Verlierer der Pandemie

Schwimmtraining läuft wieder: DLRG bietet nach Corona-Pause wieder Kurse im Erlbad an

Wieder präsent im Erlbad: Die DLRG-Ortsgruppe Drensteinfurt bietet seit dieser Woche Kurse für Nichtschwimmer sowie für Bronze, Silber, Gold, Junior Retter und Rettungsschwimmer an.
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Wieder präsent im Erlbad: Die DLRG-Ortsgruppe Drensteinfurt bietet seit dieser Woche Kurse für Nichtschwimmer sowie für Bronze, Silber, Gold, Junior Retter und Rettungsschwimmer an.

Mit der Öffnung des Erlbades, einer stabilen Inzidenz von unter 50 und dem Kreis als Modellregion hat auch die DLRG Drensteinfurt ihre Tätigkeit unter Einhaltung der Hygienevorschriften wieder aufgenommen.


Drensteinfurt – Die Schwimmvereine gehören zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Die DLRG Drensteinfurt hatte ihr Angebot 2020 komplett eingestellt, Schwimmkurse fanden nicht statt. Nun dürfen sie ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Gleichzeitig bietet die Firma „BlickWechsel“ ab dem 7. Juni insgesamt elf Anfängerschwimmkurse an – die bereits ausgebucht sind.

Von optimalem Badewetter ließ sich am Mittwochabend nicht sprechen. Für die Mitglieder der DLRG spielte das aber keine Rolle, sie waren einfach nur froh, endlich wieder mit dem Training starten zu dürfen. Mittwochs und freitags wird ab sofort, aufgeteilt in verschiedene Altersgruppen, von 17.30 bis 20.30 Uhr im Erlbad auf einer Bahn trainiert.

Direkt nach der Bekanntgabe sei ein erster Nichtschwimmerkurs mit zehn Kindern schon fast voll. „Es gibt sogar Anmeldungen aus Ascheberg“, berichtet die Öffentlichkeitssprecherin Katrin Gase. Sie geht von einem noch größeren Ansturm in den nächsten Tagen aus.

Schwimmkurse: Für mehr Sicherheit

Schwimmen lernen sei wichtig, doch man wolle, so der erste Vorsitzende der DLRG, Dennis Gase, vom Image des Schwimmvereins wegkommen und den eigentlichen Zweck der Lebensrettungsgesellschaft wieder in den Vordergrund stellen. Schwimmen lernen, Fähigkeiten trainieren und eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolvieren, das seien die Ziele der DLRG, so Gase. Darum stehen neben dem Kurs für Nichtschwimmer noch Kurse für Bronze, Silber, Gold, Junior Retter und Rettungsschwimmer auf dem Programm.

Für Mitglieder der DLRG sind alle Angebote kostenlos. Gegen Bezahlung werden Kurse für Polizisten, Lehrer und Soldaten angeboten, die den Rettungsschwimmschein berufsmäßig benötigen. „Wir schaffen mit der Rettungsschwimmerausbildung die Grundlage dafür, dass andere ihren Beruf ausüben können und sorgen für mehr Sicherheit am Strand und im Bad“, erklärt Katrin Gase. 350 Mitglieder zählt der Drensteinfurter Verein, zehn Trainer stehen zur Verfügung. Fast alle Mitglieder haben dem Verein trotz der einjährigen Corona-bedingten Zwangspause die Treue gehalten. Jetzt fehlt es an Helfern.

Mit Brett und viel Spaß: Die siebenjährige Liesbeth war die erste, die zum Training der DLRG ins Erlbad kam.

Trainer ab 14 Jahren dringend gesucht

„Wir suchen händeringend Trainer ab 14 Jahren, die gerne schwimmen und mit Kindern arbeiten möchten“, erklärt die Sprecherin für Öffentlichkeitsarbeit. Trainerscheine seien nicht erforderlich, die können bei der DLRG erworben werden. „Wir bringen ihnen alles bei, was sie wissen müssen“, stellt sie klar. Unter der Mobilnummer 01573/9326478 können sich Interessierte melden.

2020 hatte der Vorstand angesichts der Corona-Lage entschieden, kein Training anzubieten. „Viele Mitglieder waren verunsichert und hatten Angst“, erklärt Dennis Gase. Zudem wollte man die Pandemie nicht weiterverbreiten.

