Bilder und Schrift auf nackter Haut: Melanie Dircks ist mit ihrem Tattoostudio gut durch Corona-Pause gekommen

Sicherheit geht vor – nicht nur in Corona-Zeiten: Melanie Dircks alias Melle (rechts) trägt in ihrem Tattoostudio genau wie ihr Stammkunde Fabio Reis De Sousa eine Maske. Er lässt am Dienstagvormittag einige Stellen an seinem Tattoo nacharbeiten. Der 29-Jährige ist ein Stammkunde. Sein Ziel ist es, erst mal den gesamten linken Arm zu verzieren. Sein erstes Tattoo hat er sich mit 18 Jahren selbst gestochen.
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Sicherheit geht vor – nicht nur in Corona-Zeiten: Melanie Dircks alias Melle (rechts) trägt in ihrem Tattoostudio genau wie ihr Stammkunde Fabio Reis De Sousa eine Maske. Er lässt am Dienstagvormittag einige Stellen an seinem Tattoo nacharbeiten. Der 29-Jährige ist ein Stammkunde. Sein Ziel ist es, erst mal den gesamten linken Arm zu verzieren. Sein erstes Tattoo hat er sich mit 18 Jahren selbst gestochen.

Ein Tattoostudio erwartet man in großen Städten, nicht aber in einer Kleinstadt wie Drensteinfurt. Und doch befindet sich, ein bisschen versteckt, mitten in der Innenstadt am Westwall der kleine Laden „Hopplas Tattoo- und Piercingstudio“. Nach zweimonatiger Corona-Pause darf Inhaberin Melanie Dircks seit Anfang Juni wieder Tattoos stechen. Mittlerweile hat sie die vielen verschobenen Termine nachgearbeitet.

Drensteinfurt – Melle, wie die junge Tätowiererin genannt wird, wohnt in und stammt aus Drensteinfurt. Zum eher untypischen Beruf kam sie per Zufall. „Als Kind habe ich schon gerne gemalt und ich bin auch wohl künstlerisch begabt“, erklärt sie, doch an den Beruf des Tätowierers hat sie zunächst noch nicht gedacht und eine Lehre als Fliesenlegerin angefangen.

Zum Tätowieren kam sie, als sich Bekannte eine Tattoo-Maschine bei Ebay kauften und nicht zusammenbauen konnten. Weil sie handwerklich geschickt sei, habe man ihr die Maschine anvertraut. Der Zusammenbau war kein Problem, erzählt sie. „Am Abend habe ich mir mein erstes Tattoo gestochen“, erinnert sie sich. Das war 2014, seitdem steht in schönen Buchstaben der Schriftzug „Dance like Nobody‘s Watching“ auf ihrem linken Unterarm.

Learning by doing

Weil alles so gut geklappt habe, folgten einige weitere Tattoos. Als sie die Bilder ihrer Kunstwerke mit Freunden teilte, bekam sie schnell Anfragen. So sammelte sie erste Erfahrungen. „Learning by doing“ war ihre Devise. Dazu studierte sie alles, was sie im Internet über die Technik fand, informierte sich über Farben, die auf speziellen Internetseiten gelistet sind, denn in ihrem Studio finden nur Farben Verwendung, die dem EU-Standard entsprechen. Als nächsten Schritt absolvierte sie Praktika in verschiedenen Tattoostudios, um weitere Praxis zu bekommen und die genauen Abläufe zu erlernen.

„Die eigentliche Technik war aber für mich nie ein Problem“, sagt sie. Während der Beschäftigung in fremden Studios verdiente sie als selbstständig Beschäftigte schon erstes Geld.

Das Tattoo als Accessoire

2015 meldete sie ein Gewerbe an; seitdem bietet sie ihre Kunst auch auf entsprechenden Messen an. Im Juni 2019 eröffnete sie ihr eigenes Studio in Stewwert, und das Geschäft läuft gut. „Ich habe einen eigenen Kundenstamm und der ist gut zufrieden“, sagt sie. Ihre Kunden sind bunt gemischt. Von 16 bis 70 Jahren, erzählt sie. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, Minderjährige tätowiert sie allerdings nur mit Erlaubnis der Eltern. Wenn die Kunden – der Anteil von Männern und Frauen halte sich die Waage – kommen, hätten sie fast immer eine konkrete Idee. Dann erstelle sie einen Vorentwurf. Wenn der gefällt, kann es losgehen.

