Messer-Attacke in Ameke: Täter kommt in psychiatrisches Krankenhaus

Drensteinfurt - Das Urteil ist gesprochen: Der Asylbewerber, der einen Mitbewohner im Ameker Flüchtlingsheim lebensgefährlich verletzte, kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Damit beendete die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Münster am Mittwoch die juristische Aufarbeitung der Tragödie, die sich am 18. Dezember 2014 in Ameke ereignet hatte. Der Kammervorsitzende Michael Skawran nahm sich viel Zeit, um das Urteil zu begründen. Zunächst skizzierte er einige Lebensstationen des Beschuldigten. Der Tunesier sei 2011 als Bootsflüchtling in Italien gelandet und weiter in die Schweiz gegangen. Nachdem dort sein Asylantrag abgelehnt wurde, ging er nach Marseille, wo er im März 2012 zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

Grund war eine gefährliche Körperverletzung, die er möglicherweise schon unter Verfolgungswahn begangen hatte. Im Juli 2014 wurde er entlassen und kam nach Ameke. In dem Prozess, so der Richter, sei es nicht um eine mögliche Strafe gegangen, sondern um die Feststellung der Schuldfähigkeit des Täters. Und die sei wegen dessen seelischer Erkrankung zum großen Teil, wenn nicht gar komplett auszuschließen. Das Gericht berief sich dabei auf die Aussagen mehrerer Zeugen und auf das Gutachten des erfahrenen Psychiaters Prof. Norbert Leygraf. Wiederholt hatte der Beschuldigte in Ameke seine Angst geäußert, dass ihn die dort lebenden Schwarzafrikaner im Auftrag der französischen Drogenmafia umbringen wollten.

Nach einem ersten gewalttätigen Streit am 10. Dezember 2014 kam es acht Tage später zu der folgenschweren Auseinandersetzung, bei der der Tunesier einen Asylbewerber aus Guinea lebensgefährlich mit dem Messer verletzte. Das Opfer habe die Tat nur mit großem Glück überlebt und leide heute noch körperlich und seelisch massiv unter den Folgen, so Richter Skawran. Die Aggression sei eindeutig von dem Tunesier ausgegangen. Er habe nicht in Notwehr gehandelt, wie dessen Verteidiger Oliver Eckert in seinem Plädoyer ausgeführt hatte. Vielmehr habe er den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen. Die Tatbestände der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags sah das Gericht deshalb als erwiesen an. Auch später in der JVA Münster habe sich der Beschuldigte weiterhin krankhaft bedroht gefühlt.

Nach seiner Überführung in die forensische Klinik Eickelborn sei er zwar ruhiger geworden. Der Verfolgungswahn dauere allerdings auch dort an. Und weil sich der Mann nicht behandeln lassen wolle, könnte er jederzeit wieder gewalttätig werden, sobald er den beschützten Raum eines Krankenhauses verlasse. Mit seinen letzten Worten wandte sich der Vorsitzende direkt an den tunesischen Flüchtling: „Dafür dass Sie krank sind, können Sie nichts. Deshalb haben wir Sie hier auch nicht bestraft. Aber ihre einzige Chance besteht, darin, Ihre Krankheit einzusehen.“ Solange er sich nicht mit geeigneten Medikamenten behandeln lasse, könne man ihm nicht helfen und er bleibe eine große Gefahr für die Allgemeinheit. Gegen das Urteil ist keine Berufung möglich. - mm

Rubriklistenbild: © dpa

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