Herzblut und Leidenschaft

Tagesmütter im Lockdown: Normalität kehrt noch längst nicht wieder ein

Kinderbetreuung in Corona-Zeiten: Tagesmutter Melanie Scharf-Fuhr versucht, den den Kontakt zu anderen Menschen zu reduzieren.
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Kinderbetreuung in Corona-Zeiten: Tagesmutter Melanie Scharf-Fuhr versucht, den den Kontakt zu anderen Menschen zu reduzieren.

Vom Corona-bedingtem Lockdown waren auch die Tagesmütter betroffen. Zu Beginn des ersten Lockdowns durften sie für zweieinhalb Monate keine Kinder betreuen.

Drensteinfurt – Eine der Tagesmütter ist Melanie Scharf-Fuhr. Mit viel Herzblut und Leidenschaft ist sie seit mehr als zwei Jahren für Kinder da, wenn beide Elternteile berufstätig sind.

Seitdem die Kindergärten wieder geöffnet haben, dürfen auch die fünf Tageskinder wieder zu ihr kommen. Normalität ist aber noch längst nicht eingekehrt.

Kontakte wegen Corona reduzieren

Noch vor Corona konnte Melanie Scharf-Fuhr „ihre Kinder“ in den Wagen packen, zum Pferdehof spazieren, um sie auf dem Pony reiten zu lassen. An schönen Tagen fuhren sie schon mal in den Tierpark, oft traf sie sich mit anderen Tagesmüttern und deren Kindern. Heute geht das alles nicht mehr. „Ich versuche, so viel wie möglich den Kontakt zu anderen Menschen zu reduzieren“, berichtet sie. Und das praktiziert sie nicht nur während der Betreuung, sondern auch in ihrem Privatleben.

„Ich habe eine Verantwortung, nicht nur den Kindern gegenüber, sondern auch den Eltern“, sagt sie. So beschränkt sie ihre Kontakte auf das Notwendigste. Von 7 Uhr bis um 15 Uhr sind die fünf Kinder im Alter von eineinhalb bis zweieinhalb Jahren bei der 41-Jährigen in der Betreuung. Seit Corona nimmt sie die Kinder an der Haustür in Empfang. Die Eltern dürfen nicht ins Haus.

Weniger kranke Kinder

Wenn alle Kinder da sind, wird gefrühstückt. Zu diesem Zeitpunkt hat die Walstedderin nicht nur ihre eigenen drei Kinder versorgt, sondern auch das Spielzeug der Kinder desinfiziert. „Rund eine Stunde Mehraufwand habe ich durch die Corona-Auflagen“, berichtet sie. Zur Corona-Hygiene gehört es, das gesamte Spielzeug, Bücher, Regale, Stühle und Tische nach und vor der Betreuung zu desinfizieren. Die Kinder haben im ausgebauten Keller ihren eigenen Bereich. „Seit Corona trenne ich Betreuung und Familie“, sagt sie.

Über die Hygieneregeln wurde sie vom Kreis per E-Mail informiert. Bei Nachfragen durfte sie sich an ihre Fachbetreuung wenden. Die Hygieneregeln hält die Tagesmutter akribisch ein; allerdings mit Mundschutz arbeitet sie bei „ihren Kindern“ nicht. „Die Gestik und Mimik ist gerade in diesem Alter besonders wichtig“, findet sie. Positiv aufgefallen sei ihr, dass die Kinder in den letzten Monaten viel weniger krank seien. „Das liegt möglicherweise an den wenigen Kontakten“, überlegt sie. Unter anderem dürften Spiel- und Sportgruppen nicht stattfinden.

Kinder und Eltern passen sich an

Statt Ausflügen wird jetzt mehr gebastelt und viel gespielt, bei schönem Wetter macht sie allein mit den Kindern kleine Spaziergänge. Das Mittagessen wird frisch gekocht und nach dem Essen ist Mittagsschlaf angesagt.

Melanie Scharf-Fuhr ist froh, dass die Eltern alles so gut mittragen. „Die Eltern sind absolut verständnisvoll“, schwärmt sie. Schade findet sie, dass die Treffen mit anderen Tagesmüttern und Kindern im Kulturbahnhof nicht stattfinden können. „Der Austausch war gut und wichtig“, meint sie.

Vor- und Nachteile der Tagespflege

Nur einmal habe man sich abends ohne Kinder getroffen. Für die Eltern ist die Tagespflege wichtig, glaubt die dreifache Mutter. So eine kleine Gruppe habe viele Vorteile. „Alles ist ruhiger, ich kann individuell auf die Kinder eingehen, geplante Ausflüge verschieben, wenn es einem Kind nicht gut geht und ich habe viel Zeit für das einzelne Kind“, zählt sie auf.

Den einzigen Nachteil der Tagespflege will sie aber auch nicht verschweigen: „Wenn ich krank bin, habe ich keine Vertretung, aber im letzten Jahr bin ich zum Glück nur an acht Tagen ausgefallen“, stellt sie fest. Die meisten Eltern regelten das dann innerhalb der Familie, im Notfall werde ihnen vom Kreis eine andere Tagesmutter zugewiesen.

Melanie Scharf-Fuhr hat beim Mütterzentrum in Beckum die Qualifikation als Tagesmutter erworben. Jetzt wird sie eine Zusatzausbildung absolvieren, um zukünftig auch behinderte Kinder betreuen zu dürfen.

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