Arzt verärgert: Dr. Binsfeld gibt Kassenzulassung zurück

+
Dr. Heinrich Binsfeld gibt seine Kassenlizenz zurück.

Der Drensteinfurter Arzt Dr. Heinz Binsfeld gibt seine Kassenzulassung zurück. Der Mediziner ist verärgert über das „Digitale-Versorgungs-Gesetz“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Drensteinfurt – Alter, Geschlecht, Wohnort, Behandlungen – die Daten der 73 Millionen gesetzlich Versicherten sollen künftig ohne ihr Einverständnis ins Netz gestellt werden. Der Entwurf für das „Digitale-Versorgungs-Gesetz“ von Gesundheitsminister Jens Spahn sorgt für Kritik von Patientenschützern – auch vom Drensteinfurter Mediziner Dr. Heinz Binsfeld. Aus Protest gibt er zum 1. Januar seine Kassenzulassung als fachärztlicher Internist zurück. In einem Brief, den er jetzt all seinen Patienten geschickt hat, erklärt er diesen Schritt.

Seit 30 Jahren sei er inzwischen niedergelassener Arzt. Neben der fachlichen Kompetenz sei ein funktionierendes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ein wichtiges Merkmal guter medizinischer Versorgung. „Hier ist die ärztliche Schweigepflicht eine notwendige Voraussetzung, damit dies funktioniert“, heißt es in dem Schreiben. Diese werde durch das Digitale-Versorgungs-Gesetz ausgehöhlt.

Lesen Sie auch:

Frau an Spahn: „Lieber würde ich öffentlichkeitswirksam sterben“

Mehr digitale Angebote: Ärzte pochen auf Datenschutz

Überraschend: Das ist erlaubt trotz Krankschreibung

Datenschutz untergeordnet

Der jetzige Gesundheitsminister Spahn habe eingeführt, dass Praxen und alle Beteiligten im Gesundheitswesen die Telematik einführen müssen. „Das heißt, alle Daten werden von ärztlichen Praxen, soweit sie sich nicht diesem verweigern, über den Computer in ein virtuelles Netz geschickt, damit alle im Gesundheitswesen Tätigen darauf zurückgreifen können“, heißt es in dem Schreiben. Diagnosen, Medikation und persönliche Daten würden dadurch transparenter.

Auch nach Ansicht der Stiftung Patientenschutz spielt der Datenschutz für Patienten in dem Gesetzes-Entwurf eine untergeordnete Rolle.

Praxen für Nichtteilnahme bestraft

Nach Binsfeld würden die Praxen bestraft, die nicht an dem System teilnehmen, ihnen würden die Honorare gekürzt. Er wolle sich nun nicht mehr den staatlichen Einschränkungen weiter aussetzen und habe daher beschlossen, den fachärztlichen internistischen Kassensitz mit Ende des Jahres 2019 aufzugeben. Seine Praxis bleibe gleichwohl geöffnet, er könne die internistischen Leistungen ab dem 1. Januar 2020 allerdings nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen, sondern nur noch private Rechnungen ausstellen.

Diese Regelung gelte nicht für den Bereich der Schmerzmedizin. Für die Schmerzpatienten werde er auch weiterhin über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen können. Diese Patienten wolle er nicht im Stich lassen, zumal er im Kreis Warendorf der einzige niedergelassene Schmerzmediziner sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare