Verwaltung in Drensteinfurt soll acht Jahre altes Einzelhandelskonzept fortschreiben

Die Suche nach einer Drogerie für Drensteinfurt bleibt schwierig

Ihr Platz ist bald Geschichte: Nach acht Jahren schließt die Drogeriemarkt-Filiale an der Mühlenstraße.
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Seit Ende April ist Ihr Platz Geschichte in Drensteinfurt: Martina Lammersmann hatte nach acht Jahren den Drogeriemarkt geschlossen. Die Probleme bei der Neuansiedlung eine Drogerie führte im Rat zu Diskussionen über die Drensteinfurter Liste, die dafür sorgen soll, dass Angebote, die für die Innenstadt relevant sind, in die Außengebiete abwandern.

Die Suche nach einer Drogerie für Drensteinfurt bleibt schwierig. Die Drensteinfurter Liste, die den Handel in der Innenstadt vor Ansiedlungen zentrenrelevanter Angebote außerhalb schützen soll, bleibt bestehen. Parallel zur bereits angestoßenen Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts soll die Verwaltung zudem die notwendigen potenziellen Änderungen in den Bebauungsplänen auf den Weg bringen, damit im späteren Abstimmungsprozess alles ineinandergreift. Außerdem soll der Innenstadtbereich ausgeweitet werden. Das entschieden die Ratsmitglieder in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig.

Drensteinfurt - In den Fokus der Politik war die Thematik gerückt, weil sowohl SPD als auch FDP und Grüne entsprechende Anträge gestellt hatten. Ausschlaggebend für den FDP-Antrag war die Schließung des Drogeriemarkts Ihr Platz. „Uns ist wichtig, dass es schnell wieder einen Drogeriemarkt in Drensteinfurt gibt, egal wo er schlussendlich entsteht“, so Burkhard Wieland. Dafür sei es aus Sicht der Partei notwendig, die Drensteinfurter Liste, die 2010 im Zuge des Einzelhandelskonzepts entstanden war, anzupassen, um Hemmnisse zu beseitigen, die eine Ansiedlung verhindern könnten.

Auch die SPD möchte die Lücke, die Ihr Platz hinterlassen hat, schnell wieder geschlossen sehen. Das müsse nicht zwangsläufig in der Innenstadt gesehen, so Fraktionsvorsitzender Ingo Stude. Auch die drei Nahversorgungszentren Bahnhof, An der Breemühle und Kleistraße eigneten sich dafür. Dort ist durch die Drensteinfurter Liste, nach der eine Drogerie ein zentrenrelevantes Angebot ist, nicht möglich.

„Wir haben die Drensteinfurter Liste mal ins Leben gerufen, um das Ladenangebot in der Innenstadt zu schützen. Jetzt haben wir eher das Gefühl, dass sie Ansiedlungen verhindert“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude.

Anders ist die Sicht der Verwaltung. „Wir haben alle ein großes Interesse daran, dass wir wieder eine Drogerie bekommen“, betonte Bürgermeister Carsten Grawunder. „Aber was hier als Hemmnis bezeichnet wird, ist ein Steuerungselement.“ Er warnte davor, dieses Steuerungselement aus der Hand zu geben. Ins gleiche Horn stießen die Grünen. „Die Aufhebung der Drensteinfurter Liste ist gleichbedeutend damit, dass nichts mehr geschützt ist. Die Aufhebung wäre fatal und verkehrt“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bernhard Meyer. Gleichzeitig plädierten die Grünen dafür, die Innenstadt auf das Bahnhofsumfeld und die Anbindung an die heutige Innenstadt zu erweitern. Auch, um die Neubaugebiete adäquat versorgen zu können.

Die Drensteinfurter Liste aufzugeben, wäre gleichbedeutend damit, die Innenstadt sich selbst zu überlassen, argumentierte auch CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Wiewel. „Sie aufzugeben heißt, das Heft aus der Hand zu geben. Dann können wir nicht mehr gestalten.“ Eine Gestaltung sei nur mit einem Einzelhandelskonzept möglich. Dass dessen Fortschreibung acht Jahre her ist, sei nicht schön. Die CDU wünsche sich für die Zukunft eine Fortschreibung in kürzeren Intervallen.

Dass seit der bisher letzten Fortschreibung acht Jahre vergangen sind, sei – wie so vieles – auch der Coronapandemie geschuldet, die zum Beispiel verschiedene Beteiligungen bisher unmöglich gemacht habe, erläuterte Grawunder. „Wir haben schon 2019 erste Gespräche zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts geführt.“

Im Rahmen der Fortschreibung wolle die Verwaltung zusammen mit hinzugezogenen Fachleuten nicht nur die Kaufkraft und die Standorte neu bewerten, kündigte Fachbereichsleiter Christoph Britten an. „Wir überarbeiten auch die Drensteinfurter Liste.“ Das alles werde aber etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Mit diesem Ansatz zeigten sich schlussendlich alle Parteien zufrieden. Die SPD bestehe nicht darauf, die Drensteinfurter Liste abzuschaffen, betonte Stude. Den Sozialdemokraten gehe es darum, mehr Handel in der Stadt möglich zu machen. „Wir freuen uns, dass wir uns da jetzt auf den Weg machen.“

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