Bei uns darf kein aktiver Feuerwehrmann einen Bart tragen“, informiert Frank Kronshage, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Es gebe vereinzelt Bartträger, die seien dann aber automatisch nicht tauglich und würden nicht eingesetzt. Selbst ein ausgiebiger Dreitagebart führe schon zur Untauglichkeit, da es Undichtigkeiten bei Tragen von Atemschutzmasken gibt.

„Ein vorbildlicher Feuerwehrmann ist also stets glattrasiert“, betont Frank Kronshage. „Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet“, zitiert er die Feuerwehr-Dienstvorschrift „Atemschutz“. Bereits nach 24 Stunden könne es im sogenannten Dichtlinienbereich zu Undichtheiten des Atemanschlusses und zu Störungen an den Ventilen der Atemanschlüsse kommen, führt der Feuerwehrmann weiter aus. In der Folge könnten am Ende Schadstoffe in die Atemluft gelangen.

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