Tiefenentspanntes Grunzen: Ehepaar May aus Ameke hält Schweine nach Bio-Standard

Ehepaar Simona und Carl-Hendrik May in einem der Strohställe.
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Glückliche, Schweine, glückliche Halter: Ehepaar Simona und Carl-Hendrik May in einem der Strohställe.

Ameke – Vor zwei Jahren entschied sich Carl-Hendrik May, auf seinem Hof ein Hühnermobil anzuschaffen. Die Nachfrage nach den Eiern der Hühner aus der „Freilandhaltung plus“ war so groß, dass der Landwirt weitere Hühnermobile anschaffte.

Jetzt haben bei gleich hohem Tierwohlstandard 120 Schweine in Strohställen Einzug gehalten. Dazu eröffnen Simona und Carl-Hendrik May am kommenden Wochenende einen kleinen Hofladen. Hier werden sie regionale, saisonale Produkte von hoher Qualität verkaufen.

Als Carl-Hendrik May 2018 auf die mobile Freilandhaltung seiner Hühner umstieg, wusste er nicht, ob die Nachfrage die Mehrarbeit- und kosten rechtfertigte. Schnell habe das Käuferverhalten gezeigt: Der Schritt war richtig. Die Kunden seien interessiert an nachvollziehbarer, regionaler Tierhaltung, so der Eindruck des Landwirts.

„Weil es den Hühnern dabei so gut ging, haben wir unsere bisherige Schweinehaltung infrage gestellt“, berichtete Simona May über erste Überlegungen. Als dann auch noch in dieser Richtung Kundennachfragen kamen, wurde aus der Idee ein Plan. Seit 2015 halten Mays ihre Tiere nach Tierwohlstandard, jetzt sind die Schweine nach Bio-Standard untergebracht.

Konkret bedeutet das doppelt so viel Platz wie bei konventioneller Haltung. Für jedes Tier stehen 1,5 Quadratmeter zur Verfügung. Die Schweine stehen auf Stroh, das System ist so ausgeklügelt, dass in einem Teil des Stalles immer sauberes Stroh vorhanden ist. Die Schweine im Strohstall auf Hof May werden auch nicht kastriert und besitzen alle einen kleinen Ringelschwanz. Sie wirken neugierig, lebendig und tiefenentspannt, Aggressivität oder angeknabberte Schwänze findet man nicht.

Neugierig: Sämtliche Schweine auf dem Hof May in Ameke haben noch ihr Ringelschwänzchen, auch die Ferkel werden nicht kastriert.

Carl-Hendrik May lehnt Kastration ab

Anders als andere Landwirte lehnt Carl-Hendrik May die Kastration ab. „Ich glaube an den Eber“, gibt er zu und erklärt, dass die Ferkel normalerweise kastriert werden, um der Gefahr zu entgehen, dass die Gerüche des Ebers ins Fleisch übergehen.

Der Ameker Landwirt vertraut nach siebenjähriger Erfahrung darauf, dass es dazu bei guter Haltung und gutem Futter nicht kommen wird. Beim Ankauf der Ferkel vermeidet er lange Wege und kauft diese bei Stefan Gerkamp in Hamm-Heessen. Mit ihm pflege er eine offene Kommunikation, der kurze Weg sei für die Tiere stressfrei.

Gleiches gilt für die Schlachtung. Die Tiere vom Hof May werden nicht in großen Schlachthäusern geschlachtet, sondern im kleinen Betrieb der Landmetzgerei Goeke. Hier werden die Tiere auch zerlegt, ehe sie zum Verkauf und der Weiterverarbeitung wieder zurück nach Ameke kommen.

Hoher Mehraufwand an Arbeit und Zeit

Für das Ehepaar bedeutet die neue Haltung der Tiere einen hohen Mehraufwand an Arbeit und Zeit, dazu riesige Investitionskosten. „Der Handel bezahlt diesen Mehraufwand nicht“, erklärt der Ameker Familienvater. Jetzt wird sich herausstellen, ob den Kunden die Qualität des Fleisches und das Wohl der Tiere auch mehr Geld wert ist.

„Preislich bewegen wir uns knapp unter Bio-Preis-Niveau“, so der Landwirt. Er ernährt die Tiere zwar nicht mit Biofutter, setzt aber auf regionales Futter. Sein Ziel sei, nur Futter ohne Genveränderung zu erwerben. Zusätzlich werden die Tiere mit Raufutter wie Stroh, Heu und Mais versorgt, denn der Landwirt weiß: „Nur von gesunden Tieren bekommt man am Ende gutes Fleisch.“

Angst vor der Afrikanischen Schweinepest haben Mays nicht, aber sie betrachten sie mit Sorge. „Wir betreiben eine ähnliche Vorsorge, wie es im Moment für Corona gilt“, teilt der Landwirt mit.

Die Familie May – neben Carl-Hendrik und Simona May gehören auch noch die drei Kinder Malena, Levi und Marietta dazu – möchten ihren landwirtschaftlichen Betrieb auf den drei Säulen gute Produktqualität, Regionalität und hoher Tierwohlstandard führen.

Und sie sind für Transparenz in der Landwirtschaft: „Bei uns kann jeder Kunde zu jeder Zeit die Schweine in ihren Ställen sehen“, versichert Simona May. Die Hühner picken und scharren für jedermann sichtbar auf der großen Wiese rund um das mobile Hühnerhaus.

Demnächst sollen es 3000 Hühner sein

Zurzeit sind es 2000 Hühner, mit der Fertigstellung des dritten Hühnermobils ab November werden es dann 3000 Hühner sein. Mehr Hühner sollen es aber nicht werden.

Im Hofladen werden neben Eiern, Grillpaketen, traditionellen Wurst- und Fleischwaren, Suppenhühnern, Brot, Kuchen und Plätzchen und selbst gemachter Marmelade auch Produkte anderer lokaler Anbieter verkauft. „Die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten gut zusammen“, lobt May. So gehört Gemüse vom Bioland-Hof Angenendt, Liköre von Theo Brüggemann, Wild von örtlichen Revieranbietern, Kartoffeln von Bauer Stratmann aus Ahlen und Honig aus der Region dazu.

Eigenes Obst gibt es im Moment auch noch nicht, dass muss ebenfalls regional zugekauft werden. „Die Bäume sind aber bereits angepflanzt und sie wachsen schon“, verrät May schmunzelnd. Damit ist das Ende aber noch nicht erreicht. „Wir wollen uns anhand der Nachfrage der Kunden entwickeln“, erklärt Simona May. Über eines müssen sich die Kunden aber klar sein: „Wir sind kein Supermarkt, denn wir bieten unsere Produkte saisonal an und da ist nicht immer alles verfügbar.“

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