Die Corona-Lage in Ingré

Noch schlimmer als in Deutschland - so hart trifft die Krise Drensteinfurts Partnerstadt Ingré

Rathaus von Ingré, Partnerstadt von Drensteinfurt
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Das Rathaus von Ingré: In Drensteinfurts Partnerstadt ist die Corona-Lage dramatisch

2020 sollte das Jahr sein, in dem die Städtepartnerschaft zwischen Ingré in Frankreich und Drensteinfurt intensiver wird. Dann kam Corona - persönliche Kontakte sind unmöglich. In Ingré selbst ist die Stimmung gedrückt. Die Infektionszahlen steigen trotz strenger Maßnahmen dramatisch.

Drensteinfurt/Ingré – In dieser Woche ist es ein Jahr her, dass die französischen Freunde aus Ingré als Delegation in Drensteinfurt waren. Damals gab es viele konkrete Planungen, um den Kontakt zwischen Drensteinfurt und seiner französischen Partnerstadt zu intensivieren. Die Corona-Pandemie hat alles verhindert.

Es ist schwer, über die Entfernung und auf Distanz eine Freundschaft zu pflegen. Dem Verein „Städte(R)freundschaft“ ist das bisher gut gelungen. Wöchentliche WhatsApp-Nachrichten, regelmäßiger Mail-Verkehr und Telefonate halten den Kontakt zwischen dem Drensteinfurter Verein und den Mitgliedern des „Commission de jumelage“, dem Pendant aus Ingré, aufrecht.

Darum wissen die Drensteinfurter auch aus erster Hand, dass die Corona-Lage in Frankreich noch dramatischer ist als in Deutschland. Zusätzlich belastet die Angst vor islamistischen Anschlägen und die daraus resultierende politische Lage den Alltag in Frankreich und damit auch in Ingré.

Ausgangssperre wegen Corona: „Die Stimmung ist gedrückt“

Erst am vergangenen Sonntag hatte Marion Fabian vom Verein „Städte(R)freundschaft“ mit Joelle Bonsergent von der l‘association de jumelage und dem Präsidenten Yves Cathelin Kontakt. „Die Stimmung ist gedrückt“, sagt sie. Corona habe das Nachbarland voll im Griff. Trotz nächtlicher Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr in 54 Departements in Frankreich betrug die Zahl der Neuinfektionen am 1. November 45.000. „Im Vergleich verzeichnete Deutschland an dem Tag nur 12.000 Neuinfektionen“, setzt Fabian die Zahl ins Verhältnis.

Jetzt sei eingetroffen, was viele der Freunde in Ingré bereits befürchtet hätten. „Seit vergangenem Freitag gilt bis mindestens 30. November das strenge ,Confinement‘“, berichtet sie. Konkret bedeute das Ausgangssperre. Nur für eine Stunde am Tag dürfe man mit Passierschein vor die Tür und das auch nur in einem Radius von einem Kilometer rund um die eigene Wohnung.

Alles sei dicht: Modegeschäfte, Buchhandlungen, Blumenläden und die Gastronomie. Lediglich Lebensmittelläden, Baumärkte und Schulen hätten geöffnet. Es sei jetzt genauso wie im März. „Die Franzosen stehen hinter den Maßnahmen“, so Fabian. Joelle Bonsergent hoffe sehr, dass die Maßnahmen greifen.

Dafür, dass sich die Franzosen an die Auflagen halten, sorge eine rigide Polizei. Von den französischen Freunden wisse sie, dass 135 Euro Bußgeld bei Nichtbeachtung fällig sind. Beim zweiten Mal sogar 1 500 Euro. Marion Fabian spricht von einem anderen Ton, der dort herrsche. „Sie setzen die Maßnahmen mit Druck und Angst durch.“

Kein Schulaustausch, kein Fußballturnier

„Ich höre nur schlechte Nachrichten im Radio“, habe Joelle Bonsergent in einer WhatsApp-Nachricht beklagt und die Islamistischen Anschläge angesprochen. Sie fühle sich hilflos und in Sorge. Nicht nur die Angst vor Anschlägen, auch die Sorge um die Nachfolge von Präsident Emmanuel Macron treibt sie um. Sie befürchte, dass die extrem rechts denkende Marine Le Pen die nächste Wahl gewinnt, sollte Macron das nicht in den Griff bekommen.

Das Jahr 2020 hätte die Freundschaft mit Ingré deutlich festigen können. So berichtet Marion Fabian vom geplanten Fußballaustausch. Drei Mannschaften (je eine aus jedem Ortsteil von Drensteinfurt) sollten in Ingré gemeinsam mit den Franzosen und den Fußballern der italienischen Stadt Castel Maggiore ein internationales Fußballturnier veranstalten.

Geplant war zudem die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde bei einem Gegenbesuch in Drensteinfurt. Zudem hätte im Oktober der fest geplanten Schüleraustausch der Teamschule stattfinden sollen.

„Alles wurde auf unbestimmte Zeit verschoben“, gibt Fabian enttäuscht zu.

Angst, dass die Kontakte einschlafen

Sie habe die Angst, dass bei vielen die Kontakte langsam einschlafen. Auch den Mitgliedern vor Ort geht es ähnlich. Mitgliederversammlungen mit französischen Spezialitäten zum Abschluss und das geplante Boule-Spiel mit anschließendem Grillen wurden gestrichen.

„Der Verein Städte(R)freundschaft lebt von Kommunikation, wir stricken ja nicht“, sagt sie. Persönliche Kontakte seien wichtig – und die habe Corona blockiert. Eine Gefahr sei auch, dass die Dinge gerade dabei waren, sich zu entwickeln. „Es hat sich noch nicht gefestigt“, erklärt die Rinkeroderin. Wenn die Lage sich normalisiert hat, müsse vieles wieder neu ins Rollen gebracht werden. Bis dahin versichert sie: „Wir machen das Beste draus und bleiben im Kontakt.“

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