Orgelserie

Vorenweg-Orgel in St. Regina erklingt so kraftvoll wie 1789

Die Vorenweg-Orgel in der St.-Regina-Kirche
+
Die Vorenweg-Orgel in der St.-Regina-Kirche: Der Prospekt sieht beeindruckend aus – aber nicht alles ist echt ...

Die St.-Regina- Gemeinde erstreckt sich auf die Ortschaften Drensteinfurt, Walstedde, Rinkerode und Ameke. In jedem Ortsteil steht ein Gotteshaus, das über eine eigene Orgel verfügt. Die größte von ihnen ist die Vorenweg-Orgel in der St.-Regina-Kirche.

Drensteinfurt - Als der westfälische Orgelbauer Caspar Melchior Vorenweg die Orgel für die Gemeinde in Drensteinfurt baute, war er gerade mal 36 Jahre alt. Hochbetagt starb er 1844 in Münster, aber seine Orgel erklingt noch immer mit der gleichen Kraft wie in ihrer Geburtsstunde im Jahr 1789. Schaut man sich in der St.-Regina-Kirche um, fällt auf, dass viele Elemente harmonisch zusammenpassen. Ein Blick in historische Dokumente zeigt, dass sowohl das Gehäuse der Orgel als auch die beiden Beichtstühle und die Kanzel aus der Werkstatt von Schreinermeister Jodukus aus Münster-Wolbeck stammen.

1014 Pfeifen und 19 Register

Kantorin Miriam Kaduk kennt die Vorenweg-Orgel im wahrsten Sinne des Wortes von innen und außen. Im Laufe der Jahrhunderte, so berichtet sie, haben viele Umbauten und Renovierungen stattgefunden. Heute verfügt die imposante Orgel über 19 klingende Register die sich auf zwei Manuale und Pedal sowie 1014 Pfeifen verteilen. „Damit auch alle Pfeifen und Pedale untergebracht werden können, braucht die Orgel zwei Etagen“, erklärt sie. Zur oberen Etage, die heute für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, führt eine alte, ausgetretene Holztreppe. Dort stehen das Hauptwerk der Orgel mit den Registern, dem Pedalwerk, den Pedalregistern und auf der rechten Seite den größten Pfeifen für die Basstonlage.

Kantorin Miriam Kaduk am Spieltisch entlockt der Vornweg-Orgel faszinierende Klänge.

Ein Stockwerk tiefer – dort, wo der Organist an der Tastatur sitzt – befinden sich die Pfeifen des Positivs, eines Nebenwerks mit leiseren Registern. „Es steht genau unter dem Hauptwerk, daher bezeichnet man es in diesem Fall auch als Unterwerk“, erläutert die Kantorin. Beim Blick auf die Orgelpfeifen, die in Reih und Glied der Größe nach sortiert aufgestellt sind, kommt ihr spontan die Redewendung „Wie die Orgelpfeifen“ in den Sinn. Die kleinste Orgelpfeife, die dort zu finden ist, hat übrigens die Größe eines Fingernagels. Jede Reihe entspricht einer eigenen Klangfarbe (auch Timbre genannt). Auf diese Weise können – je nach Material und Bauweise der Pfeifen – unterschiedlichste Klänge erzeugt werden. „Die langen, senkrechten Drähte stellen die Verbindung von der Taste zum Ventil her“, informiert Kaduk.

Mit Silberfolie versehene Attrappen

Schaut man aus den Sitzbänken zur Orgel hoch, sieht man das Prospekt. Damit ist keine gedruckte Werbung gemeint, sondern die „Schauseite“. Man erkennt eine obere Pfeifenreihe, die zum „Prinzipal 8-Fuß“ im Hauptwerk gehört, und eine untere Pfeifenreihe. Dann verrät die Organistin: „Letztere sehen wohl wie Pfeifen aus, in Wirklichkeit sind es jedoch mit Silberfolie versehene und angemalte Attrappen aus Holz, die ausschließlich der Ästhetik dienen.“

Gespielt werde die Orgel vom Spieltisch. Dort gibt es zwei Manuale oder Klaviaturen – das sind die Tasten, wie sie jeder vom Klavier kennt. Das untere Manual ist das Hauptwerk, denn hier sind die meisten Register der Orgel mit den lauten und führenden Stimmen. Durch Ziehen der Register können verschiedene Instrumente wie Trompete, Geige oder Flöte imitiert werden. „Wird das Register Tremulant gezogen bringt das den Ton zum Schwingen, das hört sich dann wie ein Vibrato an“, so die Kantorin.

Das obere Manual bietet eine klangliche Ergänzung durch Begleitstimmen. Dieses Nebenwerk (Positiv) hat weniger Register als das Hauptwerk. Besonders auffällig ist, dass die weißen Tasten, wie man sie vom Klavier kennen, schwarz sind und die Schwarzen dementsprechend weiß. „Das ist aber nicht unüblich, sondern man findet es bei alten Instrumenten häufiger“, versichert Miriam Kaduk. Im Fußbereich befinden sich Pedale, die völlig eigenständig sind und mit denen man sogar ganze Melodien spielen kann.
Neben der Orgel in der St.-Regina-Kirche gibt es nur noch eine einzige Orgel, die von Caspar Melchior Vorenweg gebaut wurde und die bis heute erhalten ist: Sie steht in Selm-Cappenberg und stammt aus dem Jahr 1788.

Internet

Die Videoserie ist über die Internetseite https://www.kirchenmusik-in-drensteinfurt.de/willkommen/aktuelles/ abrufbar oder direkt bei Youtube über den Kanal MusikAbout.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare