Skurrile Begegnungen im Schweigekloster

Till Hoheneneder ist Co-Autor von Fernsehstar Lichter: „Horst und ich können einander alles sagen“

Till Hoheneder hat gemeinsam mit Horst Lichter dessen neues Buch geschrieben.
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Enges Vertrauensverhältnis: Till Hoheneder hat gemeinsam mit Horst Lichter dessen neues Buch geschrieben.

Der Hammer Comedian und Autor Till Hoheneder ist Co-Autor von Horst Lichters neuem Buch. Wie es dazu kam, erklärt er im Interview.

Hamm - Von ihm hätte man es am wenigsten erwartet: Horst Lichter, der Dampfplauderer, Fernsehkoch, „Bares für Rares“-Moderator und Entertainer, geht in ein Schweigekloster. Er begibt sich auf eine Reise in die Stille und zu sich selbst.

In seinem neuen Buch „Ich bin dann mal still – Meine Reise zu mir selbst“ blickt er auf ein Leben voller Erfolge, aber auch voller Schicksalsschläge. Das Buch ist gleich in der Spiegel-Bestseller-Liste auf Platz sieben eingestiegen. Geschrieben hat er das nachdenkliche, aber auch immer wieder sehr lustige Buch gemeinsam mit Till Hoheneder.

