Tempo 30 gefordert

Besorgte Eltern verärgert über Raser auf Walstedder Dorfstraße

Eltern und Kinder warten, um die Dorfstraße in Walstedde überqueren zu können
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Eltern und Kinder warten, um die Dorfstraße in Walstedde überqueren zu können.

Drensteinfurt – Die brisante Verkehrssituation in Walstedde, speziell auf der Dorfstraße und auf dem Kerkpatt, war jetzt Thema im Rat.

Besorgte Eltern waren an die CDU herangetreten, die den Antrag rechtzeitig für die Sitzung formulierte. Darin fordert die Union eine Überquerungshilfe auf der Dorfstraße in Höhe der Einmündung Kerkpatt/Gaststätte Höhne in Form eines Zebrastreifens oder einer Fußgängerampel, um den Schulweg der Kinder sicherer zu machen. Die SPD fordert in einem erweiterten Antrag zusätzlich den Ausbau eines verkehrsberuhigten Kerkpatts.

Erste Messergebnisse der Stadt hatten alarmierende Erkenntnisse gebracht. Nicht nur die Menge der Fahrzeuge überraschte, auch die gefahrene Geschwindigkeit. Der schnellste Fahrer in der Messwoche hatte 104 Kilometer pro Stunde (km/h) auf dem Tacho, statt der erlaubten 30 km/h.

Nora Kiesel und Ute Schilp hatten mit einer Petition per Facebook und auf Papier, die bereits von 200 Bürgern unterschrieben wurde, auf die Situation der Schulkinder aufmerksam gemacht. Für die im Bereich Sonnenwiese/Kernbrock/Kerkpatt wohnenden Schulkinder gehört die Überquerung der Dorfstraße in Höhe der Gaststätte Höhne zum ausgewiesenen Schulweg. „Hier ist es einsehbar und es gibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h“, erklärt Nora Kiesel. Doch 30 km/h fahre kaum einer, zusätzlich verhinderten Parkbuchten und parkende Autos oftmals die Sicht, erklärt sie weiter. Beinahe-Unfälle habe es bereits mehrere gegeben, berichten die besorgten Mütter.

Eine Alternative gebe es nicht. Auch der Kerkpatt berge Gefahren. Statt eines Gehweges gebe es lediglich einen Streifen Splitt. Schulkinder mit Rollern nutzen die Straße, die viele Schlaglöcher aufweise, die mit Regenwasser gefüllt eine zusätzliche Gefahr darstellten.

Obwohl die Eltern die Selbstständigkeit der Kinder fördern wollen, wechseln sie sich seit Beginn des neuen Schuljahres beim Schülerlotsendienst ab, da sie das Risiko, dass eines ihrer Kinder auf dem Schulweg an der Dorfstraße Opfer Unfalls wird, nicht eingehen wollen.

Eine verdeckte Verkehrsmessung untermauerte die Schilderungen der besorgten Eltern: Über einen Zeitraum von sechs Tagen wurde eine durchschnittliche Fahrzeugfrequenz von täglich 1 931 Fahrzeugen gemessen, am Spitzentag waren es sogar 2 366 Pkw. 85 Prozent der Fahrer überschritten die zulässige Geschwindigkeit um mindestens 53 Prozent. „Das ist viel zu schnell“, stellte Bürgermeister Carsten Grawunder am Montagabend fest und verdeutlichte: „Das ist, als ob man auf einer Landstraße statt 100 km/h gut 153 km/h fährt.“ Durch die höhere Geschwindigkeit verlängere sich der Anhalteweg deutlich. „Dass ein Fahrer mit 104 km/h durch die Dorfstraße gefahren ist, ist schwer vorstellbar“, sagte Grawunder. Auch die eingeschränkte Sicht durch parkende Fahrzeuge habe sich bei der Vor-Ort-Besichtigung bestätigt.

„Schulwege müssen in allen Ortsteilen sicher sein“, unterstrich Heinz Töns (CDU). „Die Aussage über Unfallhäufigkeit von Kreis oder Polizeibehörde wollen wir nicht hören. Wir wollen agieren, bevor Unfälle passieren“, machte er deutlich. An der Dorfstraße müsse schnell etwas passieren.

Erstaunt über das hohe Verkehrsaufkommen zeigte sich Maria Tölle von den Grünen. „Das ist eine Menge Verkehr für den kleinen Ort, da stellt sich die Frage, wer alles durch das Dorf fährt.“ „Woher die Autofahrer kommen, ist egal, sie müssen sich alle an die Geschwindigkeit halten“, so die Meinung Grawunders.

Waltraud Angenendt (Die Grünen) vermutete die Ursache des hohen Verkehrsaufkommens in der hohen Frequenz der Besucher von Haus Walstedde. Ihr Vorschlag: Haus Walstedde könnte versuchen, einen Teil des K&K- Parkplatzes zu mieten. Damit würden etliche Autos erst gar nicht ins Dorf fahren. Die Wege seien ja nur kurz.

Sonja Berstermann-Kowalke (FDP), die selbst in Walstedde wohnt, berichtete: „Die Gehwege an der Dorfstraße sind zu klein, Radwege gibt es nicht. Wenn Lkw die Straße nutzen, sei es brandgefährlich.“ In Höhe Northoff sei die Gefahr besonders groß.

Alfons Krellmann (CDU) sah eine weitere Gerfährdung durch die erlaubten 100 km/h auf dem Kerkpatt vor dem neuen Baugebiet Sonnenwiese. „Die Anwohner wünschen sich auf dem Kerkpatt eine Begrenzung auf 50 km/h, damit Autofahrer nicht mit 100 km/h in den Ort reinfahren“, informierte er. Ginge es nach dem CDU-Politiker, müsste die ganze Verkehrssituation im Dorf neu überdacht werden.

Aufgrund der hohen Frequenz der Fahrzeuge und der nicht eingehaltenen Geschwindigkeit versprach der Bürgermeister: „Ich gehe mit klaren Forderungen auf den Landrat zu.“ Wenn man wolle, dass Menschen zu Fuß gehen, müsse der Weg auch sicher sein.

Er sei zuversichtlich, dass der Landrat ein offenes Ohr haben und sich auch nach der Wahl schnell der Sache annehmen werde, um mit dem Kreis eine Lösung zu finden. Auf diese Weise entgehe man der Gefahr, dass der Antrag im Straßenverkehrsamt liegen bleibt.

Am Ende waren sich alle Parteien einig, die Schulwegsicherheit zu verbessern, eine Überquerungshilfe auf der Dorfstraße zu beantragen und am Kerkpatt bauliche Maßnahmen zu ergreifen.

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