Angeklagter mit Vorstrafen

Von wegen friedliche Adventszeit: Geldstrafe nach Körperverletzung auf die Hälfte reduziert

Wegen eines „versuchten“ schweren Raubes muss sich ein 22-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.
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Wegen eines „versuchten“ schweren Raubes muss sich ein 22-jähriger Meinerzhagener im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.

Ein Dutzend Jahre Zank und Beziehungschaos auf einem Hof in Drensteinfurt endete schließlich abrupt.

Drensteinfurt/Münster – Am ersten Adventssamstag 2019 flogen im Haus die Fetzen. Ein Beteiligter landete vor Gericht. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte das Amtsgericht Ahlen einen heute 53-jährigen Mann zu 1500 Euro Geldstrafe.

Dagegen ging der im Sauerland geborene Angeklagte in Berufung, die am Donnerstag vor der 17. Strafkammer des Landgerichts Münster verhandelt wurde.

Von wegen friedliche Adventszeit: Der Tathergang

Am Abend des 7. Dezember 2019 machte sich der Angeklagte für seine Nachtschicht fertig. Der Kaffee in der Kanne behagte ihm nicht. Es kam zum Streit mit seiner Lebensgefährtin. Die Kaffeekanne und der Adventskranz gingen zu Bruch. Die Tochter der Lebensgefährtin kam hinzu und beleidigte den Mann. Der ging auf die Tochter los. Die Mutter warf sich dazwischen, wurde umgerempelt und dabei leicht verletzt.

Den heftigen Streit räumte der Angeklagte ein. Verletzen hätte er aber niemanden wollen. Außerdem hätten die Frauen gelogen, so der Angeklagte. Deshalb schlug die Verteidigerin des 53-Jährigen am Donnerstag die Umwandlung der vorsätzlichen in eine fahrlässige Körperverletzung und die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vor. Damit wäre die Strafe vom Tisch gewesen.

Vorstrafen des Angeklagten beeinflussen Urteil

Darauf wollten sich aber weder das Gericht noch der Staatsanwalt einlassen. Vor allem die Vorstrafen des Angeklagten sprächen dagegen, so der Vertreter der Anklage. Zwar war keine Körperverletzung darunter, aber etliche Delikte wie Betrug, Steuerhinterziehung und einige, zum Teil schwere Diebstähle.

Dagegen argumentierte der Angeklagte, dass vor den zwölf Jahren mit seiner Drensteinfurter Freundin „nichts gewesen“ sei und danach auch nicht. Offenbar übersah er, dass einige der Urteile gegen ihn bereits in den Jahren 2004 und 2005 gefallen waren. Er blieb bei der fatalen Beziehung als Ursache seines Unglücks: „Das war nicht die richtige Frau für mich. Die ist bei mir unten durch.“

Nachdem es mit der Verfahrenseinstellung nichts wurde, zog die Rechtsanwältin sich und ihren Mandanten auf eine zweite Verteidigungslinie zurück: Man könnte die Geldstrafe gegen den aktuell arbeitslosen Lkw-Fahrer reduzieren und das erstinstanzliche Urteil ansonsten belassen. Damit konnten sich der Staatsanwalt und die Kammer anfreunden. Die Strafe wurde auf 30 Tagessätze à 25 Euro halbiert. - mam

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