Wie kam es zu dem Buch?
Seien wir ehrlich: Horst Lichter selbst hatte nicht die Idee in ein Schweigekloster zu gehen, sondern er wurde von seinem Verlag gefragt, ob er Lust hätte auf dieses Projekt. Und er hat spontan gesagt: „Ja, das mache ich – und ich würde es gerne mit Till Hoheneder scheiben.“
Weil das erste gemeinsame Buch „Keine Zeit für Arschlöcher“ so erfolgreich war?
Das ist bestimmt ein Grund. Das Buch war ein ziemlicher Erfolg. Es stand lange in der Spiegel-Bestseller-Liste. Viel wichtiger war aber für Horst, dass wir ein sehr enges Vertrauensverhältnis haben. Deshalb hat Horst sehr offen und ehrlich mit mir über die Woche im Kloster und was diese Zeit mit ihm gemacht hat gesprochen.
Wie kann man dieses Buch beschreiben? Ist es Comedy, eine Biografie oder ein Ratgeber?
Es hat von allem etwas. Es ist ein Buch von jemandem, der seine Popularität nutzt, um Denkanstöße zu geben.
Schlüsseln wir es mal auf: Der erste Teil, in dem es um seine Zeit im Kloster geht, ist zum Teil Comedy pur – wenn er die Menschen beschreibt, die das Kloster besuchen und die dort arbeiten.
Ich weiß, worauf Sie anspielen: auf die Gurkengretel, wie er eine der Besucherinnen nennt, auf den Zen-Meister mit den schönsten Füßen der Welt, bei den Kursteilnehmer lernen sollen, wie man richtig sitzt ...
... oder wenn Sie beschreiben, wie die Besucher des Schweigeklosters mit Inbrunst stundenlang eine Scheibe putzen oder Unkraut wie mit der Pinzette aus dem Rasen zupfen. Das ist schon sehr lustig.
Ja, und diese Comedyelemente waren Horst auch wichtig, aber alles vor einem ernsten Hintergrund: Die Menschen, die in Orten wie diesem Schweigekloster Hilfe suchen, tun das, weil sie Probleme haben – egal ob es ein Burn-out, Angststörungen oder Depressionen sind.
Was hat Horst Lichter aus der Zeit im Kloster mitgenommen?
Toleranz: Ihm wurde ziemlich schnell klar, dass er dort irgendwie nicht reinpasst, dass die dort gelehrten, oft ans Esoterische grenzenden Methoden nicht zu ihm passen. Aber dass muss ja aber nicht heißen, dass sie anderen Menschen nicht helfen.
Was hat ihm geholfen?
Zu schweigen. Er sagt selbst: „Leute, lasst die Stille zu, guckt in Euch rein, kommt mal runter.“ Das sagt er als jemand, der sehr viel arbeitet.
Horst Lichter ist TV-Koch, Moderator und Autor.
Also ist das Buch doch ein Ratgeber?
Ratgeber allein wäre zu viel. Ja, er möchte Denkanstöße geben, ja, er möchte unterhalten – und ja, das Buch hat natürlich auch biografische Teile: Es handelt von ihm und was ihm widerfahren ist.
Nämlich was?
Dass er die Idee, in ein Schweigekloster zu gehen, so spannend fand, hatte sicher viel damit zu tun, wie es ihm zu dem Zeitpunkt ging: Er musste mal die Zeit anhalten, sich ein paar Tage nur mit sich selbst beschäftigen.
Warum?
Er war beruflich wieder in einem Hamsterrad gelandet. Horst hatte vier sehr erfolgreiche Kochsendungen im Fernsehen gekündigt, darunter „Lafer, Lichter, lecker“ und die „Küchenschlacht“, und sich für ein kleines, zartes Pflänzchen, „Bares für Rares“ entschieden, weil ihm das Konzept so am Herzen lag.
Was macht „Bares für Rares“ denn so besonders?
Dort wird niemand vorgeführt. Horst liebt die Gegenstände, die die Menschen mit in die Sendung bringen, und er interessiert sich wirklich für die Menschen und die Geschichte, die sie über ihre Schätzchen erzählen.
Er sagt in dem Buch über sich selbst: „Ich bin ein Menschenfänger, ein Geschichtenerzähler.“
Genau, und das macht den Erfolg dieser Sendung aus. Allerdings wuchs das zarte Pflänzchen von der Sendung am Sonntagmittag über die tägliche Sendung am Nachmittag bis hin zur Abendshow – und das immer mit top Einschaltquoten. Die Kehrseite des beruflichen Erfolgs: Horst hatte kaum noch ein Privatleben: Er lebte jährlich über 200 Tage im Hotel in Köln weit weg von seiner geliebten Frau und dem geliebten Haus in Baden-Württemberg.
Wäre so ein Besuch um Schweigekloster auch etwas für Sie?
Nein, weil ich ein ganz anderer Mensch bin als er. Horst liebt seine Arbeit, er geht darin auf, und er ist ein sehr optimistischer, fröhlicher Typ. Ich bin eher der Two-Face-Charakter: Es gibt die Bühnenfigur Till und den privaten Till. Und der unterscheidet sich sehr von dem Künstler Till: Ich bin privat sehr ruhig, nachdenklich und selbstreflektiert. Für mich wäre so ein Schweigekloster nichts. Für Horst ja auch nicht, wie sich zeigte. Aber er sagt: „Dass es nichts für mich war, heißt ja nicht, dass es anderen nicht helfen kann.“
Haben Sie denn trotzdem etwas von Horst Lichter gelernt?
Ja, er nennt am Ende des Buchs drei Dinge, die ihm sehr wichtig sind, nämlich Demut, Dankbarkeit und Respekt. Da bin ich ganz bei ihm. Und wir haben eine Seelenverwandtschaft: Horst hat ja die vier Kochsendungen aufgegeben, weil es letztlich nicht mehr passte. Und das gilt auch für mich: Ich habe auch diverse Dinge in meinem Berufsleben beendet, weil es mich nicht mehr befriedigte, nicht richtig lief oder es mir keine Freude mehr machte.
Horst Lichter nennt Sie in seinem Buch explizit seinen Freund. Und das gilt sicher auch für diejenigen, mit denen Sie weitere Bücher geschrieben haben – etwa Atze Schröder, Lisa Feller und Gaby Köster. Könnten Sie auch ein Buch mit oder über jemanden schreiben, mit dem Sie nicht befreundet sind?
Ja, ich denke schon – solange die Zusammenarbeit höflich und respektvoll ist, kann ich mit jedem arbeiten. Ich hatte mal eine Anfrage von einem deutschen Schlagersänger, seine Biografie zu schreiben. Wir haben uns getroffen, das Gespräch war auch sehr nett und höflich – und ich habe am Ende gesagt: Ich glaube, das ist nichts für mich. Vielleicht gibt es jemand anderen, der das besser macht als ich. Ich bin zum Glück in der Situation, dass ich solche Angebote ablehnen kann.
Bei dem Horst-Licher-Buch treffen Sie den Ton genau. Man glaubt beim Lesen, Horst Lichter zu hören. Wie machen Sie das?
Ich bin ja nicht nur Autor, sondern auch Comedian und Parodist. Das kommt mir beim Schreiben zugute. Ich habe ja die Aufnahmen unserer Gespräche auf dem iPhone und die Transkriptionen. Und so habe ich beim Schreiben seinen Sound im Ohr. Horst sagt selbst: „Wenn ich das lese, was du schreibst, höre ich mich selber reden.“
Ihr Name als Co-Autor taucht nicht auf dem Titel, sondern erst im Innenteil auf. Ärgert Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Als Co-Autor musst du dein Ego zurücknehmen. Es geht ja um Horst, ich muss seine Gedanken aufschreiben. Aber das heißt nicht, dass ich nicht vehement nachfrage oder wir immer einer Meinung sind. Horst und ich haben so ein enges Vertrauensverhältnis, dass wir einander alles sagen können.
Gibt es nach diesem Buch mit Horst Lichter denn nun Pläne für ein weiteres Buch?
Ja, ich stehe kurz vor der Unterschrift für das dritte gemeinsame Buch mit Atze Schröder. Nach den Romanen „Und dann kam Ute“ und „Der Turbo von Marrakesch“ soll jetzt als drittes Buch seine Biografie erscheinen.

Das Buch:

Horst Lichter: Ich bin dann mal still – Meine Suche nach der Ruhe in mir. Knaur Balance, 202 Seiten, 18 Euro.

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