Die Frage, warum sich Menschen tätowieren, kann sie schnell beantworten. „Weil es gefällt“, sagt Melle schlicht. Ein Tattoo sei ein Accessoire – aber eines, das bleibt. Manche verarbeiten etwas mit dem Tattoo, vielleicht den Tod eines geliebten Menschen, andere wollen ihren Freund oder ihre Freundin verewigt wissen. Davon rate sie aber ab, vor allen Dingen bei jungen Menschen oder frischen Beziehungen. Auch den Trend des „Black out Tattoos“, einfach eine schwarze Fläche zu tätowieren, findet sie selbst nicht schön. Gefällt das dem Träger später nicht mehr, könne man höchstens mit einem „Cover up“ helfen, das heißt in diesem Fall ein helles, neues Tattoo stechen.

Geduld ist gefragt

Vor dem eigentlichen Tätowieren kommt die Rasur, denn Härchen stören und könnten später zu Entzündungen führen. Geht es mit dem Stechen los, müssen die Kunden schon etwas Geduld mitbringen. 30 Minuten dauert zum Beispiel eine kleine Blume, viele Stunden größere Motive. „Ab vier Stunden fängt es an, wehzutun“, erklärt Melle, darum steche sie niemals mehr als fünf oder sechs Stunden.

Ist die Behandlung abgeschlossen, müssen die Kunden die Pflegehinweise beachten. Rund 14 Tage dauert es, bis die Wunde bei kleinen Tattoos verschlossen ist, bei größeren Tattoos könne es bis zu acht Wochen dauern. Solange sollte das Schwimmen in Gewässern (Keime) oder Schwimmbad (Chlor) vermieden werden, damit es nicht zu Entzündungen kommt.

Jede Menge Erfahrung: Melanie Dircks führt seit 2019 „Hopplas Tattoo- und Piercingstudio“ in Drensteinfurt. Schon seit fünf Jahren bietet sie ihre Kunst auch auf entsprechenden Messen an.

Tattooentfernung

Was ist, wenn einem das Tattoo nicht mehr gefallen sollte? „Tätowierer dürfen es nicht entfernen, bis jetzt habe ich noch einen Fachmann an der Hand, der die Berechtigung durch Schulungen erworben hat“, informiert sie. Ab dem kommenden Jahr dürfen nur noch Ärzte Tattoos entfernen.

Piercings gibt es auch in „Hopplas Tattoo Studio“. „Die mache ich aber nicht, sondern meine Partnerin und Angestellte Marina Kohlstedde“, berichtet sie und fügt stolz hinzu: „Sie hat eine Schulung absolviert und als Beste abgeschlossen.“ Eine Schulung sei wichtig, damit nicht Nervenbahnen getroffen werden und es zu Schäden kommt. Darum würden sie auch „Bridge Piercings“ an der Nasenwurzel zwischen den Augen nicht anbieten. „Das ist zu gefährlich“, findet sie. Um die Zukunft macht sich die Tätowiererin keine Sorgen. „Ich habe Kunden von Bayern bis Hamburg, denn Tattoos stechen ist Vertrauenssache.“

Hoher Hygienestand schon vor Corona

Die Corona-Pandemie hat auch Melanie Dircks getroffen. Zwei Monate durfte sie in ihrem Laden am Westwall, „Hopplas Tattoo- und Piercingstudio“, gar nicht arbeiten. „Ich war dankbar, dass ich die Soforthilfe bekommen habe“, betont die 28-Jährige. Mit den neuen Corona-Bestimmungen habe sich für sie aber nicht viel geändert. „Der Hygiene-Standard ist sowieso hoch“, sagt Dircks.

Jetzt komme noch der Mundschutz hinzu und bei Tattoos im Gesicht das Face Shield (das Gesichtsvisier) und die FFP2-Maske mit dem höheren Sicherheitsstandard. Handschuhe, Unterarmschutz und regelmäßige Desinfektionen sind ohnehin Standard.

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