Chorproben

Schutz der Kirchgänger geht vor: Trotz Erlaubnis wird in Kirchen noch auf Gesang verzichtet

Geht auf Nummer Sicher: Pastor Jörg Schlummer steht zum Entschluss, derzeit in den Gottesdiensten auf Gemeindegesang in Drensteinfurt zu verzichten.
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Geht auf Nummer Sicher: Pastor Jörg Schlummer steht zum Entschluss, derzeit in den Gottesdiensten auf Gemeindegesang zu verzichten.

Das Bistum Münster erlaubt auch in der aktuellen Corona-Zeit das Singen im Gottesdienst, und doch wird in den katholischen Kirchen in Drensteinfurt derzeit nicht gesungen. Für den einen oder anderen Kirchgänger scheint das ein Widerspruch.

Drensteinfurt – Ebenso sind Chorproben unter Einhaltung der Hygieneregeln entsprechend der Coronaschutzverordnung erlaubt, finden aber nicht statt. „Uns geht es um den Schutz der Kirchgänger und Chorsänger“, begründet Pfarrer Jörg Schlummer seine Entscheidung.

„Es kann überall im Bistum in den Kirchen gesungen werden“, bestätigt Schlummer. Auch in Drensteinfurt sei das bis zum Anstieg des Inzidenzwertes im Kreis Warendorf über die Marke von 50 Neuinfektionen innerhalb der vergangen sieben Tage erlaubt gewesen.

Sorgen der Kirchgänger

Seit sich der Kreis im roten Bereich bewege, habe man freiwillig auf den Gesang verzichtet. „Viele Gläubige haben das gemeinsame Singen als unverantwortlich erlebt“, sagt der Pfarrer. „Wir wollen die Ängste der Kirchgänger ernst nehmen“, fügt er hinzu.

Dann sei da noch die Nähe Drensteinfurts zu Ahlen und Hamm, die beide besonders hohe Infektionszahlen aufweisen. Hinzu kam die Überlegung, inwieweit das Singen mit Mund-Nasenschutz, der seit dem Anstieg der Infektionen während des gesamten Gottesdienstes Pflicht ist, überhaupt sinnvoll sei.

Neue Form des Lüftens

Am kommenden Wochenende müssen die Gläubigen noch auf den Gemeinde-Gesang verzichten. Wenn die Zahlen weiter konstant bleiben, könne er sich aber vorstellen, den Gemeindegesang mit Mundschutz zu versuchen. Immerhin wird das kommende Wochenende das dritte ohne gemeinsames Singen sein, erläutert Schlummer „Verzicht auf Gesang ist schade“, sagt er. Darum und weil die Corona-Zahlen in Drensteinfurt selber nicht alarmierend seien, stellt er ab kommende Woche Gemeindegesang mit Mundschutz in Aussicht.

Dass aktuell während des Gottesdienstes nicht mehr gelüftet wird, sei beabsichtigt. „Es hat neue Erkenntnisse gegeben“, so der Pfarrer. Es habe sich gezeigt, dass die Querlüftung die Aerosole vermehrt aufwirbelt. Besser sei es, wie jetzt praktiziert, vorher und nachher gründlich zu lüften.

Kirchenchor hat Proben ausgesetzt

In einem Schreiben des bischöflichen Generalvikars Dr. Klaus Winterkamp heißt es: „Ab einem Inzidenzwert von 50 sind kulturelle Veranstaltungen und Versammlungen mit bis zu 100 Personen zulässig.“ Damit seien auch Chorproben unter Beachtung der Vorgaben, die in der Anlage Hygiene- und Infektionsschutzstandards vorgesehen sind, möglich. Dabei gelte, dass die Sänger weder in Chorproben noch in Konzerten oder Gottesdiensten Masken tragen müssen, weil sie im Sinne der Coronaschutzverordnung NRW Vortragende sind und ihre Tätigkeit mit dem Tragen einer Mund- und Nasen-Bedeckung unvereinbar sei.

Der Vorstand des Kirchenchores „Cantate Domino“ hat sich anders entschieden. Nachdem die Proben in der St.-Regina-Kirche unter Berücksichtigung des Abstands gut angelaufen waren, finden seit dem plötzlichen Anstieg der Zahlen keine Proben mehr statt. „Viele unserer Sänger gehören zur Risikogruppe“, erklärt Chorleiterin Miriam Kaduk.

Sie stehe hinter der Entscheidung des Vorstands, derzeit keine Chorproben abzuhalten. „Wir wollen nicht, dass sich auch nur ein Chormitglied während einer Probe infiziert“, macht sie deutlich. Solange der Inzidenzwert auf einem so hohen Level ist, wird der Chor pausieren. Die Entscheidung fand bei allen Chorsängern großen Zuspruch.

Die einen proben, die anderen nicht

Mit dem Beschluss steht der Kirchenchor nicht alleine da – auch der MGV Drensteinfurt, der Frauenchor Rinkerode, das Vokalensemble DiWerse Voci und der Chor conTakt proben derzeit nicht. Gleiches gilt für etliche Chöre in Ahlen, Hamm und vielen anderen Städten.

Einen anderen Weg hat der MGV Rinkerode gewählt. „Wir haben, bis auf die Sommerferien, wie gewohnt gesungen“, bestätigt der Vorsitzende Uli Schäpers. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, mit jedem Sänger einzeln gesprochen und auch jedem die Wahl gelassen, ob er kommt oder nicht. „Es hat den Vorstand überrascht, dass gerade die älteren Sänger, die zur Risikogruppe gehören, sich für den Chor ausgesprochen haben“, sagt er.

MGV Rinkerode probt weiterhin

Bisher habe er auch keine große Gefahr gesehen. Die überwiegende Mehrzahl der Sänger komme aus Münster, dort sind die Werte relativ niedrig, der andere Teil aus Rinkerode. Man habe die Übereinkunft getroffen, dass sobald ein Sänger einen Corona-Fall im Bekanntenkreis hat, die Proben ausgesetzt werden.

Bisher sei das nicht eingetroffen. Auch das Ordnungsamt hatte keine Bedenken angemeldet. Aufgrund der aktuell hohen Infektionszahlen werde die Situation aber am Wochenende noch einmal neu überdacht und eingeschätzt. Zur Probe des MGV Rinkerode in der großen Scheune bei Peter Holtkamp auf dem Hof Welpendorf kommen im Durchschnitt 20 Sänger.

Als erstes Paar in Walstedde gaben sich nach Ausbruch der Corona-Pandemie Tatjana Schön und Christoph Gewinner das Ja-Wort in der St.-Lambertus-Kirche.

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