Im Stewwert brummt und summt es 

Drensteinfurt – Das Insektensterben geht immer weiter voran und deshalb hat sich auch die Stadtverwaltung von Drensteinfurt im Jahr des Artenschutzes dieses Problems angenommen. „Auf den städtischen Grünflächen sind 17 Blühwiesen angelegt worden“, erklärt der Umweltbeauftragte Hans-Ulrich Herding. Sie nehmen zusammen eine Fläche von 4660 Quadratmetern ein.

Dazu kommen vier kleinere Flächen von insgesamt 510 Quadratmetern, auf denen einfaches, buntes Wildblumensaatgut gesät worden ist. Und es gibt noch einige Flächen, die bewusst brachliegen gelassen werden. „Hier siedeln sich von selbst Wildblumen an“, so Herding. Ziel all dieser Maßnahmen ist, Insekten wie Schmetterlingen und Wildbienen wieder natürlichen Lebensraum zu bieten.

Im Rahmen des Projekts „8Plus summt auf“, bei dem auch Drensteinfurt mit von der Partie ist, wird die Verwaltung ab September die „Regiosaat-Mischung“ des Naturschutzbundes auf allen 17 Blühflächen einsäen lassen. Diese Saatmischung ist zwar etwas weniger bunt als die jetzige, dafür aber wesentlich wertvoller für die Insekten, da nur einheimische Pflanzen verwendet werden.

„Unsere Insekten sind seit Jahrtausenden an die regionalen Pflanzen angepasst“, erklärt Dr. Berit Philipp vom Nabu. Die Regiosaat stammt von Pflanzen aus der Region und wird auch in der Region gezogen, erklärt sie.

Durch das Einsäen der Saatmischungen sollen die verschiedensten Insekten geschützt werden – mit Erfolg. Auf den Blüten der Pflanzen in den Drensteinfurter Blühflächen sind mittlerweile die unterschiedlichsten Tiere zu finden. „Die Insekten nehmen die Flächen dankbar an“, erklärt die Biologin. „Man muss sich mal Zeit nehmen und nah an die Blühwiesen herantreten, es ist faszinierend, wie es dort summt und brummt“, ergänzt Herding.

Blühwiesen von Drensteinfurt

Dank der Regiosaat sollen es in Zukunft noch mehr Insekten werden. Vor allem die Wildbienen sollen durch die neue, spezielle Pflanzenmischung angelockt werden. „Gerade Wildbienen haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert“, erläutert Herding. Manche fliegen ausschließlich die Glockenblume an, andere nur bestimmte Disteln. Und genau diese Pflanzen sind auch in der Regiosaat-Mischung enthalten. Eben Pflanzen, die in unserer Region vorkommen wie Kamille, Scharfgabe, Klatschmohn, Kornblumen und viele andere.

„Wir wollen die Wildbienen schützen“, erklärt der Umweltbeauftragte der Stadt Hans-Ulrich Herding. Denn diese seien besonders vom Aussterben bedroht – im Gegensatz zur Honigbiene, ergänzt Philipp.

Zusätzlich zu den speziellen Pflanzen benötigen die Wildbienen offene Bodenflächen, um ihre Eier abzulegen. Deshalb sollen zusätzlich noch einige Streifen an den Blühflächen mit Sand aufgefüllt werden, um die Brummer beim Nachwuchs zu unterstützen.

Geplant ist der erste Versuch an der Wiese am Drensteinfurter Bahnhof hinter den Parkplätzen in Richtung Gasthaus Averdung. Dort soll die Kombination aus heimischen Pflanzen und geeignetem Boden die Wildbienen anlocken. Zusätzlich werden an den jeweiligen Flächen Schilder aufgestellt, um die Stewwerter auf die Blühwiesen aufmerksam zu machen.

Im nächsten Jahr plant die Stadt gemeinsam mit dem Nabu Führungen anzubieten, bei denen der Nutzen der Blühflächen und der einzelnen Pflanzen erklärt werden soll. Nach drei Jahren endet zwar das Förderprogramm „8Plus summt auf“, das ist aber nicht das Ende der Bemühungen um Lebensraum für Insekten. „Wir erarbeiten ein nachhaltiges Konzept und das bleibt dann“, betont der Umweltbeauftragte.

Denn: Die Blühwiesen der Stadt – und auch die Blühstreifen, die Landwirte am Rand ihrer Felder angelegt haben – helfen nicht nur Schmetterlingen und Wildbienen. Die Insekten sind Nahrungsquelle für viele Vögel.

Auch die Drensteinfurter selbst können einiges unternehmen, um unseren Insekten zu helfen, sagt die Biologin Dr. Berit Philipp. Ihr Tipp: Laubblätter mal liegen lassen, einheimische Pflanzen wie die Distel bevorzugen und verschiedene Pflanzen einsäen, damit es das ganze Jahr über blüht. „Je mehr verschiedene Arten, desto besser“, führt die Expertin weiter aus.

Manchmal müsse man auch die Flächen sich selbst überlassen, so Herding. Denn zu viele Eingriffe in die Natur schaden ihr nur. „Vor allem die Schotterflächen im Garten stellen überhaupt keinen Lebensraum dar“, gibt Philipp zu bedenken.

Wer selbst überlegt, seinen Garten Insekten- oder Tier-freundlich zu gestalten, kann sich an die Biologin unter Telefon 02501/9719433 wenden, um Tipps und Tricks zu erhalten. Außerdem kann beim Nabu die Regiosaat auch für den eigenen Garten erworben werden, um die Drensteinfurter Insekten zu unterstützen.

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