Unterricht im Lockdown: Schulen gehen unterschiedlich vor – je nach digitaler Ausstattung

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Die digitale Ausstattung der Lambertus-Schule ist gut, sie verfügt bereits seit vergangenem Jahr unter anderem über ein interaktives Whiteboard.

An einen vergleichbaren Zustand wie den „Lockdown“ können sich selbst die ältesten Mitbürger nicht erinnern. Das Coronavirus hat nahezu das ganze wirtschaftliche Leben beeinträchtigt oder sogar lahmgelegt. Besonders betroffen war auch die jüngere Generation.

Drensteinfurt – Die Aussicht auf ein paar schulfreie Tage sorgt normalerweise für frohe Gesichter, doch das wochenlange Schulverbot stellte Schule und Schüler vor eine nie dagewesene Herausforderung. Selbst Landesregierung und Schulamt konnten das anfängliche Chaos nicht verhindern. Jetzt wurden die Bedingungen gelockert und der Schulbesuch unter strengen Auflagen wieder erlaubt. Doch an normalen Unterricht ist dabei im Moment nicht zu denken.

Wie gut es den Schulen gelingt, in der Corona-Pandemie ihrer Verantwortung und dem Bildungsauftrag nachzukommen, berichteten Teamschulleiterin Anja Sachsenhausen und die Leiterin der Grundschule Rinkerode, Jutta Nienhaus, stellvertretend für alle vier Drensteinfurter Schulen im Schulausschuss.

Schule nicht optimal ausgestattet

„Uns war es wichtig, die Anordnung des Schulministeriums zu befolgen“, erklärte Jutta Nienhaus. Dabei musste sich die Rinkeroder Grundschule nach ihrer Ausstattung richten – und die hinkt bekanntlich digital hinterher; obwohl sie seit Anfang des Jahres wenigstens über W-Lan verfügt. Die acht an der Schule vorhandenen iPads befinden sich noch in Lehrerhand.

Arbeitshaltung beibehalten, eigenständiges Lernen, Gelerntes sichern, Lesen, Schreiben und mathematische Grundkenntnisse weiter vermitteln, hatte sich das Kollegium als Ziel gesetzt. „Dabei mussten unsere Anforderungen familienverträglich sein.“ Statt den Computer einzusetzen, beschränkten sich die Lehrer auf Telefon und Briefe.

Schüler mit unterschiedlichen digitalen Voraussetzungen

„Wir haben genutzt, was uns vertraut ist und was wir können“, so Nienhaus. Man habe Lernvideos und Lern-Apps bereitgestellt, auf Videokonferenzen aber bewusst verzichtet. „Wir wissen ja auch nicht, wie die Familien zuhause digital ausgestattet sind“, fügte sie an. Rückblickend stellte sie fest: „Es hat funktioniert. Je länger es dauerte, desto mühsamer wurde das Lernen. Der persönliche Umgang zwischen Lehrer und Schülern hat gefehlt.“

Die Lambertusschule hat gute Erfahrungen mit der Schul-Cloud gemacht.

An der Teamschule habe mit Beginn des „Lockdowns“ eine Aufbruchstimmung geherrscht. „Wir sind, der Stadtverwaltung sei Dank, digital sehr gut ausgestattet und wollten beweisen, was möglich ist“, so Sachsenhausen. Größtes Problem sei der fehlende Lernserver gewesen. Hier habe man provisorisch über einen Anbieter eine Seite eingerichtet, von der die Schüler auf ihre Aufgaben zugreifen konnten. Für die Schüler bedeutete das zwei bis drei Unterrichtseinheiten per Videokonferenz am iPad.

Papierform als Alternative

Lediglich fünf Schüler konnten das Angebot nicht nutzen und bekamen es in Papierform. Eine weitere Gruppe von Schülern, die zunächst gar nicht erreicht werden konnte, habe persönlichen Besuch vom Lehrer bekommen. Das gesamte Kollegium verfügt bereits über eine digitale Grundausbildung. „Es wurde etwas auf den Weg gebracht, was ohnehin schon im Fluss war“, erklärte Sachsenhausen den Erfolg des Unterrichts in Krisenzeiten.

Seit Montag ist die Schule wieder für alle Schüler geöffnet, doch das bedeute nicht, dass jeder Schüler jeden Tag kommen kann. 16 Gruppen können beschult werden, denn nicht mehr als 15 Kinder dürfen sich in einem Raum aufhalten. Darum werde das rollierende Verfahren angewandt.

Einen Tag Unterricht in der Schule

Im Klartext bedeutet das: Jeder Schüler bekommt nur einen Tag pro Woche Unterricht innerhalb der Schule – jeweils an seinem eigenen, mit Namensschild versehenen Platz. Der werde am Abend desinfiziert. Der Bustransfer wurde angepasst. Auf den Besuch der Mensa müssen die Schüler aber bis auf Weiteres verzichten.

Mundschutzpflicht besteht beim Betreten und Verlassen des Gebäudes, aber nicht im Klassenzimmer. Trotz aller hygienischer Maßnahmen sei es schön, wieder Menschen zu sehen. „Wir freuen uns, dass die Schüler wieder kommen dürfen“, versicherte Sachsenhausen.

OB lobt Zusammenarbeit

Auch Bürgermeister Carsten Grawunder zeigte sich zufrieden: „Das war eine große Herausforderung für die Verantwortlichen. Wir haben sie gemeistert, weil Schulen und Schulträger außerordentlich gut zusammengearbeitet haben.“ Dann stellte er fest: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Heinz Töns, Fraktionsvorsitzender der CDU, stellte fest: „Wir wissen die technischen Möglichkeiten für unsere Kinder zu schätzen und haben uns, was die Digitalisierung unserer Schulen betrifft, auf den richtigen Weg gemacht.“

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