Auf Spurensuche in und um Walstedde

WALSTEDDE ▪ Bei Wind und Wetter sind Dr. Manfred Lück und sein Schulfreund Willy Meise in den vergangenen beiden Jahren über die Äcker in Mersch und Walstedde gestiefelt. Zurück am heimischen Schreibtisch steckten die 64-Jährigen die Nase wieder in die Urkatasterkarten und brüteten über den Flurnamen, angetrieben von einer Frage: Wie ist Walstedde entstanden?

In den beiden vorhandenen Publikationen zur Geschichte des Dorfes fanden die beiden Hobbyforscher zwar Hinweise auf eine frühe Besiedlung, genaues sei dort aber nicht zu erfahren gewesen, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Lück.

Zunächst werteten die Heimatkundler das Ur-Kataster aus dem Jahre 1828 aus und analysierten die dort gefundenen Flurnamen, um erste Rückschlüsse auf das Alter zu ziehen.

„Wir haben uns dann überlegt, an welchen Orten frühe Höfe sinnvoll gewesen sein könnten“, so Lück. Schließlich waren die Vorfahren der Walstedder auf leicht zu bearbeitende und gut entwässerte Böden angewiesen.

„Eine Besiedlung war zudem nur dort möglich, wo ein Bach oder eine Quelle in der Nähe war“, so Lück weiter. Dann ging es auf die Äcker der Umgebung: Dort nahmen die beiden Männer Bodenproben, um die Dicke der Ackerkrume festzustellen. War diese tiefer als 35 Zentimeter, konnten die beiden Forscher davon ausgehen, dass es sich um Böden handelte, die über einen langen Zeitraum mit Grassoden und Viehmist gedüngt wurden – so wie es schon seit rund 800 nach Christus üblich war.

Die Ergebnisse all dieser Untersuchungen ließen letztlich nur einen Schluss für die Heimatkundler zu: „Bereits um das Jahr 500 nach Christus existierten sechs Höfe in Walstedde – und zwar auf einer sandigen Bodenwelle, die vom Friedhof über Altenwalstedde nach Ameke führt“, zieht Lück Bilanz. Bei den ersten Bewohnern – so vermutet er – habe es sich wohl um die Brukterer gehandelt, die damals schon überwiegend südlich der Lippe lebten.

Für die Zeit Karls des Großen – um 800 – lokalisierten die beiden Schulfreunde bereits zehn Höfe mit durchschnittlich sechs Einwohnern in Walstedde und Mersch. Bereits 200 Jahre später – um das Jahr 1 000 – verzeichnen Lück und Meise bereits 60 Höfe. „Die Einwohnerzahl hatte sich somit in zweihundert Jahren versechsfacht, wenn man von durchschnittlich sechs Einwohnern pro Hof ausgeht“, weiß Hobbyhistoriker Lück.

Der erste schriftliche Hinweis auf einen Hof in Walstedde stammt erst aus dem Jahre 870 nach Christus. Karl der Große hatte im Jahre 777 zum Hoftag nach Paderborn geladen. Dort regelte der Karolinger die Verwaltung des Münsterlandes und wie seine Untertanen zukünftig zu missionieren seien. Im Jahre 806 ernannte der Herrscher Luidger zum Bischof. „Dieser gab zwei der Walstedder Höfe an das Kloster Werden in Essen. Dort tauchen die Hofstellen im Jahre 870 erstmals in einem Heberegister des Klosters auf,“ erklärt Lück. Einer davon sei der Hof Uuelanstedi gewesen, dem Walstedde – als Platz an der Quelle – letztlich auch seinen Namen verdanke. Dass er den für das Dorf namensgebenden Hof identifiziert habe, sei letztlich nur ein Zufallsprodukt gewesen, so Lück, der die Geschichte des Dorfes gemeinsam mit Meise bis rund um das Jahr 1400 erforscht hat.

Ihre Ergebnisse wollen die beiden im Sommer übrigens einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Dann soll ihr rund 250-Seiten umfassendes Buch „Frühe Besiedlung und Besitzgeschichte in Drensteinfurt-Süd erscheinen. ▪ wes

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