DLRG ist Teil einer Landes-Initiative

Jetzt spricht Geschäftsführer Oliver Buchholz von einem massiven Nachholbedarf. Darum habe sich der Verein zusätzlich der Initiative des Landes „NRW kann schwimmen“ angeschlossen. In den Ferien bekommen angemeldete Kinder der Klasse eins bis sechs an zehn aufeinanderfolgenden Werktagen Schwimmunterricht von Trainern der DLRG. Dank der Unterstützung des Landes betragen die Kosten pro Kind und Kurs nur 10 Euro. Die Anmeldung erfolgt über die Schulen, die auf die Eltern zugehen.

Der Vorstand ist froh, dass das Training wieder aufgenommen werden darf. Problematisch seien jedoch die Testpflicht und die damit verbunden die Frage, wer für die Kosten der Mitgliedertestung aufkommt. Es habe eine Bedarfsabfrage des Landes an die Vereine gegeben. „Der Bedarf war so groß, dass das Land die Übernahme der Kosten abgelehnt hat“, so Buchholz. Noch stehe eine Antwort des Kreises und der Stadt über die Kostenübernahme aus. „Erfolgt diese nicht, muss der Verein die Tests für die Helfer bezahlen“, sagt er. Angesichts der großen Zahl der Helfer sei das eine finanzielle Belastung. Immerhin dürfe der Verein die Tests selbst anwenden und auch bescheinigen.

Elf Kurse innerhalb eines Tages ausgebucht

Ina Menne ist Geschäftsführerin der Firma BlickWechsel, die als Dienstleister in NRW in Bädern unter anderem Schwimmkurse anbietet. Dafür stehen 40 festangestellte Schwimmtrainer zur Verfügung. Seit rund neun Jahren finden Kurse auch im Erlbad statt.

Durch Corona, so berichtet Ina Menne, gebe es einen Riesenrückstau. Schon immer habe es ein begrenztes Angebot für Kinder-Schwimmkurse gegeben, doch in diesem Jahr sei der Bedarf besonders hoch. Innerhalb von nur einem Tag nach der Einstellung auf der Homepage seien sämtliche elf Kurse ausgebucht gewesen, in Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 120 Anmeldungen und einige Kinder auf der Warteliste. „Ich habe etliche Telefonate mit verzweifelten Müttern geführt, die keinen Platz bekommen haben“, berichtet Menne.

Als Folge von Corona bewegten Kinder sich weniger. Dadurch verminderten sich die motorischen Fähigkeiten. „Das Schwimmen lernen wird schon deshalb nicht einfacher“, weiß Ina Menne. In diesem Jahr habe man weniger Zeit, mehr Kinder und nicht genügend Personal, beschreibt sie die aktuelle Situation. Erschwerend käme hinzu, dass die Anforderungen für das Seepferdchen schwieriger geworden seien.

Mitarbeit der Eltern gefragt

Es sei ein Glück, dass das Erlbad das Problem erkannt und reagiert hat, indem es ermöglicht, mehr Schwimmkurse als üblich anzubieten. „Wir haben eine sehr gute Kooperation mit dem Bad“, hebt sie hervor. Im Vergleich mit anderen Bädern sei das Drensteinfurter Bad besonders vorbildlich und biete ein ausgezeichnetes Hygienekonzept. Im Moment stehe man im Gespräch, um die Anzahl der Kurse um fünf bis sechs weitere aufzustocken und auch Aufbaukurse anzubieten. „Schwimmen lernen ist notwendig und hat auch was mit Sicherheit zu tun“, erklärt sie und führt aus: „Weiterführende Schulen setzen heute voraus, dass Schüler schwimmen können.“

Angesichts der Situation seien auch die Eltern gefragt, diese dürften die Verantwortung nicht allein an Schwimmlehrer abgeben. „Die Eltern müssen mit ihren Kindern schwimmen gehen, um sie ans Wasser zu gewöhnen“, macht sie deutlich. Das sei übrigens bei jedem Wetter möglich. Ihre Erfahrung: „Kinder finden es nicht schlimm, wenn es kühler ist oder regnet.“

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