Einzelhandel mehr schützen

„Vieles sinnvoll, einiges ungerecht“: Heinz Gaßmöller setzt auf Lockerungen des Lockdowns

Für Kunden im Lockdown geschlossen: das Einrichtungshaus Möbel Gaßmöller. Heinz Gaßmöller, geschäftsführender Gesellschafter, hofft auf Lockerung oder zumindest Anpassung der derzeit geltenden Corona-Regeln.
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Für Kunden im Lockdown geschlossen: das Einrichtungshaus Möbel Gaßmöller. Heinz Gaßmöller, geschäftsführender Gesellschafter, hofft auf Lockerung oder zumindest Anpassung der derzeit geltenden Corona-Regeln.

Heinz Gaßmöller verkauft auf einer 2 800 Quadratmeter großen Ladenfläche Möbel. Obwohl der geschäftsführende Gesellschafter von Möbel Gaßmöller ausreichend Platz in seinem Einrichtungshaus und ein gutes hygienisches Konzept hat, findet in seinem Laden an der Bürener Straße kein Verkauf statt, denn der Einzelhandel befindet sich im Lockdown.

Drensteinfurt – Mindestens bis Ende dieser Woche – wenn nicht beim Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Mittwochabend Cororna-Lockerungen beschlossen werden.

Während im Drensteinfurter Einrichtungshaus also Besuch und Verkauf nicht erlaubt sind, dürften die Mitarbeiter von Möbel Gaßmöller wie in jedem Handwerksbetrieb jedoch eine Einzelberatung bei den Kunden zu Hause durchführen, berichtet Heinz Gaßmöller. Ein Hygienekonzept, selbst das Tragen einer Maske, sei dann im Haushalt der Kunden nicht erforderlich, sagt er. „Der Lockdown ist vom Prinzip wichtig und richtig, aber er muss an vielen Stellen nachjustiert werden“, erläutert er seine Meinung.

Heinz Gaßmöller räumt ein: „Vieles ist sinnvoll, aber einiges auch ungerecht und wenig nachvollziehbar.“ Dann verweist er auf einen 40-seitigen Prospekt eines ansässigen Discounters und erklärt: „Nur vier Seiten davon sind Lebensmittel.“ Den Discounter, der die Situation erkannt und reagiert hat, indem er sein Sortiment weiter ausbaute, könne er gut verstehen. Den Schuh-, Elektro- oder Bekleidungsgeschäften werde man damit aber nicht gerecht. „Hier muss der Einzelhandel geschützt werden“, findet Gaßmöller, der vier Jahre lang Vorsitzender der Interessengemeinschaft Werbung (IGW) war.

Keine Beratung im Laden, aber bei Kunden

„Warum man Blumen verkaufen darf und Möbel nicht, verstehe ich nicht“, sagt er. Lebensmittel müssen gekauft werden, aber die Menschen stünden in den Geschäften oft dicht beieinander – in seinem Laden wäre mehr Platz für jeden.

Dabei wolle er sich nicht beklagen. Der Bedarf für Möbel sei da, durch Corona sogar verstärkt. „Die Menschen möchten es sich zu Hause schön machen. Statt in den Urlaub zu fahren, ist etwas Neues angeschafft worden“, berichtet Gaßmöller. Nachdem der Lockdown im vergangenen Jahr beendet worden war, stieg sein Umsatz deutlich, sodass er mehr Personal einstellen musste. „Möbel werden weniger im Internet gekauft“, beschreibt er seine Erfahrung: „Die Kunden warten und kommen später.“

Was ihm dadurch verloren gehe, sei die Planbarkeit und Kontinuität. Arbeiten dürfe er ja, Aufträge werden oft für Monate im Voraus angenommen.

Corona-Schutzmaßnahmen für mehr Sicherheit

Unverständlich sei ihm jedoch, dass er als Berater zu den Kunden nach Hause kommen darf. Gemeinsam am Laptop, ohne Abstand und Mundschutz und Desinfektion könne er mit den Käufern planen und beraten. „Bei uns im Laden ist wesentlich mehr Platz, es gilt Mundschutzpflicht, und wir haben ein Hygienekonzept“, versichert er.

Selbst ein kontaktloses Fieberthermometer am Eingang habe man installiert, als noch Kundenbesuche im Möbelhaus erlaubt waren. Desinfektionsspender und Trennschieben sind selbstverständlich.

Corona-Konzept mit Verbesserungspotenzial

Nach dem zweiten Lockdown habe er beim Ordnungsamt um die Genehmigung gebeten, jeweils einen Kunden mit Termin im Laden bedienen zu dürfen. Sein Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, das „sei seitens der Stadt nicht gewünscht“. In Berlin hingegen, so Gaßmöller, sei die Beratung mit vorheriger Terminabsprache erlaubt.

Auch der Einzelhandelsverband fordere eine Lockerung. Er selbst habe sich mit seiner Bitte an die Politiker gewandt. „Henning Rehbaum ist da sehr engagiert, er kann unsere Sorgen nachvollziehen“, lobt er den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten.

Die Bevölkerung habe die Maßnahmen zum Schutz vor Corona bisher gut akzeptiert, schildert Gaßmöller seinen Eindruck, jetzt müssten aber langfristig Perspektiven geschaffen werden. Insgesamt sei er aber froh, in Deutschland zu leben. „Vieles wird richtig gemacht“, findet der Unternehmer, jetzt müsse nur noch an den Stellschrauben gedreht werden, so seine Überzeugung. Man dürfe nicht vergessen, dass niemand mit der Situation Erfahrung habe. Dann prognostiziert er: „Bei der nächsten Pandemie sind wir vorbereitet.“

Langfristige Perspektiven gefragt

Heinz Gaßmöller vertraut auf den Impfstoff. Er ist sicher: „Im Herbst, wenn alle geimpft sind, wird es besser.“ Für den Drensteinfurter Möbelbauer ist die Impfung alternativlos. „Wer sich nicht impfen lässt, muss mit Sanktionen rechnen“, macht er deutlich. Er finde das richtig und praktiziere das auch selbst. „Wenn am Ende des Jahres bei uns eine Prämie ausgezahlt werden kann, bekommen diese nur Mitarbeiter, die geimpft sind“, offenbart er. Es sei gut vorstellbar, dass man ohne Impfung zum Beispiel nicht verreisen oder an großen Veranstaltungen teilnehmen darf, für ihn sei das eine logische Konsequenz.

Am Mittwochabend kommt die Politik zu erneuten Beratungen zusammen. Es sei gut möglich, dass es dann eine Lockerung gebe, hofft Gaßmöller. „Richtig los geht es aber erst nach Ostern“, wirft er einen Blick in die Kristallkugel.

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